Was fehlt?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional - Von Ha­rald Pis­to­ri­us h.pis­to­ri­us@noz.de

Nein, der VfL Osnabrück muss Joe Enochs nicht ent­las­sen. Aber: Ja, der VfL darf und kann über ei­nen Trai­ner­wech­sel nach­den­ken. Und zwar in­tern in ei­ner har­ten, fai­ren und er­geb­nis­of­fe­nen Ana­ly­se des ver­korks­ten Sai­son­starts.

Wir sind im Pro­fi­fuß­ball des 21. Jahr­hun­derts, des­sen ein­zi­ge Wäh­rung der Er­folg ist. Ein Trai­ner­wech­sel hat nichts An­rü­chi­ges mehr, son­dern ge­hört zu den Me­tho­den die­ser ver­rück­ten Bran­che.

Trai­ner ver­schlei­ßen sich, sie ver­lie­ren den Draht zur Mann­schaft, Spie­ler und Trai­ner pas­sen nicht mehr zu­sam­men, manch­mal fehlt ein Quänt­chen Glück. Oft ist es schlicht der Wech­sel als sol­ches, der Kräf­te frei­setzt und Ver­kramp­fun­gen löst.

Es ist Sa­che der Ver­ant­wort­li­chen, in ei­ner Pha­se des Miss­er­folgs zu prü­fen, ob der Trai­ner­wech­sel ei­ne Op­ti­on ist. Da­für gibt es in vie­len Ver­ei­nen ei­ne sport­li­che Lei­tung; ei­nen Mann, der für die Gr­und­aus­rich­tung steht und den Trai­ner be­glei­tet, in dem er ihn un­ter­stützt, kor­ri­giert, hin­ter­fragt, för­dert und steu­ert. Und im Sinn des Ver­eins die Fra­ge stel­len darf und so­gar muss: Ist das noch der rich­ti­ge Trai­ner für uns? Wer­der Bre­men hat das in der ver­gan­ge­nen Sai­son ex­em­pla­risch ge­tan.

Die­sen Mann gibt es beim VfL nicht mehr, seit Lothar Gans ei­nen Ab­schied auf Ra­ten nimmt und Sport­li­cher Lei­ter auf Zeit ist. Der ver­dienst­vol­le, stets loya­le und sym­pa­thi­sche Ma­na­ger wi­ckelt auf den letz­ten Me­tern sei­ner Lauf­bahn das Ta­ges­ge­schäft sau­ber ab.

Doch ge­ra­de jetzt braucht der VfL ei­ne sport­li­che Stra­te­gie, die un­ter Be­rück­sich­ti­gung wirt­schaft­li­cher Mög­lich­kei­ten und Gren­zen ei­ne neue Ba­sis legt. Ei­ne Ba­sis, mit der auch für das Pu­bli­kum er­kenn­bar wird, was der Ver­ein wie, wann und mit wel­chem Per­so­nal er­rei­chen will und kann.

Die Er­wei­te­rung der Ge­schäfts­füh­rung um ei­ne in­no­va­ti­ve, sport­ge­präg­te, von au­ßen kom­men­de Per­sön­lich­keit ist nö­tig, wenn der VfL mehr will, als über das je­wei­li­ge Sai­son­en­de hin­aus zu den­ken und zu han­deln.

Ein Sport­chef mit Pro­fil, Mut und Ide­en wä­re zu­dem ei­ne Chan­ce, dass der VfL die Ver­zagt­heit und Mut­lo­sig­keit ab­legt, die sich rund um den Club breit­ma­chen.

Die Ver­ant­wort­li­chen zu­cken zu­sam­men, wenn Lot­te und Mep­pen auf­stei­gen. Man ver­weist auf den schrump­fen­den Per­so­nal­etat und die Vor­tei­le der Kon­kur­renz, macht sich klei­ner als man ist.

Und die Mann­schaft ar­bei­tet Fuß­ball, wie be­la­den mit ei­nem Ruck­sack, ge­füllt mit Ver­bis­sen­heit und der Angst vor Feh­lern. Lei­den­schaft und Emo­ti­on, Spiel­witz und Frech­heit blei­ben auf der Stre­cke.

Ei­ner Mann­schaft in ei­ner Kri­se, in die man als Trai­ner selbst mit ihr ge­ra­ten ist, in die Spur zu brin­gen, ist ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für ei­nen Trai­ner. Be­steht man sie je­doch, geht man ge­stärkt dar­aus her­vor.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.