Arm­bän­der ge­gen den Krebs

Zwölf­jäh­ri­ge Spa­nie­rin­nen ha­ben mit selbst ge­mach­tem Schmuck ei­ne Mil­li­on Eu­ro für For­schung ge­sam­melt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Von Heinz Krie­ger

Can­de­la, Ma­rio­na und Da­nie­la hä­keln, flech­ten und nä­hen. Nicht weil sie so ver­narrt in Hand­ar­bei­ten sind, son­dern weil sie an­de­ren Kin­dern hel­fen wol­len. Krebs­kran­ken Kin­dern. Die drei Zwölf­jäh­ri­gen fer­ti­gen klei­ne bun­te Arm­bän­der, wie sie Ju­gend­li­che gern tra­gen. Sie wer­den nicht ver­kauft, man er­war­tet ei­ne Spen­de da­für, zwi­schen drei Eu­ro und fünf Eu­ro. 274 000 Stück ha­ben die Mäd­chen, un­ter­stützt von Freun­din­nen und Fa­mi­li­en, seit 2013 her­ge­stellt. Rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro flos­sen da­bei durch die Kas­sen. Durch, denn der Er­lös geht in vol­lem Um­fang als Spen­de an die spa­ni­sche Krebs­for­schung. Kö­ni­gin Le­ti­zia hat die drei Kin­der vor ei­ni­gen Wo­chen mit ei­nem Preis von Unice­fE­spaña für ih­re selbst­lo­se Ar­beit zum Wohl krebs­kran­ker Kin­der aus­ge­zeich­net.

Al­les be­gann vor vier Jah­ren, als bei der klei­nen Can­de­la Leuk­ämie dia­gnos­ti­ziert wur­de. Das Mäd­chen kam ins Ho­s­pi­tal San Juan de Di­os in Barcelona. Dort zeig­te ihr ei­ne Be­treue­rin, wie man aus Fä­den Arm­bän­der macht. Das soll­te die Lan­ge­wei­le et­was er­leich­tern. Can­de­la strick­te, flocht und hä­kel­te drauf­los. Ih­re bei­den Freun­din­nen Ma­rio­na und Da­nie­la sa­hen die Un­men­gen an Arm­bän­dern und be­schlos­sen, auf den Stra­ßen in ih­rem Vo­r­ort ei­nen klei­nen Ver­kaufs­stand ein­zu­rich­ten und die Bän­der zu ver­kau­fen. Sie er­fan­den den Na­men „Can­de­la-Arm­band“.

Und sie woll­ten kein Geld für sich. Al­les, was sie ein­nah­men, ga­ben sie bei Ein­rich­tun­gen ab, die Krebs bei Kin­dern er­forsch­ten, um de­nen zu hel­fen. Die Idee griff um sich. An­de­re Kin­der im ach­ten Stock des Ho­s­pi­tals San Juan, wo Can­de­la lag, mach­ten mit, auch Freun­de, Fa­mi­li­en­mit­glie­der, spä­ter gan­ze Schul­klas­sen und Ver­ei­ne. Sie al­le mach­ten „Can­de­las“. Und die brach­ten über die Jah­re rich­tig Geld: Bis jetzt ei­ne Mil­li­on Eu­ro für die Kin­der­krebs­for­schung im Ho­s­pi­tal San Juan. Sechs For­schungs­pro­jek­te lau­fen dort.

Me­di­en be­rich­te­ten, das ka­ta­la­ni­sche Fern­se­hen TV 3 brach­te ei­ne aus­führ­li­che Reportage. So wa­ren die drei Mäd­chen me­di­en­ge­wohnt und nicht um Wor­te ver­le­gen, als ih­nen der an­ge­se­he­ne Unicef-Preis ver­lie­hen wur­de.

Über­le­ben wird Can­de­la, die als krebs­kran­kes Kind mit den Bän­dern an­ge­fan­gen hat. „Ich weiß sehr gut, dass aus der So­li­da­ri­tät Le­ben wird“, sag­te sie. Und sie er­in­ner­te dar­an, dass sie nicht mehr da wä­re „oh­ne die Kno­chen­mark­spen­de von je­man­dem, den ich nie­mals ken­nen­ler­nen wer­de“.

Für ihr En­ga­ge­ment hat Kö­ni­gin Le­ti­zia die Freun­din­nen aus­ge­zeich­net. Fo­to: ima­go/al­ter­pho­tos

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