Die vie­len Kri­sen­her­de im Spiel des VfL Osnabrück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional -

Von Ben­ja­min Kraus

Wie­so spielt der VfL Osnabrück der­zeit so we­nig er­folg­reich? Die Grün­de sind viel­fäl­tig – hier ei­ne Ur­sa­chen­for­schung.

Ein Grund sind Aus­fall­zei­ten und Form­schwan­kun­gen wich­ti­ger Leis­tungs­trä­ger: Ak­tu­ell feh­len Marc Hei­der ge­sperrt und Alex­an­der Der­cho so­wie Chris­ti­an Bi­ckel ver­letzt. Ha­lil Sav­ran ist nach sie­ben Mo­na­ten Pau­se noch nicht auf Topni­veau. Das gilt der­zeit aber auch für Chris­ti­an Groß, ob­wohl die­ser (nach Kreuz­band­riss) seit dem 10. März wie­der im Spiel­be­trieb der 3. Li­ga ak­tiv ist. Im Form­tief ste­cken auch Stür­mer Kwa­si Okye­re Wriedt und Rechts­ver­tei­di­ger Na­zim San­ga­ré, die noch im Herbst 2016 Leis­tungs­trä­ger wa­ren.

Dies er­schwert die Bil­dung ei­nes sta­bi­len Ge­rüs­tes im Team – da­zu kom­men aber auch haus­ge­mach­te Pro­ble­me, wie das Bei­spiel Kon­stan­tin En­gel zeigt. Im Win­ter ge­holt und erst vor al­lem als Rechts­ver­tei­di­ger ein­ge­setzt, war er nun als Stamm-In­nen­ver­tei­di­ger ein­ge­plant. Ge­spielt hat er dort nur beim 0:4 ge­gen We­hen Wies­ba­den. Zum Auf­takt beim KSC fehl­te er ver­letzt, in Köln agier­te er als Links­ver­tei­di­ger. Oft ro­tiert wur­de auch im zen­t­ral­de­fen­si­ven Mit­tel­feld, et­wa bei Groß (Ab­wehr, Mit­tel­feld, Ab­wehr) oder Ka­mer Kras­ni­qi (Start­elf, Bank, Start­elf ). Fakt ist: Vor Tor­wart Marius Gers­beck – der­zeit ein­zi­ger Füh­rungs­spie­ler in Nor­mal­form – ist ei­ne kon­stant agie­ren­de sta­bi­le Ach­se, auf die sich die Mann­schaft stüt­zen kann, nicht er­kenn­bar. Da­zu ver­misst man ei­nen De­fen­siv­spie­ler mit na­tür­li­cher Au­to­ri­tät und ei­nem ge­wis­sen Stan­ding, der auch ver­bal da­zu in der La­ge ist, die Mann­schaft zu steu­ern und bei Rück­schlä­gen auf­zu­rich­ten.

Auf­fäl­lig ist zu­dem die feh­len­de Kopf­ball­stär­ke: Zu se­hen bei den Stan­dard-Ge­gen­to­ren, aber auch in wei­te­ren Sze­nen ge­gen We­hen und Köln. Ho­he Bäl­le in Rich­tung VfL-Ab­wehr sor­gen seit den Ab­gän­gen von Ant­ho­ny Syh­re und vor al­lem To­bi­as Wil­lers re­gel­mä­ßig für Ge­fahr. Ho­he VfL-Bäl­le ins Ab­wehr­zen­trum des Geg­ners blei­ben bei feh­len­der Kopf­ball­stär­ke von Wriedt als ein­zi­gem gro­ßen Start­elf-Stür­mer des VfL da­ge­gen meist un­ge­fähr­lich. Da­zu fehlt der­zeit auch am Bo­den die Va­ria­bi­li­tät im Of­fen­siv­spiel des VfL: Geg­ner hat­ten es we­gen aus­blei­ben­der Tem­po­wech­sel leicht, sta­ti­sche, vor­her­seh­ba­re VfLAn­grif­fe zu ver­tei­di­gen. In die­sem Zu­sam­men­hang war auch Neu­zu­gang Tim Dan­ne­berg – ab­ge­se­hen von sei­nem Tor beim KSC – noch nicht in der La­ge, Ak­zen­te zu set­zen.

Den VfL-Pro­fis kann man si­cher nicht vor­wer­fen, dass sie nicht wol­len. Das Pro­blem ist eher ein men­ta­les: ei­ne durch jüngs­te Ne­ga­tiv-Er­leb­nis­se aus­ge­lös­te, un­ter­be­wuss­te Ängst­lich­keit: Angst da­vor, ei­nen wei­te­ren Feh­ler zu ma­chen. Sie re­du­ziert die Ri­si­ko­be­reit­schaft und Krea­ti­vi­tät in vor­ders­ter Front, sie er­klärt die feh­len­de Über­zeu­gung in vie­len Ak­tio­nen und Zwei­kämp­fen – und die nicht op­ti­ma­le Kör­per­spra­che der Spie­ler. Rück­schlag-Er­leb­nis­se durch Ge­gen­to­re ver­stär­ken in­ner­halb der Spie­le den Ab­wärts­sog. Der VfL ist in ei­ner schwie­ri­gen La­ge.

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