Mit dem Vo­lo­c­op­ter über Du­bai

Flie­gen­de Ta­xis gel­ten als Ver­kehrs­kon­zept der Zu­kunft für stau­ge­plag­te Mega-Ci­tys – Im Emi­rat star­tet fünf­jäh­ri­ger Test­be­trieb

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Ralf E. Krü­ger

Die Zu­kunft der Mo­bi­li­tät liegt in der Luft – zu­min­dest in Du­bai. Als Ant­wort auf die Ver­kehrs­pro­ble­me vie­ler Groß­städ­te star­tet dort dem­nächst ein fünf­jäh­ri­ger Test­be­trieb mit Flug­ta­xis. Das Flug­ge­rät kommt aus Deutsch­land – ein gro­ßer Er­folg für das jun­ge Start-upUn­ter­neh­men Vo­lo­c­op­ter aus Bruch­sal bei Karls­ru­he. Denn ur­sprüng­lich hat­te Du­bai die in Chi­na ent­wi­ckel­te ein­sit­zi­ge Droh­ne des An­bie­ters Ehang im Vi­sier.

Senk­recht ab­he­ben und lan­den wie ein Hub­schrau­ber lau­tet das Mot­to: Es ist der neue, al­te Traum vom flie­gen­den Au­to, der durch neue Tech­no­lo­gi­en be­feu­ert wird. Das in Du­bai ein­ge­setz­te Mo­dell ver­fügt über 18 klei­ne, kreis­för­mig an­ge­ord­ne­te Ro­to­ren und ist für zwei Pas­sa­gie­re ge­dacht. An­ders als zu­nächst ge­plant, wird es ei­nen Pi­lo­ten an Bord ha­ben. „Der of­fi­zi­el­le Be­trieb hängt von der Be­reit­schaft der Un­ter­neh­men und der Ver­füg­bar­keit des nö­ti­gen ge­setz­li­chen Re­gel­werks für den Be­trieb au­to­nom flie­gen­der Luft­fahrt­ge­rä­te ab“, be­ton­te Du­bais zu­stän­di­ger Be­hör­den­chef Mat­tar al-Tay­er in ei­ner Er­klä­rung.

Denn ob­wohl glo­bal ein Wett­lauf um ent­spre­chen­de Trans­port-Kon­zep­te ein­ge­setzt hat, gibt es bis­her nir­gend­wo auf der Welt Er­fah­run­gen beim flä­chen­de­cken­den Be­trieb von Flug­ta­xis im bo­den­na­hen Luf­t­raum. Ho­hen Er­war­tun­gen ste­hen auch ho­he Hür­den ent­ge­gen – nicht nur tech­ni­sche, son­dern auch bü­ro­kra­ti­sche. Zu­dem gilt es noch ei­ne Men­ge psy­cho­lo­gi­scher Hür­den zu kna­cken – selbst bei Pi­lo­ten. „In so ein au­to­nom flie­gen­des Ta­xi wür­de ich nie ein­stei­gen“, sagt Flug­ka­pi­tän Mar­kus Wahl von der Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit. Ihm graut bei der Vor­stel­lung ei­nes Funk­a­bris­ses, der den Pas­sa­gier ei­nem dann steu­er­lo­sen Flug­ge­rät hilf­los aus­lie­fern könn­te.

Da­bei gilt das Markt­po­ten­zi­al als enorm: Ein Dut­zend Un­ter­neh­men tüf­telt welt­weit an ent­spre­chen­den Tech­ni­ken – dar­un­ter bald auch Gee­ly, Vol­vos chi­ne­si­sche Mut­ter­ge­sell­schaft. Sie über­nimmt den US-Flug­au­to-Her­stel­ler Ter­ra­fu­gia, der be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren sein ers­tes Flug­au­to vor­stell­te. Der Fahr­dienst-Ver­mitt­ler Uber be­kun­de­te eben­falls In­ter­es­se und will sei­ne mit Au­tos ein­ge­fah­re­ne Platt­form für den Be­trieb von Luft­ta­xis ver­schie­de­ner Her­stel­ler um­funk­tio­nie­ren. Im Jahr 2020 will Uber Tests in Du­bai und Dal­las be­gin­nen.

„In den letz­ten zwölf Mo­na­ten ist das The­ma „Flug­au­to“end­lich sa­lon­fä­hig ge­wor­den“, sagt der aus Aus­tra­li­en stam­men­de Kon­struk­teur John Brown, der in Braun­schweig vor der Zu­las­sung des Car­pla­ne-Flug­au­tos steht. Vo­lo­c­op­ter mel­de­te erst die­sen Di­ens­tag ei­ne Geld­sprit­ze von 25 Mil­lio­nen Eu­ro von Daim­ler, dem Tech-In­ves­tor Lu­kasz Ga­dow­ski und wei­te­ren In­ves­to­ren. Da­mit will Vo­lo­c­op­ter die Tech­no­lo­gie wei­ter­ent­wi­ckeln und die Ein­füh­rung des Se­ri­en­mo­dells be­schleu­ni­gen. Aus Deutsch­land kommt auch der Kon­kur­rent Li­li­um, der En­de ver­gan­ge­nen Jah­res ei­ne Fi­nan­zie­rung von zehn Mil­lio­nen Eu­ro vom Lon­do­ner Ka­pi­tal­ge­ber Ato­mi­co be­kam.

Der Flug­zeug­her­stel­ler Air­bus hat den Markt eben­falls im Blick: Der Kon­zern ent­wi­ckelt ein fah­rer­lo­ses flie­gen­des Ta­xi, bei dem es sich um ei­ne klei­ne Ka­bi­ne auf Ku­fen mit Pro­pel­lern vor­ne und hin­ten han­delt. Das au­to­ma­ti­siert flie­gen­de Flug­ta­xi kommt oh­ne Pi­lo­ten aus und soll per Smart­pho­ne zum Lan­de­platz ge­or­dert wer­den. Der ers­te Pro­to­typ soll noch in die­sem Jahr flie­gen, so die bis­he­ri­gen Plä­ne. Die meis­ten Kon­zep­te ver­fü­gen statt ei­nes gro­ßen Pro­pel­lers über vie­le klei­ne, die je­weils von ei­nem Elek­tro­mo­tor an­ge­trie­ben wer­den. Als Schwach­stel­le gel­ten die Bat­te­ri­en – sie rei­chen oft kaum für mehr Flug­zeit als ma­xi­mal 30 Mi­nu­ten.

Fo­to: dpa

Ab in die Luft: In ei­ner Aus­stel­lung in Du­bai wird ein Mo­dell des EHang 184, der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on des Du­bai Droh­nen-Ta­xis, vor­ge­stellt.

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