Küh­ler Kopf auch bei Ge­gen­wind

Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil gibt meist den ge­las­se­nen Nord­deut­schen – auch jetzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Regierungskrise In Niedersachsen -

Von Micha­el Evers

Ein ent­spann­tes Lä­cheln, ein fri­scher Teint: Beim Som­mer­fest der nie­der­säch­si­schen Wirt­schaft zeigt sich Ste­phan Weil am Don­ners­tag­abend gut er­holt. Lo­cker plau­dert er über sei­nen Wan­der­ur­laub in Süd­ti­rol – und kün­digt an, jetzt in den Bun­des­tags­wahl­kampf star­ten zu wol­len. Erst am Jah­res­en­de rü­cke dann die Land­tags­wahl im Ja­nu­ar in Nie­der­sach­sen auf die Agen­da, so die Ein­schät­zung des SPD-Lan­des­chefs.

Doch ei­nen Tag spä­ter ist al­les an­ders: Ste­phan Weil muss um sei­ne po­li­ti­sche Zu­kunft ban­gen. Mit dem Über­tritt der Ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten von den Grü­nen zur CDU ist die Ein-Stim­menMehr­heit von Rot-Grün da­hin, vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len ste­hen an.

Sich nicht aus der Ru­he brin­gen las­sen, Sou­ve­rä­ni­tät und nord­deutsch-küh­le Ge­las­sen­heit aus­strah­len, da­mit hat­te der 58-jäh­ri­ge Weil bis­lang so man­che Kri­se, in die Geg­ner ihn ma­nö­vrie­ren woll­ten, an sich ab­per­len las­sen. Dass Kri­ti­ker ihm des­we­gen ein Lan­ge­wei­ler-Image

nach­sa­gen, quit­tiert er mit ei­nem Lä­cheln. Weil ist kein Cha­ris­ma­ti­ker, son­dern Prag­ma­ti­ker, und hält hin­ter der Ku­lis­se die Zü­gel in der Hand. An For­mat ge­won­nen hat er auch bun­des­weit ins­be­son­de­re in der VW-Kri­se, in der er die In­ter­es­sen des Lan­des als Groß­ak­tio­när ver­trat – nicht

nur in Nie­der­sach­sen hän­gen un­zäh­li­ge Jobs von dem Au­to­bau­er ab.

Wirft Weil jetzt hin? Auch in die­ser Be­wäh­rungs­pro­be setzt Weil auf Ru­he statt Hek­tik: „Ich stel­le mich je­der­zeit sehr ger­ne dem Wäh­ler­wil­len, aber ich wer­de ei­ner In­tri­ge nicht wei­chen.“Vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len soll es ge­ben, ei­nen Rück­tritt aber schließt er aus. Ähn­lich stand­haft hat­te Weil sich in den zu­rück­lie­gen­den vier Jah­ren auch vor Ka­bi­netts­kol­le­gen ge­stellt, die von der Op­po­si­ti­on un­ter Be­schuss ge­nom­men wur­den.

Bis zur ge­won­ne­nen Land­tags­wahl im Ja­nu­ar 2013 war Weil der Ober­bür­ger­meis­ter der Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver. Sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn hat­te der ge­bür­ti­ge Ham­bur­ger als An­walt, Rich­ter und Staats­an­walt be­gon­nen. An die Spit­ze des SPD-Lan­des­ver­ban­des war Weil im Ja­nu­ar 2012 ge­kom­men, nach­dem ihn die Mit­glie­der zu­vor schon zum Spit­zen­kan­di­da­ten für die Land­tags­wahl be­stimmt hat­ten. SPD-Mit­glied ist Weil seit mehr als drei Jahr­zehn­ten. Sein För­de­rer und Vor­bild, Alt­kanz­ler Gerhard Schrö­der, sag­te Weil be­reits ei­ne bun­des­po­li­ti­sche Kar­rie­re vor­aus.

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