An­schmie­gen statt Da­ckel­blick

Stu­die: Kat­zen wis­sen, wie sie Men­schen auf ih­re Sei­te zie­hen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Mehr auf noz.de/gzw

Von Jörg Zitt­lau

Au­gen­brau­en rauf, treu­her­zig gu­cken – wenn Hun­de den „Da­ckel­blick“auf­set­zen, kann ihnen kaum ein Mensch wi­der­ste­hen. Doch was ma­chen Kat­zen, um ih­re Her­zens­bre­cher-Chan­cen zu er­hö­hen? Mit ih­rer Mi­mik er­rei­chen sie, wie jetzt eng­li­sche For­scher her­aus­ge­fun­den ha­ben, nur we­nig. Sie ar­bei­ten eher mit dem gan­zen Kör­per.

Das Team um Bridget Wal­ler von der Uni­ver­si­ty of Portsmouth un­ter­such­te an 106 Kat­zen in drei ver­schie­de­nen Tier­hei­men, wel­che Samt­pfo­ten es be­son­ders schnell schaff­ten, die Her­zen der mensch­li­chen Be­su­cher zu er­wei­chen und da­durch ein neu­es Zu­hau­se zu er­gat­tern.

Es zeig­te sich: Im Un­ter­schied zum Hund ha­ben Kat­zen nur ein spär­li­ches mi­mi­sches Re­per­toire. „Wir fan­den gera­de mal 15 Ge­sichts­aus­drü­cke“, be­rich­tet Wal­ler. Der herz­er­wei­chen­de Da­ckel­blick – er klappt bei Kat­zen auch des­halb nicht, weil ihnen das mi­mi­sche Rüst­zeug da­zu fehlt. Als Ur­sa­che ver­mu­tet Wal­ler, dass Kat­zen erst vor 10 000 Jah­ren do­mes­ti­ziert wur­den. „Der Hund lebt hin­ge­gen schon seit über 15000 Jah­ren eng mit dem Men­schen zu­sam­men“, so die Haus­tier-Ex­per­tin. Die Evo­lu­ti­on hat­te al­so bei ihm viel mehr Zeit für das Ent­wi­ckeln der Fein­ko­or­di­na­ti­on in der Ge­sichts­mus­ku­la­tur, die für ei­nen solch kom­ple­xen Vor­gang wie den Da­ckel­blick ge­braucht wird. Statt­des­sen hat die Evo­lu­ti­on Kat­zen mit ei­ner an­de­ren Stra­te­gie be­schenkt. Die For­scher ent­deck­ten näm­lich, dass je­ne Tie­re, die ih­ren Kör­per an Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de oder Spiel­zeu­ge schmieg­ten, 30 Pro­zent we­ni­ger Zeit als nicht schmie­gen­de Kat­zen brauch­ten, um sich ei­ne Ad­op­ti­on zu si­chern. Die Samt­pfo­ten wis­sen al­so auch oh­ne de­vo­ten Da­ckel­blick, wie man die Her­zen ei­nes Zwei­bei­ners er­obert. Wo­bei je­doch Wal­ler klar­stellt, dass dies nur bei aus­ge­wie­se­nen Kat­zen­lieb­ha­bern klappt: „Die ach­ten of­fen­bar we­ni­ger auf die Op­tik als auf Fak­to­ren, die Hin­wei­se auf das So­zi­al­ver­hal­ten der Tie­re ge­ben.“

Wild­kat­zen brei­ten sich aus:

Mi­mik spielt für Kat­zen beim Sam­meln von Sym­pa­thie­punk­ten kei­ne Rol­le. Fo­to: dpa

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