Für die Ar­chi­tek­tur ein­fach nicht ge­eig­net?

Ide­al und Wirk­lich­keit des Bau­hau­ses: Frau­en wa­ren zu­ge­las­sen, muss­ten aber um Chan­cen und Anerkennung kämp­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Von Ste­fan Lüd­de­mann

„Ge­gen Aus­bil­dung von Ar­chi­tek­tin­nen spre­chen wir uns grund­sätz­lich aus“, schreibt Bau­h­aus­Grün­der Wal­ter Gro­pi­us 1921. In The­re­sia En­zens­ber­gers Ro­man „Blau­pau­se“schaut Gro­pi­us skep­tisch auf den Sied­lungs­ent­wurf, den die jun­ge Lui­se Schil­ling ihm vor­legt. Ro­man­fi­gur Lui­se macht zu­nächst, was das Bau­haus von Stu­den­tin­nen er­war­te­te – sie be­sucht die Tex­til­klas­se. Und stu­diert dann doch Ar­chi­tek­tur.

Ein Drit­tel der Stu­die­ren­den am welt­be­rühm­ten Bau­haus in Wei­mar und Des­sau wa­ren weib­lich. Im ers­ten Pro­gramm der Hoch­schu­le hieß es 1919 im­mer­hin, dass „je­de un­be­schol­te­ne Per­son oh­ne Rück­sicht auf Al­ter und Ge­schlecht“zum Stu­di­um auf­ge­nom­men wer­den kön­ne. Die Wirk­lich­keit ent­sprach nicht im­mer die­sem ho­hen An­spruch. Jun­ge Frau­en hat­ten zu­nächst nur Zu­tritt zu ei­ner ei­gens für sie ein­ge­rich­te­ten Klas­se. Und die Pro­fes­so­ren wa­ren fast aus­schließ­lich Män­ner.

Das hat­te Fol­gen. Im Vor­kurs von Jo­han­nes It­ten wur­de kon­sta­tiert, dass Frau­en ei­ne „Schwä­che“im drei­di­men­sio­na­len Se­hen ha­ben soll­ten. Os­kar Schlem­mer no­tier­te 1921 in sei­nem Ta­ge­buch Über­le­gun­gen, Frau­en ganz vom Stu­di­um am Bau­haus wie­der aus­zu­schlie­ßen. Und die Ar­beit in der Tisch­le­ro­der Me­tall­werk­statt soll­te für Frau­en kör­per­lich nicht leist­bar sein. Die Ar­chi­tek­tur, Kö­nigs­dis­zi­plin in den spä­te­ren Bau­haus-Jah­ren, soll­te Frau­en oh­ne­hin ver­schlos­sen blei­ben.

Frau­en muss­ten sich durch­kämp­fen, auch am Bau­haus. Den­noch darf nicht un­ter­schätzt wer­den, dass Frau­en in Wei­mar und Des­sau auch We­ge zu Qua­li­fi­ka­tio­nen und im Zei­chen des Bil­des der „neu­en Frau“zu selbst be­stimm­tem Le­ben fan­den. Die Hoch­schu­le war nicht oh­ne Grund kon­ser­va­ti­ven po­li­ti­schen Kräf­ten ein Dorn im Au­ge. Stu­den­tin­nen mit Bu­bi­kopf und Män­ner­klei­dern scho­ckier­ten das Esta­blish­ment. Und nicht we­ni­ge von ih­nen setz­ten sich auch künst­le­risch durch. Ma­ri­an­ne Brandt schuf nicht nur mit ih­rer me­tal­le­nen Teekanne heu­te ge­schätz­te De­si­gn­klas­si­ker. Ise Gro­pi­us wirk­te an Ent­wür­fen für die Meis­ter­häu­ser mit. An­nie Al­bers und Gun­ta Stölzl schu­fen be­deut­sa­me Tex­til­kunst­wer­ke. Stölzl war die ein­zi­ge Frau, die es bis zur Werk­meis­te­rin schaff­te.

In den letz­ten Jah­ren sind Wer­ke wei­te­rer Bau­haus­künst­le­rin­nen wie Lou Sche­per-Ber­ken­kamp und Ger­trud Arndt in Aus­stel­lun­gen wie­der­ent­deckt wor­den. Da­mit tritt nicht nur ein wich­ti­ger, bis­lang zu we­nig be­ach­te­ter Aspekt der Ge­schich­te des Bau­hau­ses zu­ta­ge. Auch die weib­li­che Sei­te der Mo­der­ne wird so bes­ser sicht­bar.

Fo­to: dpa

Ide­al des Bau­hau­ses: Os­kar Schlem­mers Ge­mäl­de „Bau­haus­trep­pe“.

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