Di­cke Luft auch nach dem Die­selgip­fel

EU-Kom­mis­si­on will Be­schlüs­se prü­fen – Weil: Auch aus­län­di­sche Fir­men ins Vi­sier neh­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Di­cke Luft auch nach dem Die­selgip­fel: Die von den Au­to­her­stel­lern ver­spro­che­nen Soft­ware-Up­dates lö­sen das Ab­gas­pro­blem nicht, sa­gen Ex­per­ten und Um­welt­schüt­zer.

BERLIN. Auch die EU-Kom­mis­si­on hat sich zu­rück­hal­tend zu den Ber­li­ner Be­schlüs­sen ge­äu­ßert. Ei­ne Spre­che­rin der Brüs­se­ler Be­hör­de be­ton­te, die Maß­nah­men wür­den sorg­fäl­tig ge­prüft. Es sei bis­lang nur ein „al­ler­ers­ter Schritt“un­ter­nom­men wor­den, da­mit die Ober­gren­zen für Stick­oxi­de ein­ge­hal­ten wer­den.

Die deut­schen Be­hör­den müss­ten si­cher­stel­len, dass die aus­ge­sto­ße­nen Ab­ga­se mit neu­en, ak­ku­ra­te­ren Test­ver­fah­ren ge­mes­sen wür­den, die ab Sep­tem­ber schritt­wei­se in Eu­ro­pa ein­ge­führt wer­den. Laut Um­welt­bun­des­amt lag der Aus­stoß von Stick­stoff­oxi­den pro Ki­lo­me­ter bei der Die­sel-Pkw-Flot­te in Deutsch­land 2016 bei durch­schnitt­lich 767 Mil­li­gramm. Nach den EU-Ab­gas­nor­men Eu­ro 5 sind aber nur 180 Mil­li­gramm zu­läs­sig, nach Eu­ro 6 nur 80 Mil­li­gramm.

Aus der deut­schen Po­li­tik ka­men deut­li­che War­nun­gen an die Au­to­kon­zer­ne. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) schloss Fahr­ver­bo­te nicht aus. Auch die tech­ni­sche Auf­rüs­tung von Fahr­zeu­gen blei­be ei­ne Op­ti­on, sag­te Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD). Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) er­klär­te: „Die Au­to­mo­bil­bran­che muss von ih­rem ho­hen Ross her­un­ter und wie­der mehr ih­rer Ver­ant­wor­tung für die Ge­sell­schaft und für ih­re Kun­den ge­recht wer­den.“

Tech­ni­sche Um­rüs­tun­gen wie et­wa den Ein­bau grö­ße­rer Harn­stoff­tanks zur Ab­gas­rei­ni­gung hat­te die In­dus­trie auf dem Gip­fel ent­schie­den ab­ge­lehnt. VW-Chef Mat­thi­as Müller er­klär­te, dies sei aus­ge­schlos­sen. Laut „Bild“kos­tet ein Soft­ware-Up­date pro Die­sel­fahr­zeug 150 Eu­ro. Die tech­ni­sche Auf­rüs­tung

kos­te das Zehn­fa­che. Die Au­to­in­dus­trie wird den Die­selgip­fel nach Ein­schät­zung des Ex­per­ten Fer­di­nand Du­den­höf­fer als Ein­stieg für ei­ne neue Ra­batt­run­de nut­zen. Der wei­ter an­hal­ten­den Ve­r­un­si­che­rung der Au­to­käu­fer wer­de man mit noch hö­he­ren Preis­nach­läs­sen be­geg­nen, sag­te der Lei­ter des CAR-In­sti­tuts an der Uni­ver­si­tät

Duis­burg-Es­sen. Un­mit­tel­bar nach dem Tref­fen ha­ben et­wa Daim­ler, BMW, Ford und To­yo­ta Prä­mi­en mit un­ter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­lobt, wenn Neu­wa­gen­käu­fer ih­re al­ten Die­sel­au­tos in Zah­lung ge­ben be­zie­hungs­wei­se ver­schrot­ten.

Beim Die­selgip­fel hat­ten die deut­schen Her­stel­ler

neue Ab­gas-Soft­ware für rund 5,3 Mil­lio­nen Au­tos zu­ge­sagt, um den Aus­stoß des Atem­gif­tes Stick­oxid zu ver­rin­gern. Die im Bran­chen­ver­band VDIK zu­sam­men­ge­fass­ten in­ter­na­tio­na­len Im­por­teu­re hal­ten sich her­aus. Zu­min­dest To­yo­ta be­tei­ligt sich frei­wil­lig mit Aus­tausch­prä­mi­en für äl­te­re Die­sel­au­tos.

Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil mo­nier­te die­se Ge­rech­tig­keits­lü­cke. „Die Wahr­schein­lich­keit, dass fran­zö­si­sche oder ita­lie­ni­sche Au­tos we­sent­lich sau­be­rer sind als deut­sche, hal­te ich für ziem­lich ge­ring“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker. Er for­dert, auch Die­sel aus­län­di­scher Her­stel­ler ins Vi­sier zu neh­men.

Ka­ri­ka­tur: Klaus Stutt­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.