Tref­fend über­zeich­net

Frank­fur­ter Ca­ri­ca­tu­ra-Mu­se­um zeigt Wer­ke des Ka­ri­ka­tu­ris­ten Frank Hopp­mann

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - auf noz.de/kunst

We­nig schmei­chel­haf­te Por­träts von Po­li­ti­kern und Zeich­nun­gen von Flie­gen und Schwei­nen des ems­län­di­schen Ka­ri­ka­tu­ris­ten Frank Hopp­mann prä­sen­tiert das Frank­fur­ter Ca­ri­ca­tu­raMu­se­um in ei­ner neu­en Aus­stel­lung.

Von Chris­ti­an Hu­ther

Be­dankt hat sich bis­her nie­mand, be­schwert aber auch nicht bei Frank Hopp­mann, dem Ur­he­ber der Por­träts. Da­bei wer­den bei ihm selbst schlan­ke Men­schen zu auf­ge­bla­se­nen Ty­pen mit rot­vio­lett schil­lern­der Haut, die den na­hen Kol­laps an­kün­digt. Auch Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er hat ein rie­si­ges Schwab­bel­kinn. Ganz zu schwei­gen von nicht ganz so schmal ge­bau­ten Zeit­ge­nos­sen wie An­ge­la Mer­kel oder dem nord­ko­rea­ni­schen Dik­ta­tor Kim Jong Un.

Gut kom­men sie al­le nicht weg bei Frank Hopp­mann, dem Ka­ri­ka­tu­ris­ten aus dem Ems­land, der seit lan­ger Zeit in Müns­ter lebt. Der 42-Jäh­ri­ge cha­rak­te­ri­siert die Pro­mis aus Po­li­tik, Wirt­schaft, Kul­tur und Sport al­les an­de­re als schmei­chel­haft, aber tref­fend. Ein­fach ge­ni­al, der Ober-Cho­le­ri­ker Re­cep Tay­yip Er­do­gan mit di­ckem Schmoll­mund, der jetzt im Frank­fur­ter Ca­ri­ca­tu­ra-Mu­se­um ne­ben 274 an­de­ren Wer­ken zu se­hen ist. Hier trifft er auf Geg­ner wie Mer­kel oder den Sa­ti­ri­ker Jan Böh­mer­mann.

Al­le Por­trä­tier­ten ha­ben ei­nen viel zu gro­ßen Kopf auf ei­nem viel zu klei­nen Kör­per. Auch dem nur aus den Au­gen­win­keln lu­gen­den Do­nald Trump er­geht es nicht an­ders; die Hän­de sind schmal und fein­glied­rig wie die ei­ner Ma­don­na, als hät­te der Po­li­ti­ker nie schwer ge­ar­bei­tet. Die­ses im De­zem­ber in der „Los An­ge­les Ti­mes“er­schie­ne­ne Por­trät wur­de mit ei­nem wich­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen Preis ge­wür­digt.

Dar­über kann Wla­di­mir Pu­tin nur dia­bo­lisch grin­sen, wäh­rend SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Martin Schulz im grü­nen Ha­waii­hemd vor sich hin feixt. Kurz­um: Hopp­manns küh­ne Stri­che­lei­en sind mehr als nur per­sön­li­che Sti­che­lei­en. Ge­lernt hat er sein Me­tier beim De­sign­stu­di­um in Müns­ter, ver­fei­nert hat er sein Kön­nen als Ge­richts­zeich­ner für Zei­tun­gen und Fern­seh­an­stal­ten.

Frank Hopp­mann gilt un­ter Ken­nern als „le­gi­ti­mer Nach­fol­ger von To­mi Un­ge­rer“, des mitt­ler­wei­le 85-jäh­ri­gen fran­zö­si­schen Il­lus­tra­tors und Au­tors. Auch F. W. Bern­stein, der Mit­be­grün­der der „Neu­en Frank­fur­ter Schu­le“, lobt Hopp­mann als „bes­ten Por­trät­zeich­ner eu­ro­pa­weit“. Oh­ne­hin ver­blüfft er mit ei­nem stän­di­gen Wech­sel sei­ner Tech­ni­ken. Mal zeich­net er mit Blei- und Bunt­stift, Koh­le oder Tu­sche, mal ko­lo­riert er mit Was­ser­far­ben oder Acryl. Als Ma­te­ri­al die­nen Pa­pier, Holz, Pap­pe oder an­ein­an­der­ge­kleb­te Zet­tel. Wenn es das Mo­tiv er­for­dert, wird ein­fach an­ge­klebt, denn Hopp­mann will „kein DIN-A2-Ma­ler sein“, sprich: Er will sei­ne Frei­heit be­wah­ren.

Zu­wei­len er­lau­ben sei­ne „Cha­rak­ter­köp­fe“auch Ver­glei­che mit der Tier­welt. An­ge­la Mer­kel et­wa könn­te fast als Nacht­eu­le durch­ge­hen. Und Er­do­gan, so Martin Sonn­tag im Ka­ta­log, er­in­nert an ei­nen Pe­ki­ne­sen, Trump an ei­ne Flun­der. Eben ver­zerrt und über­zeich­net, aber durch­aus na­he­lie­gend.

Tat­säch­lich hat Hopp­mann ein Fai­b­le für Tie­re, wie der Aus­stel­lungs­ti­tel „Ani­ma­lism“ver­rät. Folg­lich geht es um „die Ver­mensch­li­chung der Tie­re und die Ver­tie­rung der Men­schen“, so Mu­se­ums­chef Achim Frenz. Vor al­lem die in­tel­li­gen­ten Schwei­ne ha­ben es dem Künst­ler an­ge­tan. Hopp­mann zeich­net sie mit An­zug, Kra­wat­te und Zi­gar­re, aber auch in Tier­ge­stalt mit ro­ten Pumps oder gar als „Gei­le Sau“.

„Wo Schwei­ne sind, sind auch Flie­gen“, be­merkt Hopp­mann in sei­ner tro­cke­nen Art. Doch das Zeich­nen von Flie­gen ist „fast ei­ne The­ra­pie nach der Ar­beit an ei­nem Por­trät“. Dann stu­diert er, ähn­lich akri­bisch, Flie­gen un­ter der Lu­pe oder zwi­schen den Fin­gern. Ein wei­te­res Blatt zeigt nur zwei Flie­gen­pat­schen an der Wand, ver­se­hen mit dem Ti­tel „An den Na­gel, the war is over“. Die Schlacht ist ge­schla­gen, bis zum nächs­ten Tag.

„Ani­ma­lism“, Ca­ri­ca­tu­raMu­se­um, Frank­furt, bis 3. De­zem­ber, Di.–So. 11–18, Mi. 11–21 Uhr.

Mehr Aus­stel­lungs­tipps

Trump.

Mit zu gro­ßem Kopf: das Por­trät des US-Prä­si­den­ten Do­nald Ab­bil­dun­gen: Frank Hopp­mann/Ca­ri­ca­tu­ra-Mu­se­um

Tay­yip Er­do­gan.

Mit Schmoll­mund: der tür­ki­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Re­cep

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