Woll­te 20-Jäh­ri­ger sei­nen Bru­der um­brin­gen?

An­griff mit Of­fi­ziers­sä­bel: Qua­ken­brü­cker vor Land­ge­richt – Un­ter­brin­gung in psych­ia­tri­schem Kran­ken­haus mög­lich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Vor der 3. Gro­ßen Straf­kam­mer des Land­ge­richts Osnabrück muss sich ein 20-jäh­ri­ger Mann aus Quakenbrück we­gen ver­such­ten Tot­schlags und ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zum Nach­teil sei­nes 26-jäh­ri­gen Bru­ders ver­ant­wor­ten.

Im Vor­ver­fah­ren war be­reits fest­ge­stellt wor­den, dass der An­ge­klag­te un­ter ei­ner schi­zo­phre­nen Psy­cho­se lei­det und die Ta­ten im Zu­stand der Schuld­un­fä­hig­keit be­gan­gen hat. In­so­fern hat die Staats­an­walt­schaft das Si­che­rungs­ver­fah­ren als Son­der­form des Straf­pro­zes­ses be­an­tragt, an des­sen En­de nicht ei­ne her­kömm­li­che Be­stra­fung steht, son­dern bei fest­ge­stell­ter an­hal­ten­der Ge­mein­ge­fähr­lich­keit ei­ne Un­ter­brin­gung in ei­nem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus.

Laut An­trags­schrift des Staats­an­walts soll der An­ge­klag­te am 29. Ok­to­ber 2016 ver­sucht ha­ben, sei­nen Bru­der mit ei­nem Of­fi­ziers­sä­bel zu tö­ten. Bei­de wohn­ten in ei­nem Mehr­par­tei­en­haus in Quakenbrück in ge­trenn­ten Ein-Zim­mer-Ap­par­te­ments auf dem­sel­ben Flur. In der Tat­nacht über­kam den An­ge­klag­ten das Be­dürf­nis, mit dem Bru­der zu be­ra­ten, was man un­ter­neh­men kön­ne, um dem Va­ter nicht mehr auf der Ta­sche zu lie­gen. Bei­de wa­ren ar­beits­los und auf Un­ter­stüt­zung des Va­ters an­ge­wie­sen. Der äl­te­re Bru­der hat­te sich in sei­nem Zim­mer ein­ge­schlos­sen und lehn­te das Ge­spräch ab.

Dar­auf­hin soll der An­ge­klag­te aus­ge­ras­tet sein. Er ha­be aus sei­nem Zim­mer ei­nen an­ti­ken Of­fi­ziers­sä­bel ge­holt, den er dort als De­ko­ra­ti­ons­stück auf­be­wahr­te, und soll da­mit auf die Zim­mer­tür des Bru­ders ein­ge­sto­chen ha­ben. Schließ­lich trat er mit nack­ten Fü­ßen so lan­ge ge­gen die Tür, bis sie mit­samt der Zar­ge aus der Lai­bung her­aus­brach. Im Zim­mer des Bru­ders soll er ver­sucht ha­ben, mit dem Sä­bel auf den Bru­der ein­zu­ste­chen. Der ha­be sich ge­wehrt und in der ent­ste­hen­den Ran­ge­lei die Waf­fe an sich brin­gen kön­nen. Da­bei soll er sich ei­ne blu­ten­de Ver­let­zung an der Na­se zu­ge­zo­gen ha­ben. Der An­ge­klag­te soll dann noch das Fern­seh­ge­rät des Bru­ders aus dem Fens­ter ge­wor­fen ha­ben, weil schlech­te Strah­len von ihm aus­ge­hen wür­den.

Wir­res Zeug ge­re­det

Die her­bei­ge­ru­fe­ne Po­li­zei nahm den An­grei­fer in Ge­wahr­sam. Er soll da­bei un­ab­läs­sig wir­res Zeug ge­re­det ha­ben. Er sei ein Über-Gott und be­auf­tragt, sei­ne Fa­mi­lie aus­zu­lö­schen, da sie ne­ga­ti­ve Ener­gie auf den Pla­ne­ten ge­bracht ha­be. Zwei Po­li­zis­tin­nen, die ihn zum Kran­ken­haus es­kor­tier­ten, frag­te er, ob sie nicht sei­ne Göt­tin­nen wer­den woll­ten. Der auf­neh­men­den Ärz­tin un­ter­stell­te er, „mit dem Teu­fel ge­bumst“zu ha­ben. Nicht des­halb, son­dern weil sie Ge­mein­ge­fähr­lich­keit fest­stell­te, emp­fahl sie die vor­läu­fi­ge Un­ter­brin­gung im Ame­os-Kli­ni­kum Osnabrück. Die Amts­ärz­tin des Land­krei­ses und der Amts­rich­ter aus Ber­sen­brück sa­hen das ge­nau­so und ver­füg­ten die Un­ter­brin­gung.

An den ers­ten bei­den Ver­hand­lungs­ta­gen er­gab sich nun die Schwie­rig­keit, dass der äl­te­re Bru­der als Op­fer und ein­zi­ger Tat­zeu­ge die Aus­sa­ge ver­wei­ger­te. Er und sein Va­ter zeig­ten kla­re Ten­den­zen, das Ge­sche­hen als un­be­deu­ten­den fa­mi­li­en­in­ter­nen Streit klein­zu­re­den. Kei­ner der Zeu­gen hat die blu­ten­de Ge­sichts­wun­de des Op­fers, von der der Va­ter in sei­nem No­t­ruf ge­gen­über der Ret­tungs­leit­stel­le noch sprach, mit ei­ge­nen Au­gen ge­se­hen, kein Arzt oder Kran­ken­haus hat die Wun­de ver­sorgt, kein Fo­to be­legt die Ver­let­zung. Blut­spu­ren am Tat­ort stam­men mit ho­her Wahr­schein­lich­keit vom An­ge­klag­ten, der bar­fuß lief und sich an Scher­ben auf dem Bo­den oder beim Ein­tre­ten der Tür ver­letzt ha­ben soll. Ob sie nur vom An­ge­klag­ten stam­men oder zum Teil auch vom Op­fer, wird sich wohl nicht mehr fest­stel­len las­sen, denn ei­ne kri­mi­nal­tech­ni­sche Un­ter­su­chung fand nicht statt. Die Ver­hand­lung wird am 18. Au­gust um 9 Uhr fort­ge­setzt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.