Ta­xi­fah­rer for­dern neue Ver­ord­nung

Grö­ße­re Ta­xi­stän­de, we­ni­ger Hal­te­be­schrän­kun­gen – Um­set­zung wohl erst 2018

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Nach der er­folg­rei­chen Kla­ge­wel­le ge­gen Os­na­brü­cker Ta­xi­un­ter­neh­men for­mu­lie­ren die­se nun po­li­ti­sche For­de­run­gen: Die Stadt soll La­ge und An­zahl der Ta­xi­stän­de an­pas­sen und ei­ne Ta­xiord­nung er­las­sen, die es den Fah­rern er­laubt, nachts über­all dort zu hal­ten, wo es Be­darf gibt.

Von Loui­sa Rie­pe

Das geht aus ei­nem Schrei­ben her­vor, dass ei­ner der Un­ter­neh­mer – nach ei­ge­ner Aus­sa­ge stell­ver­tre­tend für vie­le sei­ner Kol­le­gen – an die Stadt Osnabrück ge­schickt hat. Von „un­zu­mut­ba­ren Zu­stän­den“ist da die Re­de, von ei­nem „Si­cher­heits­ri­si­ko für die Fahr­gäs­te“und von ei­nem dro­hen­den „Cha­os“.

Zum Hin­ter­grund: Drei Ta­xi­un­ter­neh­men sind im Ju­li vom Land­ge­richt ver­ur­teilt wor­den, weil sie „au­ßer­halb ge­kenn­zeich­ne­ter Flä­chen auf un­be­stimm­te Fahr­gäs­te ge­war­tet“ha­ben. Das ist laut Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz nicht er­laubt. Dem­nach dürf­ten die Ta­xen nur an aus­ge­wie­se­nen Ta­xi­stän­den hal­ten.

Ge­ne­rell sei die Grö­ße und La­ge der Ta­xi­stän­de aber schlecht ge­plant, mo­nie­ren die Ta­xi­fah­rer: „Zum Bei­spiel be­ste­hen vor der Dis­ko­thek Alan­do nur fünf Ta­xi­plät­ze. Häu­fig ste­hen dort we­gen der ho­hen Nach­fra­ge je­doch zwi­schen 10 und 15 Ta­xen“, heißt es in dem Schrei­ben an die Stadt. Als wei­te­res Bei­spiel nennt der Au­tor ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on die Osnabrück-Hal­le. Nach dem Um­bau ste­hen dort gar kei­ne Ta­xi­stän­de mehr zur Ver­fü­gung. Gleich­zei­tig hal­te im Be­reich der Gro­ßen Ro­sen­stra­ße kaum ein Ta­xi: „Da kommt ein­fach kein Fahr­gast vor­bei“, er­klär­te der Ta­xi­un­ter­neh­mer ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on.

Er will in die­sem Ar­ti­kel nicht na­ment­lich ge­nannt wer­den, weil er selbst vom Land­ge­richt ver­ur­teilt wur­de und die Ent­schei­dung an­fech­ten will. Er fürch­tet, dass sein Ver­fah­ren zum Prä­ze­denz­fall wer­den könn­te: „Nach die­sem Ur­teil könn­te man nachts durch die Stadt fah­ren und 30 bis 40 Au­tos auf­schrei­ben, die sich falsch ver­hal­ten.“Min­des­tens drei wei­te­re Ta­xi­un­ter­neh­men ha­ben nach sei­ner Kennt­nis be­reits Un­ter­las­sungs­er­klä­run­gen zu­ge­sandt be­kom­men.

Die Pro­ble­ma­tik könn­te die Stadt aus der Welt schaf­fen. Kom­mu­nen ha­ben die Mög­lich­keit, die Re­geln für die Be­reit­stel­lung von Ta­xen zu kon­kre­ti­sie­ren und Aus­nah­men vom Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz zu for­mu­lie­ren. Das hat bei­spiels­wei­se die Stadt Ol­den­burg ge­tan. In ih­rer „Ver­ord­nung über den Ver­kehr mit Ta­xen“steht: „In der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr dür­fen Ta­xen auch au­ßer­halb von Ta­xi­stän­den be­reit­ge­hal­ten wer­den, so­weit die Ver­kehrs­vor­schrif­ten dies zu­las­sen.“

Ei­ne sol­che Ver­ord­nung wün­schen sich die Ta­xi­fah­rer auch für Osnabrück. Bis­her re­gelt die Stadt nur die An­zahl der Ta­xen. 135 ha­ben der­zeit ei­ne Kon­zes­si­on. Au­ßer­dem wer­den „die Not­wen­dig­keit, die La­ge und die Grö­ße von Ta­xi­stän­den bei Be­darf über­prüft“, so ei­ne Spre­che­rin. Der­zeit wer­de bei­spiels­wei­se an ei­ner Lö­sung für die Osnabrück-Hal­le ge­sucht. Ei­ne ge­ne­rel­le Über­ar­bei­tung der an­de­ren Plät­ze sei al­ler­dings nicht ge­plant. Und selbst wenn es da­zu kom­men wür­de, wä­ren die Ta­xi­un­ter­neh­mer dar­an nur in­di­rekt be­tei­ligt. Al­len­falls „bei be­son­de­ren Si­tua­tio­nen“wer­de ne­ben Po­li­zei, Ver­kehrs­be­trieb und Ver­tre­tern der Stadt auch der Ge­samt­ver­band Ver­kehrs­ge­wer­be zur Prü­fung der Ta­xi­stän­de vor Ort hin­zu­ge­zo­gen.

Die Stadt will mit der Be­tei­li­gung des Ver­ban­des er­rei­chen, dass An­re­gun­gen und Vor­schlä­ge der Ta­xi­fah­rer ge­sam­melt be­rück­sich­tigt wer­den kön­nen. Von den Os­na­brü­cker Un­ter­neh­mern ge­be es näm­lich kein ein­heit­li­ches Mei­nungs­bil­dung zu die­sem The­ma, ließ die Stadt wis­sen. Die Ta­xi­fah­rer selbst sind mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se al­ler­dings nicht zu­frie­den. Denn im Ge­samt­ver­band Ver­kehrs­ge­wer­be sind auch Miet­wa­gen und Kran­ken­trans­por­ter or­ga­ni­siert – und die hät­ten na­tur­ge­mäß kein In­ter­es­se dar­an, dass die Ta­xi­fah­rer ein­fa­cher an Auf­trä­ge kä­men.

Ei­nen Licht­blick gibt es für den Au­tor des For­de­rungs­schrei­bens aber doch: Die Stadt Osnabrück zieht es in Er­wä­gung, ei­ne Ta­xiord­nung zu er­las­sen. Wie die kon­kret aus­se­hen könn­te, steht al­ler­dings noch nicht fest. Auch ist nicht ab­zu­se­hen, ob es ei­ne Son­der­re­ge­lung für das Be­reit­hal­ten von Ta­xen in der Nacht gibt. „Er­mitt­lun­gen, Vor­be­rei­tun­gen und Ab­stim­mun­gen lau­fen der­zeit“, sag­te die Spre­che­rin. Und wei­ter: „Die Vor­be­rei­tung für den Be­schluss des Ra­tes da­zu nimmt ei­ni­ge Zeit in An­spruch. Des­halb kann mit ei­ner Um­set­zung kaum vor Jah­res­en­de ge­rech­net wer­den.“

Für die Ta­xi­fah­rer kann es nicht schnell ge­nug ge­hen. „Ich kann nicht zwei Jah­re war­ten, bis die Stadt so weit ist“, sagt der Be­schwer­de füh­ren­de Ta­xi­un­ter­neh­mer. Be­reits jetzt sieht er sich durch das Ur­teil des Land­ge­richts, die dro­hen­de Stra­fe bei Zu­wi­der­hand­lung und die ver­schärf­te Aus­le­gung der Hal­te­re­geln am Ran­de des wirt­schaft­li­chen Ruins. „Da­bei ist es doch un­se­re Auf­ga­be als Ta­xi­fah­rer, dass die Leu­te gut nach Hau­se kom­men“, sagt er. Wie lan­ge er sie noch er­fül­len kann, hängt für ihn jetzt von der Ent­schei­dung der Stadt ab.

Den Ar­ti­kel zum Ur­teil ge­gen die Ta­xi­fah­rer und ei­nen Kom­men­tar fin­den Sie auf noz.de

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