Kin­der­ar­mut in Deutsch­land nimmt zu

Vor al­lem Nach­wuchs von Flücht­lin­gen be­trof­fen – Auch Se­nio­ren häu­fi­ger ge­fähr­det

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

AFP Vor dem Hin­ter­grund des Flücht­lings­zu­zugs hat die Kin­der­ar­mut in Deutsch­land ei­ner Stu­die der ge­werk­schafts­na­hen Han­sBöck­ler-Stif­tung zu­fol­ge spür­bar zu­ge­nom­men. Der An­teil der Kin­der und Ju­gend­li­chen, die un­ter der Ar­muts­ge­fähr­dungs­gren­ze le­ben, sei im ver­gan­ge­nen Jahr um 0,6 Pro­zent­punk­te auf 20,3 Pro­zent ge­stie­gen, heißt es in der am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten Un­ter­su­chung. Das ent­spre­che rund 2,7 Mil­lio­nen Men­schen un­ter 18 Jah­ren.

Die gro­ße Zahl der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nach Deutsch­land ge­flüch­te­ten Kin­der und Ju­gend­li­chen schlägt sich ver­stärkt in der So­zi­al­sta­tis­tik nie­der. Da­ge­gen sei­en die Ar­muts­quo­ten un­ter Kin­dern und Ju­gend­li­chen, die kei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ha­ben oder als Kin­der von Mi­gran­ten in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den, leicht rück­läu­fig.

Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­tin Ka­trin Gö­ring-Eckardt sag­te, die Zah­len of­fen­bar­ten das Ver­sa­gen der Gro­ßen Ko­ali­ti­on aus Uni­on und SPD. „Es war zu er­war­ten, dass die oh­ne­hin schon ho­he Kin­der­ar­mut in Deutsch­land durch die Zu­wan­de­rung stei­gen wird“, er­klär­te sie. „Denn nicht nur ge­gen­über der Ar­mut

ver­schließt die Re­gie­rung die Au­gen – auch ein wirk­sa­mes In­te­gra­ti­ons­kon­zept fehlt.“Das sei „fa­tal für den ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt“. Das Deut­sche Kin­der­hilfs­werk for­der­te die Po­li­tik auf, die Be­kämp­fung der Kin­der­ar­mut so­wie ver­stärk­te In­te­gra­ti­ons­maß­nah­men für zu­ge­wan­der­te Kin­der und Ju­gend­li­che zu ei­ner Prio­ri­tät in der neu­en Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zu ma­chen. „Es ist an der Zeit, dass sich die po­si­ti­ve wirt­schaft­li­che La­ge in Deutsch­land end­lich auf die Si­tua­ti­on ar­mer Kin­der und Ju­gend­li­cher aus­wirkt“, er­klär­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Hol­ger Hof­mann.

Die all­ge­mei­ne Ar­muts­quo­te in Deutsch­land lag der Stu­die zu­fol­ge 2016 mit 15,8 Pro­zent mi­ni­mal hö­her als im Vor­jahr. Un­ter Se­nio­ren setz­te sich der seit 2009 zu be­ob­ach­ten­de An­stieg der Ar­muts­ge­fähr­dung fort: Die Al­ters­ar­muts­quo­te stieg im ver­gan­ge­nen Jahr um 0,2 Pro­zent­punk­te auf 14,8 Pro­zent.

Für die Ana­ly­se wer­te­te das Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tut der Hans-Böck­ler-Stif­tung die Ar­muts­da­ten des Mi­kro­zen­sus 2016 aus.

Als arm gel­ten laut der ver­wen­de­ten De­fi­ni­ti­on Haus­hal­te, de­ren Ein­kom­men we­ni­ger als 60 Pro­zent des be­darfs­ge­wich­te­ten mitt­le­ren Ein­kom­mens be­trägt.

Für ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern un­ter 14 Jah­ren ha­be die Ar­muts­schwel­le 2015 bei ei­nem ver­füg­ba­ren Net­to­ein­kom­men von we­ni­ger als 1978 Eu­ro im Mo­nat ge­le­gen, so die Stu­die.

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