Nie­der­sach­sen steht vor Neu­wah­len

Weil kün­digt Land­tags­auf­lö­sung an – Rot-Grün nach Ab­ge­ord­ne­ten­wech­sel oh­ne Mehr­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Nach dem über­ra­schen­den Wech­sel ei­ner Ab­ge­ord­ne­ten von den Grü­nen zur CDU steht Nie­der­sach­sens Lan­des­re­gie­rung oh­ne Par­la­ments­mehr­heit da. Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil hat Neu­wah­len an­ge­kün­digt.

HAN­NO­VER. Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung in Han­no­ver steht vor dem En­de. Nach­dem die bis­he­ri­ge Grü­nen­Ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten am Frei­tag­mor­gen den Wech­sel zur CDU an­ge­kün­digt hat­te, ha­ben die Re­gie­rungs­par­tei­en kei­ne Mehr­heit mehr im Par­la­ment. Seit Re­gie­rungs­an­tritt im Jahr 2013 ver­füg­ten SPD und Grü­ne zu­sam­men über 69 Ab­ge­ord­ne­te, CDU und FDP über 68. Mit dem für den kom­men­den Di­ens­tag an­ge­kün­dig­ten Wech­sel der Po­li­ti­ke­rin aus dem Land­kreis Ro­ten­burg/Wüm­me in die CDU-Frak­ti­on kehrt sich die­ses Ver­hält­nis um.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) sprach sich am Frei­tag in Han­no­ver für ei­ne schnel­le Selbst­auf­lö­sung des Land­tags aus. Aus den vier Frak­tio­nen kam Zu­stim­mung, noch am Abend stimm­ten CDU- und SPDFrak­ti­on in Son­der­sit­zun­gen für Neu­wah­len. Da­mit wird ei­ne Wahl noch in die­sem Herbst wahr­schein­lich. Ob ei­ne Zu­sam­men­le­gung mit der Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber mög­lich ist, stand am Frei­tag noch nicht fest. Ei­gent­lich soll­te Nie­der­sach­sen erst am 14. Ja­nu­ar 2018 ei­nen neu­en Land­tag wäh­len.

Ei­nen Rück­tritt schloss der Mi­nis­ter­prä­si­dent am Frei­tag klar aus. „Ich stel­le mich je­der­zeit sehr ger­ne dem Wäh­ler­wil­len, aber ich wer­de ei­ner In­tri­ge nicht wei­chen“, sag­te Weil. Mit In­tri­ge mein­te der SPD-Lan­des­chef den Par­tei­wech­sel oh­ne Nie­der­le­gung des über die Lan­des­lis­te der Grü­nen er­run­ge­nen Man­dats. „Dass ei­ne Ab­ge­ord­ne­te aus ei­gen­nüt­zi­gen Grün­den ei­ne Frak­ti­on ver­lässt und da­mit die von den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern ge­wünsch­te Mehr­heit im Land­tag ver­än­dert, be­trach­te ich als un­säg­lich und schäd­lich für die De­mo­kra­tie“, sag­te Weil.

Twes­ten be­grün­de­te ih­ren Wech­sel mit ei­ner über die

Jah­re ge­wach­se­nen Ent­frem­dung mit ih­rem vom lin­ken Par­tei­flü­gel do­mi­nier­ten Lan­des­ver­band. So sprach sich die Po­li­ti­ke­rin un­ter an­de­rem für ei­ne schwarz-grü­ne Ko­ali­ti­on auf Lan­des­ebe­ne aus. Im Früh­jahr ver­lor die seit 2008 im Land­tag sit­zen­de Frau­en­po­li­ti­ke­rin ih­re Spit­zen­kan­di­da­tur im Land­kreis Ro­ten­burg/Wüm­me an die Fracking-Geg­ne­rin Bir­git Brenne­cke. „Ich se­he mei­ne po­li­ti­sche Zu­kunft in der CDU“, sag­te Twes­ten am Frei­tag in Han­no­ver.

Sie kön­ne sich ei­ne Kan­di­da­tur für das Eu­ro­pa­par­la­ment oder den Bun­des­tag vor­stel­len. Ak­tu­ell gibt es kei­ne Chan­ce auf ein Man­dat – die CDU hat ih­re Lis­ten für die Bun­des- und Land­tags­wahl be­reits ver­ab­schie­det.

Die SPD wit­tert ei­ne Ab­spra­che zwi­schen Twes­ten und der CDU: „Das Ver­hal­ten der ehe­ma­li­gen Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten in Nie­der­sach­sen ist nicht nur Ver­rat an den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern, son­dern auch Ver­rat an Ro­tG­rün“, schrieb SPD-Bun­des­chef und Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz auf Face­book. Wenn die CDU sich das Ver­hal­ten der Po­li­ti­ke­rin zu­nut­ze ma­che, „be­tei­ligt sie sich ak­tiv an der Miss­ach­tung des Wäh­ler­wil­lens“, sag­te der SPD-Lan­des­vor­sit­zen­de Ste­phan Weil. Auch die Grü­nen spra­chen von „aus­schließ­lich ego­is­ti­schen und per­sön­li­chen Mo­ti­ven“Twes­tens. Die CDU wies Spe­ku­la­tio­nen ei­ner Ab­spra­che zu­rück. Es ha­be kei­ne Ver­spre­chen ge­ge­ben, be­ton­te Nie­der­sach­sens CDU-Lan­des­chef Bernd Al­t­hus­mann. Viel­mehr sei der Ab­gang Aus­druck der in­halt­li­chen Schwä­che der rot-grü­nen Ko­ali­ti­on. „Die Lan­des­re­gie­rung ist am En­de an sich selbst ge­schei­tert“, sag­te Al­t­hus­mann.

„Ich se­he mei­ne po­li­ti­sche Zu­kunft in der CDU“ El­ke Twes­ten, Ex-Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te

Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) hat sich am Frei­tag vor Jour­na­lis­ten für Neu­wah­len aus­ge­spro­chen. Fo­to: dpa

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