Die­sel-Gip­fel ver­gisst Os­na­brück

Kein Geld aus dem 500-Mil­lio­nen-Fonds für be­son­ders be­las­te­te Städ­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen auf noz.de

Os­na­brück ge­hört zwar zu den Städ­ten mit der höchs­ten Stick­oxid­be­las­tung, geht bei der Aus­schüt­tung aus dem 500Mil­lio­nen-Eu­ro-Fonds aber leer aus, den der Die­sel-Gip­fel in Ber­lin den be­trof­fe­nen Städ­ten wid­men will. Dar­un­ter sind vie­le, in de­nen die Luft deut­lich sau­be­rer ist.

Von Rai­ner Lah­mann-Lam­mert

In den Nach­rich­ten vom „Na­tio­na­len Fo­rum Die­sel“am Mitt­woch ging es vor­nehm­lich um das um­strit­te­ne Soft­ware-Up­date für Die­sel­fahr­zeu­ge, ein Er­geb­nis der Zu­sam­men­kunft ist aber auch der Fonds „Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät für die Stadt“. Zur Un­ter­stüt­zung der Kom­mu­nen „bei der län­ger­fris­ti­gen Gestal­tung nach­hal­ti­ger und emis­si­ons­frei­er Mo­bi­li­tät“wer­de die Bun­des­re­gie­rung mit Un­ter­stüt­zung der Au­to­mo­bil­in­dus­trie 500 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung stel­len.

In der Ver­laut­ba­rung der be­tei­lig­ten Mi­nis­te­ri­en und Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ist das Ziel for­mu­liert, „für je­de der 28 von der EU-Kom­mis­si­on be­nann­ten, von be­son­ders ho­hen NO2-Be­las­tun­gen be­trof­fe­nen Re­gio­nen ei­nen in­di­vi­du­el­len Mas­ter­plan („gre­en-ci­ty-Plan“) zu ent­wi­ckeln

und um­zu­set­zen, mit Di­gi­ta­li­sie­rung, in­tel­li­gen­ten Ver­kehrs­sys­te­men, in­ter­mo­da­len Mo­bi­li­täts­lö­sun­gen so­wie mit zu­neh­men­der Au­to­ma­ti­sie­rung und Ver­net­zung im In­di­vi­du­al- und öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV).

Auf der Lis­te der 28 Städ­te und Bal­lungs­räu­me ist Os­na­brück nicht ge­nannt – eben­so we­nig wie Han­no­ver, Ol­den­burg und Göttingen, die

eben­falls be­trof­fe­nen Städ­te aus Nie­der­sach­sen. Of­fen­bar ein Be­triebs­un­fall, meint der Grü­nen-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Ba­jus, der am Frei­tag auf den Wi­der­spruch auf­merk­sam mach­te. Aus rein for­ma­len Grün­den wür­den die nie­der­säch­si­schen Städ­te von der För­de­rung aus­ge­schlos­sen. „Ich hof­fe, das ist nur ein Ver­se­hen des Mi­nis­te­ri­ums“, ver­merkt der Ab­ge­ord­ne­te, in­halt­lich ma­che

das kei­nen Sinn. Das sei pein­lich für Ver­kehrs­mi­nis­ter Do­brindt, denn der Vor­gang be­le­ge, wel­cher Di­let­tan­tis­mus in sei­nem Mi­nis­te­ri­um herr­sche.

Für Nie­der­sach­sen bleibt der 500-Mil­lio­nen-Eu­ro-Topf ver­schlos­sen, weil das Land schon 2013 ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren der EUKom­mis­si­on fürch­te­te und des­halb ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung für 2014 er­wirk­te. Seit­dem sind die Au­tos kaum sau­be­rer ge­wor­den, und die Grenz­wer­te für Stick­oxi­de ha­ben sich auf ho­hem Ni­veau ge­hal­ten – aber das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hat sei­ne Auf­merk­sam­keit of­fen­bar nur noch auf die Städ­te ge­rich­tet, die akut vom Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on be­trof­fen wa­ren. Un­se­re Re­dak­ti­on hat das Mi­nis­te­ri­um in Ber­lin am Frei­tag­mor­gen um ei­ne Stel­lung­nah­me ge­be­ten, aber ei­ne Ant­wort blieb bis­lang aus.

Vom Fonds „Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät für die Stadt“pro­fi­tie­ren nicht nur Bal­lungs­räu­me wie Ber­lin, Stutt­gart und meh­re­re Ruhr­ge­biets­städ­te, son­dern auch das west­fä­li­sche Müns­ter. Dort wur­de an den Hots­pots zu­letzt ein Jah­res­mit­tel­wert von 38 Mi­kro­gramm Stick­stoff­di­oxid (NO2) pro Ku­bik­me­ter Luft re­gis­triert, in Os­na­brück wa­ren es 48, in Han­no­ver so­gar 55. Der Grenz­wert liegt bei 40 Mi­kro­gramm NO2.

Dass Os­na­brück und die nie­der­säch­si­schen Städ­te jetzt trotz der ho­hen Schad­stoff­kon­zen­tra­tio­nen leer aus­ge­hen sol­len, fin­det Det­lef Gerdts, der Lei­ter des Fach­be­reichs Um­welt und Kli­ma­schutz der Stadt, ent­täu­schend. „Wir könn­ten das Geld gut ge­brau­chen“, lau­tet sein Kom­men­tar, et­wa für ei­ne wei­te­re Ver­flüs­si­gung des Ver­kehrs, für Rad­we­ge, den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr und die E-Mo­bi­li­tät. Er hofft, dass bei den För­der­be­din­gun­gen noch nach­ge­bes­sert wird.

Luft­schad­stof­fe oh­ne En­de:

500 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den aus­ge­schüt­tet – aber nicht in Os­na­brück. Fo­to: Micha­el Grün­del

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