Werk­ver­trä­ge: So spar­te die Fleisch­bran­che 185 Mil­lio­nen Eu­ro

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Dirk Fis­ser

Deut­sche Fleisch­be­trie­be ha­ben in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren 185 Mil­lio­nen Eu­ro bei der Ökostrom­ab­ga­be ge­spart. Die Grü­nen im Bun­des­tag kri­ti­sier­ten, dass die Bran­che vom Staat da­für be­lohnt wer­de, be­son­ders stark auf Werk­ver­trä­ge und den Ein­satz von Su­b­un­ter­neh­mern zu set­zen.

Grü­nen-Ar­beits­markt­ex­per­tin Bri­git­te Poth­mer sag­te: „Es ist ein Un­ding, dass die­se Be­trie­be aus der Aus­beu­tung ih­rer Werk­ver­trags­ar­bei­ter auch noch dop­pel­ten Nut­zen zie­hen – bei Lohn- und Ener­gie­kos­ten.“Sie for­der­te, ei­ne Lü­cke im Ge­setz zu schlie­ßen, die den Ein­satz von Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­bran­che be­güns­ti­ge.

Hin­ter­grund der Kri­tik sind Son­der­re­ge­lun­gen für so­ge­nann­te en­er­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men. Be­trie­be, die so ein­ge­stuft wer­den, müs­sen we­ni­ger oder kei­ne Ökostrom­ab­ga­be zah­len. Ge­rin­ge Per­so­nal­kos­ten stei­gern die Chan­cen, als en­er­gie­in­ten­siv ein­ge­stuft zu wer­den. Weil Werk­ver­trags­schlach­ter bei Su­b­un­ter­neh­mern an­ge­stellt sind, fal­len die Aus­ga­ben für fest an­ge­stell­tes Per­so­nal ent­spre­chend ge­rin­ger aus. „Die­se Pra­xis muss um­ge­hend ge­stoppt wer­den“, for­der­te Poth­mer. „Denn die­se Re­ge­lung setzt zu­sätz­lich An­rei­ze für die Aus­wei­tung von Werk­ver­trä­gen und be­nach­tei­ligt Schlacht­be­trie­be, die auf Festein­stel­lun­gen set­zen.“

Ei­ner ent­spre­chen­den Auf­lis­tung des zu­stän­di­gen Bun­des­am­tes für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA) in Esch­born ist zu ent­neh­men, dass im ver­gan­ge­nen Jahr rund 50 Be­trie­be aus der Schlacht­bran­che von der EEG-Um­la­ge be­freit wur­den. Die Er­spar­nis be­zif­fer­te das Bun­des­amt mit 40,1 Mil­lio­nen Eu­ro. Für die­ses Jahr er­war­tet die Be­hör­de Ein­spa­run­gen von 37,3 Mil­lio­nen Eu­ro für Be­trie­be aus der Fleisch­wirt­schaft.

Der Ein­satz von Werk­ver­trags­schlach­tern steht schon lan­ge we­gen mut­maß­li­cher Aus­beu­tung in der Kri­tik. Bran­chen­grö­ßen wie PHWMut­ter­kon­zern Wie­sen­hof, Tön­nies oder West­fleisch hat­ten mit ei­ner Selbst­ver­pflich­tung re­agiert und Bes­se­rung ge­lobt. Nach An­ga­ben des Dach­ver­ban­des der Er­näh­rungs­wirt­schaft stieg der An­teil der Festan­ge­stell­ten von 2015 auf 2016 um 39 Pro­zent auf mehr als 20 000. Da­ge­gen gab es bei den Werk­ver­trä­gen ei­nen Zu­wachs von 9 Pro­zent auf rund 16 000.

Auch Be­trie­be aus der Re­gi­on We­ser-Ems ha­ben bei der EEG-Um­la­ge ge­spart. In der Lis­te des Bun­des­am­tes taucht et­wa der mitt­ler­wei­le von der Tön­nies-Grup­pe ge­kauf­te Schlacht­hof in Bad­ber­gen, Land­kreis Os­na­brück, auf. Eben­so Da­nish Crown in Es­sen, Clop­pen­burg oder Vi­on in Ze­ven. Der Tön­niesSchlacht­hof Wei­de­mark aus Sö­gel im Emsland taucht hin­ge­gen nicht auf.

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