Gif­tei­er und Zeit­geist

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - D.fis­ser@noz.de

Die Ri­si­ko­ab­schät­zung der Be­hör­den be­sagt, dass bei ei­nem nor­ma­len Eier­kon­sum kei­ne Ge­fahr für Er­wach­se­ne droht, selbst wenn sie be­las­te­te Eier es­sen. Das ist Fakt, geht in der all­ge­mei­nen Ve­r­un­si­che­rung aber un­ter.

Zu der tra­gen Han­dels­kon­zer­ne bei, die oh­ne Not ver­kün­den, sie wür­den jetzt sämt­li­che Eier aus den Re­ga­len ho­len. Das ist gu­tes Mar­ke­ting, schließ­lich si­gna­li­siert es dem Ver­brau­cher, dass zu­min­dest sein Le­bens­mit­tel­händ­ler um sei­ne Ge­sund­heit be­sorgt

ist. Wä­ren die Kon­zer­ne in ih­rem Han­deln kon­se­quent, dann müss­ten sie sämt­li­che Ei­er­nu­deln, Ku­chen und an­de­re Pro­duk­te mit Ei-An­teil aus dem Sor­ti­ment neh­men. Schließ­lich deu­tet al­les dar­auf hin, dass Fi­pro­nil beim Ba­cken oder Ver­ar­bei­ten sich nicht ver­flüch­tigt. Im Zwei­fel ist ei­ne Pa­ckung Ei­er­nu­deln ge­fähr­li­cher als das Früh­stücks­ei.

Man mag die Hys­te­rie um Gif­tei­er als Spie­gel­bild des auf­ge­reg­ten Zeit­geis­tes ab­tun. Die Auf­re­gung ist aber in­so­fern nach­voll­zieh­bar, als das Han­deln der Be­hör­den in den Nie­der­lan­den und in Deutsch­land mehr Fra­gen auf­wirft, als Ant­wor­ten lie­fert. Zwei zen­tra­le: War­um wir­ken die Rück­ru­fe wie Stück­werk? Und: Lie­fe es ähn­lich rum­pe­lig, wenn ei­ne tat­säch­li­che und nicht nur ei­ne ge­fühl­te Le­bens­ge­fahr für Ver­brau­cher be­stün­de?

Von Dirk Fis­ser

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