Nicht da­bei – und doch ein The­ma

Zu Chris­toph Har­ting will sich nie­mand äu­ßern – DLV: Ver­hal­te­ner WM-Op­ti­mis­mus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Michael Jo­nas

Im deut­schen Leicht­ath­le­tik-La­ger ist die Vor­freu­de auf die an die­sem Frei­tag be­gin­nen­den Welt­meis­ter­schaf­ten groß. Im Mit­tel­punkt steht aber plötz­lich ein Ath­let, der gar nicht an den Ti­tel­kämp­fen in Lon­don teil­nimmt.

Bei der ers­ten Pres­se­kon­fe­renz des DLV im To­wer Ho­tel soll­te sich Ver­bands­chef Cle­mens Prokop zu Chris­toph Har­ting äu­ßern, der an­geb­lich al­ko­ho­li­siert ei­nen Au­to­un­fall ver­ur­sacht ha­ben soll und sich ge­gen­über Be­am­ten ag­gres­siv ver­hal­ten hat. „Es ist ein lau­fen­des Ver­fah­ren. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt möch­ten wir da nicht Stel­lung zu neh­men“, sag­te der Leicht­ath­le­tik-Chef. Er un­ter­strich, dass die Sport­ler ei­ne Vor­bild­funk­ti­on hät­ten. „Es gab bis­her so gut wie nie Pro­ble­me mit Al­ko­hol. Un­se­re Ath­le­ten sind cha­rak­ter­stark“, mein­te Prokop. Der Un­fall soll sich laut ei­nem Be­richt der „Bild“-Zei­tung am 23. Ju­li am Prenz­lau­er Berg in Berlin er­eig­net ha­ben. Har­ting ha­be sich an­schlie­ßend nicht nur mit ei­nem an­de­ren Au­to­fah­rer, son­dern auch mit den Po­li­zei­be­am­ten an­ge­legt. Er sei zu­nächst zur Blut­ent­nah­me auf die Wa­che ge­bracht wor­den, wo sein Füh­rer­schein vor­läu­fig ein­be­hal­ten wur­de. Das Er­geb­nis steht an­geb­lich noch aus.

Dar­auf von Jour­na­lis­ten an­ge­spro­chen zu wer­den, war Prokop sicht­lich pein­lich. Lie­ber woll­ten er und DLV-Chef­trai­ner Id­riss Gon­sch­in­s­ka sich zu den Ath­le­ten äu­ßern, die vor Ort sind und am Wo­che­n­en­de schon im Ein­satz sind. Da­zu ge­hört auch Ro­bert Har­ting, der sei­ne fünf­te WM be­strei­tet. Bru­der Chris­toph, der Olym­pia­sie­ger von Rio, hat­te die Qua­li­fi­ka­ti­ons­norm nicht er­füllt. „Ro­bert macht ei­nen gu­ten Ein­druck. Er ist op­ti­mis­tisch und mo­ti­viert. Sei­ne schwie­ri­ge Kreuz­band­ver­let­zung darf man nicht au­ßer Acht las­sen. Aber im ent­schei­den­den Mo­ment muss man ihn erst ein­mal schla­gen“, un­ter­strich Gon­sch­in­s­ka.

Har­ting, der vor fünf Jah­ren in Lon­don mit Dis­kusGold sei­nen größ­ten Tri­umph fei­er­te, muss am Frei­tag die Qua­li­fi­ka­ti­ons­hür­de neh­men. „Mei­ne Mög­lich­kei­ten sind zwar be­grenzt. Aber ich bin im­mer noch to­tal dar­an in­ter­es­siert, Gren­zen zu ver­schie­ben. Das törnt mich an“, gibt sich der ge­bür­ti­ge Cott­bu­ser kämp­fe­risch. Die Ent­schei­dung im Dis­kus­wurf fällt am Sams­tag.

Mit Da­vid Storl ist noch ein Schwer­ge­wicht am Wo­che­n­en­de am Start. Der zwei­ma­li­ge Ku­gel­stoß-Welt­meis­ter, der 2011 bei den Ti­tel­kämp­fen im süd­ko­rea­ni­schen Dae­gu als ers­ter Deut­scher in die­ser Dis­zi­plin Gold hol­te, will am Sonn­tag noch ein­mal al­les ge­ben. „Wenn man so er­folg­reich ist wie Da­vid, ist es schwie­rig, noch hö­her zu kom­men. Au­ßer­dem gibt es tech­ni­sche Pro­ble­me nach sei­ner Knie-OP. Und die in­ter­na­tio­na­le Kon­kur­renz hat sich ent­wi­ckelt. Die An­zahl an Dreh­stoß­tech­ni­kern hat zu­ge­nom­men. Es gibt vie­le Ath­le­ten, die 22 Me­ter ge­sto­ßen ha­ben. Der Kon­kur­renz­kampf ist groß“, warn­te Gon­sch­in­s­ka vor zu gro­ßen Er­war­tun­gen in Rich­tung Har­ting und Storl.

Die deut­schen DLV-Chefs möch­ten kei­ne Me­dail­lenPro­gno­sen ab­ge­ben. „Ich weh­re mich da­ge­gen, die sport­li­che Bi­lanz an Me­dail­len zu mes­sen. Es gibt vie­le Aspek­te. Wir ha­ben ei­ne Rei­he von Chan­cen“, gibt sich Prokop zu­ver­sicht­lich. „Ich mag das Me­dail­len­ra­ten nicht. Wenn un­se­re Ath­le­ten ih­re Leis­tun­gen ab­ru­fen, müs­sen die an­de­ren erst mal bes­ser sein“, hält sich auch Gon­sch­in­s­ka mit Pro­gno­sen zu­rück. Was dem DLV-Chef­trai­ner ge­fal­len hat, war der Vor­trag von Jo­nas Re­cker­mann in Ki­en­baum. „Ein Traum wird zu Gold“– mit die­sem Slo­gan hat­te der Beach­vol­ley­ball-Olym­pia­sie­ger 62 deut­sche Ath­le­ten auf die WM ein­ge­stimmt. „Es ging auch dar­um, sich men­tal zu fin­den. Wir wol­len ge­mein­sam hung­rig sein und hat­ten ei­nen gu­ten Team­spi­rit. Die Ath­le­ten bren­nen dar­auf, sich in den Wett­be­wer­ben mit den Bes­ten zu mes­sen. Al­le sind mo­ti­viert“, fand Gon­sch­in­s­ka das Tref­fen mit ei­nem Gro­ßen aus ei­ner an­de­ren Sport­art ge­lun­gen.

Die Er­war­tungs­hal­tung hält sich trotz der op­ti­mis­ti­schen Grund­stim­mung in Gren­zen. Bei den Olym­pi­schen Spie­len 2016 in Rio de Janei­ro gab es nur drei Me­dail­len. Acht Po­dest­plät­ze wie bei der WM 2015 in Pe­king er­schei­nen bei den Leicht­ath­le­ten eher un­wahr­schein­lich. Prokop möch­te, dass Lon­don aus deut­scher Sicht auch ei­ne Wer­bung für Berlin wird. Dort fin­den im nächs­ten Jahr die Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten statt. „Des­halb ist Lon­don für uns von ganz wich­ti­ger Be­deu­tung.“

Ei­nen klei­nen Dämp­fer gab es doch noch. Der Le­ver­ku­se­ner Sprin­ter Alei­xo-Pla­ti­ni Men­ga sag­te die WM we­gen Achil­les­seh­nen­pro­ble­men ab. Der 29-Jäh­ri­ge soll­te über 200 Me­ter zum Ein­satz kom­men und war auch für die 4x 100-Me­ter-Staf­fel vor­ge­se­hen.

Wol­len kei­ne Me­dail­len-Pro­gno­sen ab­ge­ben: Id­riss Gon­sch­in­s­ka (links) und Cle­mens Prokop. Fo­to: dpa

Sorgt der­zeit für Schlag­zei­len, al­ler­dings au­ßer­halb des sport­li­chen Be­reichs: Dis­kus­wer­fer Chris­toph Har­ting. Fo­to: ima­go/Si­mon

Der an­de­re Har­ting könn­te für sport­li­che Schlag­zei­len sor­gen: Ro­bert Har­ting star­tet bei der WM. Fo­to: dpa

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