Stark­re­gen wird häu­fi­ger

Struk­tu­rel­le Wet­ter­ver­än­de­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

Rund 30 000 Wet­ter­war­nun­gen gibt der Deut­sche Wet­ter­dienst jähr­lich her­aus. Ge­fühlt ist es so, dass es na­he­zu täg­lich ir­gend­wo in Deutsch­land stürmt oder stark reg­net. Ist das Wet­ter noch nor­mal?

dpa OF­FEN­BACH/BERLIN. Hit­ze, Re­gen­flu­ten, Flug­aus­fäl­le we­gen Sturm, Kla­gen von Land­wir­ten: Das Wet­ter sorgt in die­sem Som­mer für vie­le Schlag­zei­len, ge­fühlt in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den. Der Deut­sche Wet­ter­dienst (DWD) gibt stän­dig War­nun­gen vor Un­wet­tern her­aus. Spielt das Wet­ter ver­rückt?

„Das kann man so all­ge­mein nicht sa­gen, denn Un­wet­ter sind im­mer Ein­zel­er­eig­nis­se“, sagt Ger­hard Lux, Me­teo­ro­lo­ge und DWD-Spre­cher. Erst bei der Be­trach­tung über bei­spiels­wei­se 30 Jah­re lie­ßen sich deut­li­che Trends ab­le­sen. „Un­se­re Sta­tis­ti­ken zei­gen bei­spiels­wei­se kei­nen si­gni­fi­kan­ten Trend bei der Häu­fig­keit von Stür­men oder Or­ka­nen in Eu­ro­pa.“

Da­ge­gen zei­ge sich fast über­all ein Trend, dass es häu­fi­ger stark reg­net mit 50 und mehr Li­tern pro Qua­drat­me­ter. Die Stark­re­gen­fäl­le könn­ten mit ei­nem ver­stärk­ten Was­ser­kreis­lauf auf­grund des Kli­ma­wan­dels zu tun ha­ben: „Wird un­se­re At­mo­sphä­re im­mer wär­mer, kann sie im­mer mehr Was­ser ver­duns­ten und auch trans­por­tie­ren“, be­grün­det Lux.

Ein Aus­nah­me-Un­wet­terSom­mer ist der Som­mer 2017 nach den Wor­ten des Ex­per­ten bis­lang nicht: „Wech­sel­haf­tes Wet­ter ist in un­se­ren Brei­ten der Nor­mal­fall. Da­zu ge­hö­ren ge­le­gent­li­che Wet­ter­ka­prio­len.“In Deutsch­land sei von Mit­te Mai bis En­de Au­gust Ge­wit­ter­sai­son – und das be­deu­te im­mer auch ex­tre­me Si­tua­tio­nen. Ähn­lich sieht das Wet­ter­ex­per­te Jörg Ka­chel­mann. Auch er fin­det den vie­ler­orts re­gen­rei­chen Som­mer durch­aus nor­mal: „Die gro­tes­ke Wahr­neh­mung bei vie­len Men­schen im Lan­de ist, dass es nor­mal wä­re, wenn es jetzt wo­chen­lang Son­ne und Hit­ze gä­be“, sag­te er kürz­lich. Doch Ju­ni und Ju­li sei­en „in Deutsch­land die Mo­na­te mit dem meis­ten Re­gen im Durch­schnitt“.

Mit Blick auf die Ex­trem­wet­ter-Ge­fah­ren steht Deutsch­land im Ver­gleich zu an­de­ren Län­dern noch sehr gut da: Im Wel­t­ri­si­ko­in­dex der Uni­ver­si­tät der Ver­ein­ten Na­tio­nen lag Deutsch­land 2016 auf Rang 147 von 171 be­wer­te­ten Staa­ten.

Nach ei­nem Be­richt des Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums kam es zwi­schen 2002 und 2015 zu fünf fol­gen­schwe­ren Ex­trem­wet­ter­la­gen, dar­un­ter meh­re­re Hoch­was­ser und der Or­kan Ky­rill, der al­lein in der Forst­wirt­schaft ei­nen Scha­den von 1,9 Mil­li­ar­den Eu­ro an­rich­te­te.

„Un­se­re Agrar­wirt­schaft wird sich vor al­lem auf struk­tu­rel­le Än­de­run­gen der Som­mer­und Win­ter­nie­der­schlä­ge ein­stel­len müs­sen, auf län­ge­re Tro­cken­pe­ri­oden im Früh­jahr oder Som­mer, auf Star­knie­der­schlä­ge, die dann sehr viel Was­ser brin­gen“, sagt DWD-Spre­cher Lux. Denn wenn sich das Kli­ma in Mit­tel­eu­ro­pa wan­de­le, än­de­re sich teil­wei­se auch das ak­tu­el­le Wet­ter.

Kli­ma­wan­del stellt Stadt­pla­ner vor Her­aus­for­de­run­gen: mehr auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa

Die Feu­er­wehr kämpf­te auch in Nie­der­sach­sen ge­gen Hoch­was­ser.

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