Sie­ben Au­ßen­sei­ter im Wel­tall

Se­rie „Dark Mat­ter“bie­tet mit uto­pi­schen Aben­teu­ern geist­rei­che Un­ter­hal­tung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen -

Raum­schif­fe und Raum­sta­tio­nen dür­fen nicht feh­len. Die ka­na­di­sche Se­rie „Dark Mat­ter“be­dient die Freu­de an uto­pi­schen Aben­teu­ern. Aber sie gibt auch zu den­ken. Als Gast­star da­bei: Fran­ka Po­ten­te.

Von Ha­rald Kel­ler

Der Welt­raum. Unend­li­che Wei­ten. Ein Raum­schiff tru­delt durch die ewi­ge Nacht. Drin­nen sprü­hen Fun­ken aus den Ener­gie­lei­tun­gen. Die Be­sat­zung be­fin­det sich im künst­li­chen Tief­schlaf. Jetzt wird sie ge­weckt. Ein Mann. Ei­ne Frau. Sie ei­len zur Brü­cke. Ge­hen auf­ein­an­der los. Der Mann ver­liert. Die Frau über­nimmt die Steu­er­kon­so­le und bringt die Sys­te­me wie­der in Gang. Vor­erst funk­tio­niert al­les. Ein wei­te­rer Mann be­tritt den Kon­troll­raum. Und stellt die Fra­ge, die al­le noch lan­ge be­schäf­ti­gen wird: „Wer seid ihr?“Die zwei­stim­mi­ge Ant­wort: „Kei­ne Ah­nung. Wer bist du?“

In die­sen Wor­ten ver­birgt sich die zen­tra­le Phi­lo­so­phie der ka­na­di­schen Sci­ence-Fic­tion-Se­rie „Dark Mat­ter“. Sechs Men­schen kom­men fern der be­wohn­ten Welt zu Be­wusst­sein. Ih­re prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten ha­ben sie be­hal­ten, aber je­de per­sön­li­che Erinnerung ver­lo­ren. Sie müs­sen die an­de­ren und auch sich selbst neu ken­nen­ler­nen. Vor­erst be­nen­nen sie sich kur­zer­hand nach der Rei­hen­fol­ge ih­res Auf­wa­chens mit Zif­fern. Eins (Marc Ben­da­vid) ist ein nach­denk­li­cher und idea­lis­ti­scher, aber auch emo­tio­na­ler Typ. Zwei (Me­lis­sa O’ Neil) ver­fügt über Durch­set­zungs­ver­mö­gen und ei­ne na­tür­li­che Au­to­ri­tät. Drei (Ant­ho­ny Lem­ke) ist ein Drauf­gän­ger, Waf­fen­narr und Sprü­che­klop­fer. Der wort­kar­ge Asia­te Vier (Alex Mall­ari Jr.) zeigt ei­ne Art Sa­mu­rai-Men­ta­li­tät. Te­enager Fünf (Jo­del­le Fer­land) er­weist sich als Elek­tro- und Com­pu­ter­ko­ry­phäe. Der be­däch­ti­ge Afro­ame­ri­ka­ner Sechs (Ro­ger Cross) bil­det den ru­hi­gen Pol der Au­ßen­sei­ter­ban­de, die, um den Bord­an­dro­iden (Zo­ie Pal­mer)

er­wei­tert, als die glor­rei­chen Sie­ben des Raum­fahrt­zeit­al­ters zu ei­ner ver­schwo­re­nen Ge­mein­schaft zu­sam­men­wach­sen wird.

Se­ri­el­le Er­zäh­lun­gen in Fern­se­hen und Web ha­ben in den letz­ten Jah­ren gro­ße Auf­merk­sam­keit ge­fun­den. Das Sci­ence-Fic­tion-Gen­re al­ler­dings blieb da­bei stets un­ter­be­wer­tet. Zu Un­recht, denn auch hier fin­den sich je­ne Qua­li­tä­ten, die hoch­wer­ti­ge Se­ri­en kenn­zeich­nen. Und das nicht erst seit Kur­zem. Schon 1993 war der „Star Trek“-Ab­le­ger „Deep Space Ni­ne“– der­zeit täg­lich um 16.05 Uhr bei Te­le 5 zu se­hen – als Fort­set­zungs­ge­schich­te an­ge­legt. Die Au­to­ren ent­war­fen ein kom­ple­xes Ge­sell­schafts­sze­na­rio mit un­ter­schied­li­chen Ras­sen und in­nen­wie au­ßen­po­li­ti­schen Kon­flik­ten. Noch kom­ple­xer ge­riet 2004 die Neu­auf­la­ge von „Batt­le­star Ga­lac­tica“. Die Se­rie war das „Ga­me of Thro­nes“des Sci­ence-Fic­tion-Gen­res, die auf ho­hem Ni­veau ei­ne Fül­le so­zia­ler, po­li­ti­scher und re­li­gi­ös-spi­ri­tu­el­ler Fra­gen ver­han­del­te.

An die­se Klas­se reicht „Dark Mat­ter“nicht her­an, aber die nach ge­zeich­ne­ten Ro­ma­nen von Jo­seph Mal­loz­zi und Paul Mul­lie ge­stal­te­te, auch tech­nisch über­zeu­gen­de Se­rie bie­tet deut­lich mehr als tri­via­le ‚Space Ope­ras‘ . Nur schein­bar wer­den am En­de der Auf­takt­fol­ge die Iden­ti­tä­ten der Prot­ago­nis­ten ent­hüllt. Die Ge­schich­ten, die sich meist über meh­re­re Epi­so­den er­stre­cken, sind geist- und wen­dungs­reich und ent­wi­ckeln sich vor ei­ner ge­sell­schaft­li­chen Ku­lis­se, in der das Ge­setz der gro­ßen Kon­zer­ne gilt, die ih­re In­ter­es­sen not­falls von skru­pel­lo­sen Söld­nern durch­set­zen las­sen – An­spie­lun­gen auf un­se­re Ge­gen­wart sind kein Zu­fall. Är­ger­lich nur die deut­sche Syn­chro­ni­sa­ti­on: Die an­ge­strengt-ge­quäl­te Dik­ti­on der deut­schen Stim­men ent­spricht nicht dem Ori­gi­nal.

Für das deut­sche Pu­bli­kum in­ter­es­sant: In ei­ni­gen Epi­so­den der zwei­ten Staf­fel fun­giert Fran­ka Po­ten­te als Gast­star und kann hier, wie schon un­ter an­de­rem in der US-Se­rie „The Bridge – Ame­ri­ca“, ih­re fins­te­re Sei­te aus­spie­len. Und noch ein Na­me springt ins Au­ge: Ja­son Priest­ley, einst Te­enagerSchwarm der Se­rie „Be­ver­ly Hills, 90210“, ar­bei­tet schon seit Län­ge­rem auch hin­ter der Ka­me­ra. Bei ei­ner Epi­so­de von „Dark Mat­ter“über­nahm der heu­te 47-jäh­ri­ge Ka­na­di­er die Re­gie.

„Dark Mat­ter“, Te­le 5, ab heu­te, 22.05 Uhr, je­weils zwei Fol­gen

Se­rie „Dark Mat­ter“.

Ei­nen Drauf­gän­ger und Waf­fen­narr an Bord ei­nes Raum­schiffs spielt Ant­ho­ny Lem­ke in der Fo­to: Te­le5

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