Ei­ne Leh­re­rin kämpft ge­gen Sala­fis­ten

„Be­geg­nung ist die bes­te Prä­ven­ti­on“– Bie­le­fel­der Initia­ti­ve warnt vor Ex­tre­mis­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Na­di­ne Gru­ne­wald

In Ost­west­fa­len­Lip­pe le­ben rund 150 Men­schen, die der sala­fis­ti­schen Sze­ne zu­ge­rech­net wer­den. Mit dem Pro­jekt „Weg­wei­ser“will das nord­rhein-west­fä­li­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um ver­hin­dern, dass die Sze­ne wächst. Doch ei­ne Leh­re­rin aus Bie­le­feld fin­det, dass zu we­nig un­ter­nom­men wird – und kämpft selbst ge­gen die Sala­fis­ten an.

„Im Be­reich der Prä­ven­ti­on wird im­mer noch zu we­nig ge­tan. Die Si­cher­heits­be­hör­den sind über­for­dert mit dem Aus­maß ex­tre­mis­ti­scher Ge­walt, und vie­le Men­schen wol­len gar nichts von dem The­ma hö­ren“, sagt die Bie­le­fel­de­rin Bir­git Ebel, die als Leh­re­rin an ei­ner Schu­le in Her­ford ar­bei­tet.

Rund 2900 Sala­fis­ten ver­zeich­net das NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um im Land. In Ost­west­fa­len-Lip­pe wer­den 150 Men­schen zur sala­fis­ti­schen Sze­ne ge­rech­net, 20 da­von le­ben in Her­ford.

Durch ei­nen 15-Jäh­ri­gen sei Bir­git Ebel vor drei Jah­ren auf das Pro­blem auf­merk­sam ge­wor­den. Der Ju­gend­li­che ha­be sich in ih­rem Un­ter­richt als neu­er Schü­ler aus­ge­ge­ben und die­sen ge­stört. Die an­de­ren Schü­ler hät­ten be­haup­tet, den Schü­ler nicht zu ken­nen. Bei ei­ner Re­cher­che im In­ter­net und bei Face­book ha­be sie Fo­tos ge­fun­den, auf de­nen der Schü­ler mit Waf­fen – mög­li­cher­wei­se At­trap­pen – po­siert ha­be. Schließ­lich ha­be sie sich an die Kri­po ge­wandt und Kon­takt zum Staats­schutz auf­ge­nom­men.

„Ich ha­be wei­ter ge­sucht und bin bei Face­book auf ge­fähr­lich wir­ken­de Pro­fi­le ge­sto­ßen.“Vie­le Schü­ler hät­ten Sala­fis­ten in ih­ren Freun­des­lis­ten ge­habt und ra­di­ka­le In­hal­te ge­pos­tet. „Ich glau­be, vie­le Ju­gend­li­che wis­sen oft gar nicht, mit wem sie da on­line be­freun­det sind. Und die El­tern be­kom­men da­von erst recht nichts mit.“Zu­sam­men mit an­de­ren Er­wach­se­nen bau­te sie das Pro­jekt „ex­tremd­age­gen!“auf. Seit Sep­tem­ber 2014 klärt sie ge­mein­sam mit Ju­gend­li­chen über Ex­tre­mis­mus und Sala­fis­mus auf. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren sei­en knapp 70 Ju­gend­li­che ak­tiv ge­wor­den. „Wir wol­len ver­hin­dern, dass Ju­gend­li­che in die­se ex­tre­mis­ti­schen Sze­nen ab­drif­ten. Al­so bie­ten wir Al­ter­na­ti­ven an und zei­gen mit Ak­tio­nen und Pro­jek­ten, dass sich das Le­ben in der De­mo­kra­tie lohnt“, sagt Ebel.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um will die Sze­ne auf zwei Ar­ten be­kämp­fen. „Zum ei­nen wer­den Straf­ta­ten knall­hart ge­ahn­det, zum an­de­ren ha­ben wir das Prä­ven­ti­ons­pro­gramm ‚Weg­wei­ser‘ ins Le­ben ge­ru­fen“, sagt ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums. Dort wer­den An­ge­hö­ri­ge von Men­schen be­ra­ten, die in die sala­fis­ti­sche Sze­ne ab­zu­rut­schen dro­hen, Hilfs­an­ge­bo­te für ge­fähr­de­te Ju­gend­li­che ge­macht und Leh­rer sen­si­bi­li­siert. Lan­des­weit gibt es der­zeit 13 Be­ra­tungs­stel­len, in die­sem Jahr sol­len noch zwölf da­zu­kom­men.

Den­noch glaubt Ebel, dass zu we­nig ge­gen ra­di­ka­len Sala­fis­mus un­ter­nom­men wird. Vor al­lem an Schu­len sei das ein Ta­bu­the­ma. „Vie­le Men­schen ha­ben Angst, und es ist ih­nen un­an­ge­nehm, öf­fent­lich über das The­ma zu spre­chen“, sagt Omar Aref. Der 23-jäh­ri­ge Her­for­der kommt ge­bür­tig aus dem Li­ba­non und ist gläu­bi­ger Mos­lem. Seit zwei Jah­ren macht er bei „ex­tremd­age­gen!“mit. Vor Kur­zem grün­de­te er den in­ter­kul­tu­rel­len Sport­und Bil­dungs­ver­ein Her­ford. „Die Be­geg­nung von Men­schen ist die bes­te Prä­ven­ti­on vor Ras­sis­mus. Es sind die Aus­ge­grenz­ten, die Halt im Ra­di­ka­len fin­den“, sagt er.

Kon­ter ge­gen Ex­tre­mis­mus: Als Sala­fis­ten et­wa in Bie­le­feld Kora­ne ver­tei­len, gab die Initia­ti­ve „ex­tremd­age­gen!“das Grund­ge­setz aus. Fo­to: Bir­git Ebel

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