Oran­je bo­ven – die Jagd geht wei­ter!

Nie­der­län­de­rin­nen be­sie­gen En­g­land mit 3:0 und ste­hen nun im EM-Fi­na­le ge­gen Dä­ne­mark

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Von Su­san­ne Fet­ter

Vor we­ni­gen Wo­chen noch wa­ren sie als Ge­heim­fa­vo­rit ge­nannt wor­den. Mehr aus Höf­lich­keit, weil man ja im­mer sagt, dass man den Gast­ge­bern ei­nes Tur­niers et­was zu­traut. Doch jetzt fehlt den Nie­der­län­de­rin­nen nur noch ein Sieg um bei der Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft im ei­ge­nen Land zum ers­ten Mal den Ti­tel zu ho­len. Mit ei­nem 3:0 (1:0)Sieg ge­gen En­g­land zog der Gast­ge­ber am Don­ners­tag in En­sche­de ins Fi­na­le ein.

Dort fin­det am Sonn­tag um 17 Uhr auch das End­spiel statt. Geg­ner ist Deutsch­land-Be­zwin­ger Dä­ne­mark, der sich im ers­ten Halb­fi­na­le im Elf­me­ter­schie­ßen mit 3:0 (0:0) ge­gen Ös­ter­reich durch­setz­te. Die Über­ra­schungs­mann­schaft aus der Al­pen­re­pu­blik traf in Bre­da kein ein­zi­ges Mal vom Punkt. Nach der re­gu­lä­ren Spiel­zeit hat­te es 0:0 ge­stan­den.

In En­sche­de wird zum ers­ten Mal ein neu­er Eu­ro­pa­meis­ter ge­kürt. Kei­ner der Fi­na­lis­ten er­rang zu­vor ei­nen EM-Ti­tel. Das ge­lang bis­her nur Schwe­den (ein­mal), Nor­we­gen (zwei­mal) und Deutsch­land (acht­mal). Der Se­ri­en­sie­ger schei­ter­te be­reits im Vier­tel­fi­na­le an Dä­ne­mark, auch die an­de­ren Top-Fa­vo­ri­ten wie Frank­reich und Schwe­den schie­den früh aus.

Das Sta­di­on des FC Twen­te dürf­te am Sonn­tag er­neut über­wie­gend in oran­ge ge­taucht sein. Die Nie­der­län­de­rin­nen ha­ben mit ih­rem schnel­len und er­folg­rei­chen Spiel ei­ne wah­re Fuß­ball-Eu­pho­rie in ih­rem Land ent­facht. Wäh­rend die Män­ner in den letz­ten Jah­ren ein gro­ßes Tur­nier nach dem an­de­ren ver­pass­ten, zie­hen die Frau­en ge­ra­de die Fans ins Sta­di­on und auf die Fan­mei­len. Al­le Spie­le der Gast­ge­be­rin­nen bei die­ser EM wa­ren bis­her aus­ver­kauft. Auch am Don­ners­tag war kein Sitz mehr frei im Sta­di­on.

27 093 Zu­schau­er wa­ren ge­kom­men und ga­ben – so ist es nie­der­län­di­sche Tra­di­ti­on – mit ei­ner Blas­ka­pel­le auf dem Ober­rang den Takt auf dem Ra­sen vor. Vor dem Spiel wur­de ein rie­si­ges Pla­kat über die Tri­bü­ne ge­zo­gen. Dar­auf zu se­hen: ein Löwe, der sei­ne Zäh­ne fletscht. „Wu zun op jacht“stand dar­un­ter zu le­sen.

Mu­tig und furcht­los wie Die Stür­me­rin köpf­te ei­ne der Kö­nig der Tie­re war­fen wun­der­schö­ne Flan­ke von sich auch die Nie­der­län­de- Ja­ckie Gro­enen ein. Die Frau, rin­nen in die Halb­fi­nal-Par- die die wohl be­kann­tes­te Rü­cken­num­mer tie ge­gen die ei­gent­lich fa­vo- der Nie­der­lan­de ri­sier­ten En­g­län­de­rin­nen. trägt, hat­te ih­rem Vor­bild Die­se hat­ten von den bis da­to Jo­hann Cruyff bei die­ser Vor­la­ge 19 Auf­ein­an­der­tref­fen seit al­le Eh­re ge­macht. 1973 zwölf ge­won­nen. Le­dig- Auch de­fen­siv gin­gen die lich drei­mal hieß der Sie­ger Nie­der­län­de­rin­nen en­er­gisch Nie­der­lan­de. zur Sa­che. So kom­pro­miss­los

Doch ge­tra­gen von den wie In­nen­ver­tei­di­ge­rin „Hol­land-Hol­land“-Ru­fen Anouk Dek­ker in der 35. der vie­len Fans mach­ten die Mi­nu­te ei­nen oran­ge­far­be­nen Nie­der­län­de­rin­nen von Be- Luft­bal­lon an der Straf­raum­gren­ze ginn an Druck. Der Lohn: mit ih­ren Stol­len Das 1:0 in der 22. Mi­nu­te zum Plat­zen brach­te, so durch Vi­vi­an­ne Mie­de­ma. gin­gen sie und ih­re Mann­schafts­ka­me­ra­din­nen auch an­sons­ten zu Wer­ke.

Zwi­schen­zeit­lich über­nah­men die En­g­län­de­rin­nen zwar die Kon­trol­le die­ser in­ten­si­ven Par­tie, doch die bis­her bes­te Of­fen­si­ve des Tur­niers (11 To­re in vier Spie­len) hat­te dies­mal über­ra­schend Pro­ble­me im Ab­schluss.

Die Nie­der­län­de­rin­nen da­ge­gen nutz­ten eis­kalt das Gast­ge­schenk, das ih­nen En­g­land noch über­reich­te. Fa­ra Wil­li­ams, für die gelb-ge­sperr­te Jill Scott in der Start­elf, woll­te den Ball per Kopf zu Tor­hü­te­rin Si­ob­han Cham­ber­lain zu­rück­ge­ben, doch da­zwi­schen stand Da­ni­el­le van de Donk. Mit ei­nem Lup­fer bug­sier­te sie den Ball zum zum 2:0 (62.) ins Tor. Da­nach mach­ten die Frau­en mit den drei klei­nen Lö­wen auf dem Tri­kot zwar noch ein­mal Druck, doch das 3:0 er­ziel­ten die Gast­ge­be­rin­nen. In der Nach­spiel­zeit nutz­te Re­na­te Jan­sen ei­nen er­neu­ten Pat­zer der En­g­län­de­rin­nen.

Be­reits vor dem Halb­fi­na­le hat­te die deut­sche Trai­ne­rin St­ef­fi Jo­nes ge­fragt nach ih­rem Tur­nier-Fa­vo­ri­ten ge­sagt: „Die Nie­der­lan­de.“Schon da war die­se Ant­wort mehr als rei­ne Höf­lich­keit.

Fo­to: dpa

Ge­schafft: Die Nie­der­län­de­rin­nen fei­ern den Ein­zug ins Fi­na­le ih­rer Heim-EM.

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