Nur UEFA kann den Trans­fer stop­pen

Ney­mars An­wäl­te zah­len 222 Mil­lio­nen an Bar­ça – Ver­stoß ge­gen „Fi­nan­ci­al Fair Play“?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Jens Marx und Se­bas­ti­an Ku­nig­keit

Jetzt ist der Re­kord­trans­fer von Ney­mar so gut wie si­cher. Der Pro­fi hat die fest­ge­schrie­be­ne Ab­lö­se von 222 Mil­lio­nen Eu­ro be­zahlt. Schon bald dürf­te der Bra­si­lia­ner in Pa­ris vor­ge­stellt wer­den. Die gro­ße Fra­ge: Wie re­agiert die UEFA auf die of­fen­kun­di­gen Ver­stö­ße ge­gen die Re­geln des „Fi­nan­ci­al Fair Play“?

Der Re­kord­trans­fer des bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball­Pro­fis Ney­mar vom FC Barcelona zu Pa­ris Saint-Ger­main steht vor dem Ab­schluss. Ein „ge­setz­li­cher Ver­tre­ter“des Stür­mers be­zahl­te am Don­ners­tag­abend die fest­ge­leg­te Ab­lö­se­sum­me von 222 Mil­lio­nen Eu­ro di­rekt an sei­nen bis­he­ri­gen Club Barcelona, wie die Ka­ta­la­nen mit­teil­ten. Das Ka­pi­tel Ney­mar ist da­mit bei den Spa­ni­ern be­en­det, der 25-Jäh­ri­ge ist kein Spie­ler des FC Barcelona mehr.

Der Weg für den 25-Jäh­ri­gen zu Pa­ris Saint-Ger­main PSG Pa­ris ist da­mit frei. Am Frei­tag oder Sams­tag soll er vor­ge­stellt wer­den. Wo­mög­lich spielt er am Sams­tag schon erst­mals für den Vi­ze-Meis­ter. Ei­ne Sui­te im Hô­tel Roy­al Mon­ceau ist für den Star schon re­ser­viert.

Zu­vor hat­ten die spa­ni­sche Li­ga und ihr Boss Ja­vier Te­bas die An­nah­me des Ab­lö­se­Schecks me­di­en­wirk­sam zu­rück­ge­wie­sen und Pa­ris Saint-Ger­main Ver­let­zung des Fi­nan­ci­al Fair Play vor­ge­wor­fen. Die ka­ta­ri­schen Öl­scheichs, die bei PSG das Sa­gen ha­ben, be­schul­dig­te Te­bas des „fi­nan­zi­el­len Do­pings“. Die fran­zö­si­sche Li­ga re­agier­te dar­auf mit Un­ver­ständ­nis und for­der­te die spa­ni­schen Ver­ant­wort­li­chen auf, die­se Blo­cka­de­hal­tung auf­zu­ge­ben. Man un­ter­stüt­ze PSG und wün­sche sich Ney­mar in der Li­gue1, hieß es in ei­nem State­ment. Im spa­ni­schen Pro­fi­fuß­ball müs­sen Spie­ler, die ei­ne Aus­stiegs­klau­sel nut­zen, um trotz ei­nes lau­fen­den Ver­trags wech­seln zu kön­nen, die fest­ge­schrie­be­ne Ab­lö­se selbst zah­len und sich dann von ih­rem neu­en Club zu­rück­ho­len. Ei­gent­lich wird die Zah­lung über den Ver­band ab­ge­wi­ckelt, doch die spa­ni­sche Li­ga hat­te am Don­ners­tag die An­wäl­te Ney­mars ab­ge­wie­sen, die An­nah­me ei­nes 222-Mil­lio­nen-Eu­roSchecks ab­ge­lehnt und da­mit den Trans­fer blo­ckiert.

Am Abend gin­gen die Ver­tre­ter des Stars den Weg über den FC Barcelona.

Die Eu­ro­päi­sche Fuß­ball-Uni­on UEFA ver­si­cher­te auf An­fra­ge noch ein­mal: „Al­le Ver­ei­ne müs­sen die Re­geln des Fi­nan­ci­al Fair Play re­spek­tie­ren und zei­gen, dass sie nicht hö­he­re Ver­lus­te als 30 Mil­lio­nen Eu­ro in drei Jah­ren ha­ben.“Ei­ne Be­schwer­de lie­ge noch nicht vor. Der Prä­si­dent des FC Barcelona, Jo­sep Bar­to­m­eu, hat­te in ei­nem In­ter­view ge­sagt, dass man die Aus­stiegs­klau­sel nicht zie­hen kön­ne, oh­ne ge­gen Fi­nan­ci­al Fair Play zu ver­sto­ßen. Nach In­for­ma­tio­nen des bri­ti­schen Sen­ders geht es um ein Ge­samt­vo­lu­men von 500 Mil­lio­nen Eu­ro; dar­in sol­len Ab­lö­se­sum­me, Bo­nus­zah­lun­gen und Ge­halt ent­hal­ten sein. Dem Be­richt zu­fol­ge hat Ney­mar ei­nem Ver­trag über fünf Jah­re zu­ge­stimmt, der ihm pro Jahr 30 Mil­lio­nen Eu­ro ga­ran­tiert.

„Im Fuß­ball gibt es seit ei­ni­ger Zeit Un­an­stän­dig­keit. Und hier wird ein Gip­fel er­reicht“, schrieb die fran­zö­si­sche Zei­tung „Le Jour­nal de la Hau­te-Mar­ne“. Es han­de­le sich vor al­lem um ein Mar­ke­tin­g­ob­jekt, für das die Ka­ta­rer an der Spit­ze des neu­en Ver­eins von Ney­mar teu­er be­zah­len wür­den.

Der Sport­phi­lo­soph Pro­fes­sor Elk Fran­ke aus Osnabrück sieht die Wer­te des Sports in Ge­fahr. „Wir sind Zeit­zeu­gen ei­ner Ero­si­on der Fuß­ball-Kul­tur“, sag­te der Wis­sen­schaft­ler und kri­ti­sier­te die Sum­men als mo­ra­lisch ver­werf­lich: „Men­schen sind kei­ne Hed­ge­fonds. Das ist obszön.“

Der frü­he­re BVB-Meis­ter­trai­ner Jür­gen Klopp ver­folgt den Fall mit Sor­ge. „Ich dach­te, das Fi­nan­ci­al Fair Play wä­re da­für er­fun­den wor­den, dass so et­was nicht geht“, wun­der­te sich der Coach des FC Li­ver­pool.

Der Frei­bur­ger Trai­ner Chris­ti­an Streich sag­te: „Wir sind in ei­nem ir­rea­len Be­reich an­ge­kom­men, aber der ist ge­ra­de Rea­li­tät. Der Gott des Gel­des wird im­mer grö­ßer, und ir­gend­wann ver­schlingt er al­les.“

Der Le­ver­ku­se­ner Pro­fi Ju­li­an Baum­gart­lin­ger äu­ßer­te sich ge­gen­über dem Ma­ga­zin „11Freun­de“ähn­lich: „Der pro­fes­sio­nel­le Fuß­ball hat sich der glo­ba­li­sier­ten Welt­wirt­schaft an­ge­passt und sich da­bei weit von der Ba­sis ent­fernt“, sag­te der Mit­tel­feld­spie­ler.

Wie geht’s wei­ter? Im­mer auf Ney­mars Spu­ren: noz.de/fuss­ball

Fo­to: dpa

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