Der an­ge­schla­ge­ne Rie­se

Ku­gel­sto­ßer Storl: Klar im Kopf zu al­ter Stär­ke

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Storl.

Der Rie­se ist an­ge­schla­gen. Ei­gent­lich war der zwei­fa­che Welt­meis­ter Da­vid Storl als Me­dail­len-Lo­ko­mo­ti­ve vor­ge­se­hen. Doch hin­ter dem Leis­tungs­ver­mö­gen des bes­ten deut­schen Ku­gel­sto­ßers, der lan­ge un­ter mas­si­ven Knie­pro­ble­men litt und bei Olym­pia in Rio nur Sieb­ter wur­de, steht ein Fra­ge­zei­chen.

Die Zwei­fel nach den schmerz­haf­ten Rück­schlä­gen zu über­win­den, dar­an soll ein Mann ar­bei­ten, der sich als Men­tal­trai­ner ei­nen Na­men ge­macht hat. Mat­thi­as Gro­ße ist der Le­bens­ge­fähr­te von Eis­schnell­lauf-Olym­pia­sie­ge­rin Clau­dia Pech­stein. Er soll dem an­ge­schla­ge­nen Schwer­ath­le­ten zu neu­em Mut und Selbst­ver­trau­en ver­hel­fen. Storl woll­te, so sag­te er, in sei­nem Kopf auf­räu­men, des­we­gen nahm er pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in An­spruch.

„Da­vid ist ein Kerl wie ein Baum, der zu­rück an die Welt­spit­ze möch­te. Das geht nur Schritt für Schritt und mit ei­ner kla­ren Struk­tur. Er darf sich nicht het­zen las­sen“, Fin­det er sei­ne Form? sag­te Gro­ße zu Be­ginn sei­nes En­ga­ge­ments, das wett­kampf­mä­ßig erst­mals bei den deut­schen Meis­ter­schaf­ten in Er­furt ein­setz­te. Der 26-Jäh­ri­ge vom SC DHfK Leip­zig ge­wann zwar sei­nen sieb­ten na­tio­na­len Ti­tel, aber die 20,98 Me­ter wa­ren nicht der Re­de wert. 21,31 Me­ter hat der stäm­mi­ge Sach­se, der lan­ge mit Pro­ble­men an der Pa­tel­la­seh­ne zu kämp­fen hat­te, in die­sem Jahr schon ge­sto­ßen. Maß­stab aber ist bei der WM der Ame­ri­ka­ner Ryan Crou­ser mit 22,65 Me­tern. Zu­vor hat­te der ak­tu­el­le Welt­meis­ter Joe Ko­vacs in Tuc­son/Ari­zo­na mit 22,57 Me­tern ein star­kes Si­gnal Rich­tung Lon­don ge­sen­det.

Stark will auch Storl auf­tre­ten, mit­hil­fe des neu­en Men­tors an sei­ner Sei­te. Al­ler­dings ist Gro­ße nicht un­um­strit­ten, weil er ri­go­ros mit Kri­ti­kern der eben­falls nicht pfle­ge­leich­ten Pech­stein um­ge­gan­gen sein soll. Der zu DDR-Zei­ten an der Mi­li­tär­aka­de­mie in Minsk aus­ge­bil­de­te 49-Jäh­ri­ge und spä­te­re Im­mo­bi­li­en­händ­ler ver­tei­dig­te sich: „Ich bin der liebs­te Mann der Welt.“

Mit ku­sche­li­gem Um­gang wird er Storl, der sich 2011 und 2013 WM-Gold hol­te, nicht zu­rück in die Welt­spit­ze brin­gen. Här­te ist ge­fragt, und da scheint Gro­ße der rich­ti­ge Mann zu sein. Bun­des­po­li­zist Storl weiß: Der Kopf muss klar sein, um Leis­tung zu brin­gen. Er will zu­rück zur ei­ge­nen Stär­ke fin­den. Und mög­lichst al­le Fra­gen nach dem „Scheiß-Knie“(O-Ton des Ku­gel­sto­ßers) hin­ter sich las­sen. Wenn mög­lich, am spä­ten Sonn­tag­abend.

Da­vid Fo­to: im­a­go/v.d. Laa­ge

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