Das Bafög-Di­lem­ma

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mh.schmidt@noz.de

Ei­ne Er­he­bung des Stu­den­ten­werks of­fen­bart das gan­ze Bafög-Di­lem­ma: Der Fi­nanz­be­darf ei­nes Stu­den­ten liegt im Schnitt bei 950 Eu­ro im Mo­nat, der Höchst­satz der staat­li­chen För­de­rung aber nur bei 735 Eu­ro. Bafög reicht al­so nicht zum Le­ben. Und das ist seit Jah­ren be­kannt.

So müs­sen die­je­ni­gen, die aus we­ni­ger be­gü­ter­tem Um­feld kom­men, ne­ben dem Stu­di­um zwangs­wei­se ar­bei­ten, um über die Run­den zu kom­men. Un­ter der Dop­pel­be­las­tung und der Sor­ge, spä­ter mit ei­nem Schul­den­berg da­zu­ste­hen, lei­den Kopf und Kör­per – und das Stu­di­um, das sich in die Län­ge zieht.

Wer ein­mal Bafög be­an­tragt hat, weiß: Der Ver­wal­tungs­auf­wand ist im­mens, das Ge­fühl da­bei gleicht dem ei­nes Of­fen­ba­rungs­ei­des. Kurz ge­sagt: Es ist ei­ne Zu­mu­tung.

Was al­so ist zu tun? Zu­erst braucht es an­ge­mes­se­ne, dif­fe­ren­zier­te BafögSät­ze. Ein Stu­dent in Ham­burg be­nö­tigt mehr Geld als ei­ner in Ol­den­burg oder Vech­ta, da dort Mie­ten und Ne­ben­kos­ten hö­her sind.

Schon jetzt sind Aka­de­mi­ker-Kin­der an den Unis in der Mehr­zahl. Will man den Trend stop­pen, muss das Bafög wie­der at­trak­tiv wer­den. Ei­ne Über­le­gung wert wä­re das al­te Po­li­ti­kSchreck­ge­spenst „El­tern­un­ab­hän­gi­ges Bafög“. Statt buch­di­cken An­trä­gen und kraft­rau­ben­den Ne­ben­jobs könn­ten sich Stu­den­ten ih­rer Kern­auf­ga­be wid­men: dem Stu­di­um.

Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

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