Wei­ter im li­la-wei­ßen Tief­flug?

Enochs: Ich bin über­zeugt von mei­ner Ar­beit – Der­cho vor der Rück­kehr – Gans: An­ge­bot für Ál­va­rez

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Der be­rühm­te Tag da­nach. Wie ver­ar­bei­tet der VfL Osnabrück als ak­tu­el­les Schluss­licht der 3. Fuß­ball-Li­ga das 0:3 bei Fortu­na Köln wei­ter? Gibt es ei­ne Trai­ner­dis­kus­si­on? Kommt Mar­cos Ál­va­rez? Fra­gen über Fra­gen. Ei­ne Be­stands­auf­nah­me.

Von Ste­fan Al­ber­ti

Der Trai­ner in der Kri­tik: Nicht mal 24 St­un­den nach dem Ab­pfiff im Köl­ner Süd­sta­di­on will Coach Joe Enochs die Nie­der­la­ge in der Dom­stadt „über­haupt nicht schön­re­den“. Sei­ne Mann­schaft sei nach dem 0:2 in der 48. Mi­nu­te aus­ein­an­der­ge­fal­len. Al­len Ge­gen­tref­fern sei­en ekla­tan­te Feh­ler vor­aus­ge­gan­gen, „die­se Feh­ler müs­sen wir drin­gend ab­stel­len“. Er sei über­zeugt von sei­ner Ar­beit – und eben­so über­zeugt, dass die Mann­schaft in den nächs­ten Wo­chen wie­der er­folg­reich Fuß­ball spie­len wer­de. Ein Ha­lil Sav­ran sei nach sei­ner lan­gen Ver­let­zungs­pau­se noch nicht wie­der bei 100 Pro­zent, ein Alex­an­der Der­cho wer­de schon bald wie­der zu­rück­keh­ren, ein Marc Hei­der ha­be von sei­ner Sper­re nur noch ein Spiel ab­zu­sit­zen. Da­zu geht er da­von aus, dass Leis­tungs­trä­ger wie Chris­ti­an Groß, Ju­les Rei­mer­ink oder Mar­cel Ap­piah auch wie­der ihr kom­plet­tes Po­ten­zi­al aus­schöp­fen könn­ten. Mit der Kri­tik nach die­sem Sai­son­start müss­ten er und die Mann­schaft um­ge­hen. Enochs: „Als Trai­ner stehst du so­wie­so im­mer in der Kri­tik.“Auch nach den er­folg­rei­chen Spie­len in der Ver­gan­gen­heit sei er im­mer wie­der kri­ti­siert wor­den. Das ge­hö­re zum Ge­schäft – so wie die Tat­sa­che, dass ir­gend­wann sei­ne Zeit als Trai­ner beim VfL en­den wer­de.

Wie er­wähnt: Der Coach will das Spiel in Köln nicht Un­s­anft ge­lan­det: VfL-Youngs­ter Ka­mer Kras­ni­qi (am Bo­den, hier im Zwei­kampf mit Kölns Ni­co Bran­den­bur­ger).

schön­re­den, aber ein Aspekt aus die­ser Par­tie ist ihm noch sehr wich­tig: „Der Schieds­rich­ter hat sich nach dem Spiel bei uns ent­schul­digt, weil er beim 0:1 ei­ne Ab­seits­stel­lung über­se­hen ha­be.“In der Tat: Beim Schuss von Kölns Ma­nu­el Far­ro­na Pul­i­do stand der For­tu­ne Ham­di Dah­ma­ni im Ab­seits – so im Ab­seits, dass er mög­li­cher­wei­se VfL-Tor­hü­ter Marius Gers­beck ir­ri­tiert ha­ben könn­te. Re­fe­ree Fe­lix-Ben­ja­min Schwer­mer er­kann­te auf Tor, Pro­tes­te der VfL-Spie­ler blie­ben je­doch aus.

Vor der Rück­kehr: Der in den ver­gan­ge­nen Wo­chen an ei­nem Au­ßen­band­riss la­bo­rie­ren­de Alex­an­der Der­cho ist am Don­ners­tag nach dem Trai­ning zu­ver­sicht­lich: „Ich konn­te jetzt zwei Ta­ge schmerz­frei lau­fen.“Mög­li­cher­wei­se

kön­ne er am Sonn­tag wie­der spie­len – sei­ne Ein­schät­zung: „Stand heu­te, zu 80 Pro­zent.“Sein Re­zept, wie die Mann­schaft wie­der die Kur­ve aus der Kri­se be­kom­men kann: „Es geht dar­um, nicht Fuß­ball zu spie­len, son­dern Fuß­ball zu ar­bei­ten.“Auch wenn es sich viel­leicht blöd an­hö­re: Bei vie­len Füh­rungs­spie­lern sei der­zeit der Kopf nicht frei. Was nichts da­mit zu tun ha­be, dass es in­ner­halb des Teams nicht pas­se oder dass das Ver­hält­nis zwi­schen Mann­schaft und Trai­ner be­las­tet sei. Der Ne­ga­tiv­trend aus der Rück­run­de und den be­schei­de­nen Spie­len in der Vor­be­rei­tung sei her­über­ge­schwappt. „Da sor­gen manch­mal vie­le Klei­nig­kei­ten da­für, dass es im Spiel nicht so läuft.“Manch­mal kön­ne dann nur ein Er­folgs­er­leb­nis da­für sor­gen,

dass sich das Blatt wen­de. Der­cho zieht da­für ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Ver­gleich her­an: „Wis­sen Sie, das ist wie in ei­ner Be­zie­hung. Wenn es mal nicht so gut läuft, muss je­der Part­ner mehr da­für tun, dass es wie­der läuft.“

Blitz­trans­fer? Der VfL ver­han­delt mit Of­fen­siv­mann Mar­cos Ál­va­rez über ei­ne Rück­kehr. Er­geb­nis? Un­ge­wiss. Der 25-Jäh­ri­ge war am Mitt­woch­abend Gast im Köl­ner Süd­sta­di­on, um sei­nem al­ten Ver­ein aus Osnabrück (2014 bis 2016) ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten – und sich in der Öf­fent­lich­keit zu zei­gen. Der VfL sei nach wie vor ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit für ihn, auch wenn nach dem letz­ten Ab­schied viel­leicht das ei­ne oder an­de­re bö­se Wort ge­fal­len sei. „Das ist ver­ges­sen.“Für ihn sei je­den­falls ei­ne

Rück­kehr vor­stell­bar, „wenn die fi­nan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen stim­men“. Der­zeit sei er oh­ne Ver­ein, „aber ich bin top­fit“.

Ál­va­rez stand zu­letzt beim Zweit­li­gis­ten Dy­na­mo Dres­den un­ter Ver­trag. Die­ser Kon­trakt wur­de im Som­mer auf­ge­löst. Kürz­lich ha­be er aus per­sön­li­chen Grün­den ein An­ge­bot des spa­ni­schen Zweit­li­gis­ten Lor­ca De­por­ti­va ab­ge­lehnt, er­zähl­te er auf der Tri­bü­ne des Köl­ner Süd­sta­di­ons. Und nun der VfL? Lothar Gans (Lei­ter VfL-Pro­fi­fuß­ball) und Enochs be­stä­ti­gen mehr­fach auf Nach­fra­ge das In­ter­es­se an Ál­va­rez. Enochs: „Er hat die Dreck­sack-Men­ta­li­tät, die uns im Mo­ment viel­leicht fehlt.“Nach An­ga­ben von Gans liegt dem Be­ra­ter des Fuß­bal­lers ein kon­kre­tes An­ge­bot vor. „Wir war­ten auf ei­ne Re­ak­ti­on.“Ein sol­ches kon­kre­tes An­ge­bot ha­be er bis da­to je­doch noch nicht er­hal­ten, be­rich­tet Ál­va­rez an­schlie­ßend am Te­le­fon. Es kön­ne aber sein, dass sich ir­gend­wel­che Din­ge über­schnit­ten hät­ten. Der 25Jäh­ri­ge stellt noch ein­mal fest: „Ich wür­de ger­ne nach Osnabrück zu­rück­keh­ren, auch weil ich hier noch vie­le Freun­de ha­be. Aber es sind noch an­de­re Ver­ei­ne im Ge­spräch.“Er sei durch­aus be­reit, für ei­nen Wech­sel zum VfL sei­ne fi­nan­zi­el­len Vor­stel­lun­gen an­zu­pas­sen, „das kann ich aber nicht un­be­grenzt“. Die Her­zens­an­ge­le­gen­heit ist of­fen­sicht­lich auch im­mer ei­ne Fra­ge des Gel­des…

Mehr über den VfL le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/vfl

Fo­to: Hel­mut Kem­me

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