Un­er­war­tet vie­le To­des­fäl­le bei Schim­pan­sen durch Milz­brand

For­scher un­ter­su­chen Aus­brei­tung des Krank­heits­er­re­gers bei Wild­tie­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Ei­ne Va­ri­an­te des Milz­brand-Er­re­gers ist deut­schen For­schern zu­fol­ge ei­ne grö­ße­re Ge­fahr für Wild­tie­re in den Tro­pen als bis­lang an­ge­nom­men. An­ders als beim klas­si­schen Milz­brand-Er­re­ger ver­ster­ben an der Va­ri­an­te nicht nur vor­ran­gig Huf­tie­re wie An­ti­lo­pen. Lang­fris­tig könn­ten die In­fek­tio­nen zum Rück­gang und gar zum Auss­ter­ben der Schim­pan­sen-Po­pu­la­ti­on im Taï-Na­tio­nal­park an der El­fen­bein­küs­te bei­tra­gen, be­rich­ten die Wis­sen­schaft­ler im Fach­jour­nal „Na­tu­re“. Hin­ter­grund der Stu­die sind auch als mög­lich er­ach­te­te, bis­lang aber nicht be­ob­ach­te­te In­fek­tio­nen beim Men­schen.

Milz­brand (An­thrax) wird üb­li­cher­wei­se vom Er­re­ger Ba­cil­lus an­thra­cis ver­ur­sacht. Im Tier­reich wer­den Aus­brü­che im­mer wie­der in tro­cke­nen Re­gio­nen wie afri­ka­ni­schen Sa­van­nen be­ob­ach­tet, es trifft fast aus­schließ­lich Huf­tie­re. To­des­fäl­le auch bei Schim­pan­sen durch ei­ne in ge­ne­ti­scher Hin­sicht aty­pi­sche Va­ri­an­te – Ba­cil­lus ce­re­us bio­var an­thra­cis, kurz BCBVA – wur­den erst­mals An­fang der 2000er-Jahre be­ob­ach­tet. In­zwi­schen ist der Er­re­ger in meh­re­ren afri­ka­ni­schen Län­dern nach­ge­wie­sen. Die In­fek­ti­ons­quel­le ist un­klar.

Für die Stu­die zur Fra­ge der BCBVA-Ver­brei­tung ana­ly­sier­te ein in­ter­na­tio­na­les Team Kno­chen- und Ge­we­be­pro­ben von Tie­ren, die seit Mit­te der 90er-Jahre im TaïPark ver­en­det und tief­ge­fro­ren auf­be­wahrt wor­den wa­ren. Be­tei­ligt wa­ren Ex­per­ten des Ber­li­ner Ro­bert Koch-In­sti­tuts (RKI) und des Leip­zi­ger Max-Planck-In­sti­tuts für evo­lu­tio­nä­re An­thro­po­lo­gie.

Fast 40 Pro­zent der Tie­re sei­en BCBVA zum Op­fer ge­fal­len, so das Fa­zit der Au­to­ren. Dar­un­ter wa­ren ver­schie­de­ne Af­fen­ar­ten, Wald­an­ti­lo­pen und ein St­a­chel­schwein. „Nor­ma­ler­wei­se ist der Ein­fluss ei­nes ein­zel­nen Er­re­gers sel­ten so hoch“, er­klär­te Stu­di­en­lei­ter Fa­bi­an Le­en­dertz vom RKI.

Noch hö­her lag die Quo­te bei Schim­pan­sen: 31 von 55 un­ter­such­ten Tie­ren star­ben an dem Er­re­ger. In­fek­tio­nen bei Men­schen­af­fen sei­en In­di­ka­to­ren für Krank­hei­ten, die auch dem Men­schen ge­fähr­lich wer­den könn­ten, so Le­en­dertz. Er hält den Kon­takt von Men­schen mit BCBVA im Um­feld des Na­tio­nal­parks für „sehr wahr­schein­lich“, da sie Wild­tie­re jag­ten und auch Fleisch von frisch tot auf­ge­fun­de­nen Tie­ren ver­zehr­ten. Krank­hei­ten und To­des­fäl­le wür­den dort nicht un­ter­sucht.

War­um der Er­re­ger in dem Park an der El­fen­bein­küs­te so ak­tiv ist, wie sich die Tie­re in­fi­zie­ren und wel­chen Ein­fluss BCBVA auf die Men­schen hat, wol­len die For­scher nun un­ter­su­chen. Bei Men­schen in In­dus­trie­na­tio­nen wer­den Fäl­le von Milz­brand – her­vor­ge­ru­fen vom klas­si­schen Er­re­ger – nach RKI-An­ga­ben sehr sel­ten be­ob­ach­tet.

An­fäl­lig für Milz­brand sind auch Schim­pan­sen. Fo­to:dpa

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