16-Jäh­ri­ge mit Nackt­fo­tos er­presst

Land­ge­richt Os­na­brück be­stä­tigt ein­jäh­ri­ge Frei­heits­stra­fe oh­ne Be­wäh­rung für 25 Jahre al­ten Mann

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Die Be­ru­fung ge­gen ein Ur­teil des Amts­ge­richts brach­te dem 25-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten aus dem müns­ter­län­di­schen Rhe­de nicht die er­hoff­te Aus­set­zung der Frei­heits­stra­fe zur Be­wäh­rung. Er muss we­gen Er­pres­sung für ein Jahr ins Ge­fäng­nis.

Ihm wird vor­ge­wor­fen, ei­ne heu­te 20-jäh­ri­ge Zu­falls­be­kannt­schaft aus dem In­ter­net mit der Ver­öf­fent­li­chung von Nackt­fo­tos er­presst zu ha­ben. 2013 nah­men die bei­den im In­ter­net-Chat­por­tal „Knud­dels.de“Kon­takt auf. Zu­nächst ließ sich die da­mals 16-Jäh­ri­ge über­re­den, sich beim Bild­te­le­fo­nie­ren mit ent­blöß­tem Ober­kör­per zu zei­gen. In der Fol­ge­zeit for­der­te der An­ge­klag­te wei­te­re Nackt­sit­zun­gen. Wenn sie dem nicht Fol­ge leis­te, wer­de er das ers­te Vi­deo ver­öf­fent­li­chen und ins­be­son­de­re auch ih­ren El­tern zu­schi­cken. Das Mäd­chen ließ sich dar­auf ein und schick­te dem An­ge­klag­ten wei­te­re Nackt­fo­tos.

Im Fe­bru­ar 2016 be­ka­men die Dro­hun­gen ei­ne neue Di­men­si­on. Der An­ge­klag­te for­der­te jetzt Geld, an­dern­falls wür­de er die Nackt­fo­tos ver­brei­ten. Aus Furcht vor ei­ner bla­ma­blen Bloß­stel­lung ließ sich die in­zwi­schen 19-Jäh­ri­ge auf Zah­lun­gen ein. Da sie als Aus­zu­bil­den­de nur über ge­rin­ges Ein­kom­men ver­füg­te, konn­te sie im­mer nur klei­ne Be­trä­ge über­wei­sen. Der An­ge­klag­te war nie zu­frie­den, ver­lang­te im­mer mehr. In 14 ein­zel­nen Trans­ak­tio­nen zahl­te das Op­fer ins­ge­samt 900 Eu­ro. Als im April 2016 wei­te­re 150 Eu­ro von ihr ver­langt wur­den, war die jun­ge Frau mit ih­ren Ner­ven und ih­rem Geld am En­de und of­fen­bar­te sich der Po­li­zei.

Be­reits in ers­ter In­stanz hat­te der An­ge­klag­te über sei­nen An­walt das Tat­ge­sche­hen in vol­lem Um­fan­ge ein­ge­räumt und die „un­ver­zeih­li­chen Feh­ler“, die er be­gan­gen ha­be, be­dau­ert. Das Amts­ge­richt ver­ur­teil­te ihn zu ei­nem Jahr Frei­heits­stra­fe oh­ne Be­wäh­rung, 900 Eu­ro Scha­den­er­satz we­gen der er­hal­te­nen Er­pres­sungs­gel­der und 1000 Eu­ro Schmer­zens­geld. Vor dem Land­ge­richt be­grün­de­te der Ver­tei­di­ger nun die ein­ge­leg­te Be­ru­fung, die sich nur ge­gen das Straf­maß rich­te­te: Nie­man­dem, be­son­ders nicht dem Op­fer, sei da­mit ge­dient, wenn sein Man­dant ein­sit­zen müs­se. Seit drei Mo­na­ten ste­he er wie­der in ei­nem Ar­beits­ver­hält­nis. Wenn er die Ar­beit ver­lie­re, wür­de es ihm kaum mög­lich sein, die Geld­for­de­run­gen zu be­glei­chen. Des­halb be­an­trag­te er die Aus­set­zung der Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung.

Zwei­mal die­sel­be Ma­sche

Das Land­ge­richt wer­te­te das Ge­ständ­nis eben­so wie die ärzt­lich be­schei­nig­te Spiel­sucht des An­ge­klag­ten straf­mil­dernd. Ge­gen ihn spre­che aber, dass er noch nicht ein­mal die mehr­fach ver­spro­che­ne Er­stat­tung der er­hal­te­nen Er­pres­sungs­gel­der ge­leis­tet ha­be und noch nicht mit ei­ner The­ra­pie zur Be­kämp­fung der Spiel­sucht be­gon­nen ha­be. Aus­schlag­ge­bend für die Ver­sa­gung ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe war für das Ge­richt je­doch ein „ekla­tan­tes Be­wäh­rungs­ver­sa­gen“. Das Amts­ge­richt Bocholt hat­te den Mann im Ok­to­ber 2015 we­gen Nö­ti­gung ei­ner 13-jäh­ri­gen Chat-Be­kannt­schaft zu acht Mo­na­ten auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt. „Kein hal­bes Jahr spä­ter wer­den Sie mit der­sel­ben Ma­sche rück­fäl­lig, of­fen­sicht­lich hat Sie die­ses ers­te Ur­teil über­haupt nicht be­ein­druckt. Das kön­nen wir nicht mit ei­ner wei­te­ren Straf­aus­set­zung zur Be­wäh­rung be­loh­nen“, sag­te der Vor­sit­zen­de. Die Ent­schei­dung ist noch nicht rechts­kräf­tig.

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