Krieg und Lie­be

Spiel­trie­be beim Schüt­zen­bund: In­stal­la­ti­ves Stück „Sta­ging Lo­ve“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von An­ne Rei­nert

Die Ge­schäfts­stel­le des Schüt­zen­bun­des in Os­na­brück wird zur Büh­ne für die Spiel­trie­be, die sich in die­sem Jahr mit dem The­ma „Macht*Spiel*Ge­schlecht“aus­ein­an­der­set­zen. In „Sta­ging Lo­ve“geht es um Krieg und Lie­be.

Et­was ver­steckt auf dem Zie­gen­brink, zwi­schen Wohn­häu­sern und ei­nem Wald­stück, liegt die Ge­schäfts­stel­le des Schüt­zen­bun­des Os­na­brück-Emsland-Graf­schaft Bent­heim. Gar­di­nen mit Blu­men­mus­ter, Ti­sche und Stüh­le aus dunk­lem Holz und Tel­ler und Wim­pel an der Wand prä­gen den Stil des Ver­samm­lungs­raums. Er wird bei den Spiel­trie­ben zur Büh­ne für „Sta­ging Lo­ve“.

Um Krieg und Lie­be geht es in dem Stück der Spiel­trie­be. Wie passt das zu­sam­men? Re­gis­seu­rin So­phia Bart­hel­mes stutzt bei die­ser Fra­ge. „Ist das nicht das­sel­be?“, fragt sie und lacht. Text­grund­la­ge für „Sta­ging Lo­ve“sind Lie­bes­ge­dich­te, zum ei­nen Ge­dich­te, die sich In­ge­borg Bach­mann und Paul Ce­lan so­wie In­ge und Hei­ner Mül­ler ge­schrie­ben ha­ben, zum an­de­ren Ly­rik von Ma­scha Kalé­ko. Al­le Au­to­ren ver­bin­det, dass sie den Krieg er­lebt ha­ben.

„Das The­ma spannt sich auf zwi­schen Krieg und Lie­be, zwi­schen Schüt­zen­ver­ein und Lie­be und Schüt­zen­ver­ein und Ly­rik“, sagt So­phia Bart­hel­mes. Der Text wer­de in den Raum „rein­in­stal­liert“, er­klärt die Re­gis­seu­rin ih­re Vor­ge­hens­wei­se. Denn der Ver­samm­lungs­raum des Schüt­zen­ver­eins wird im Gro­ßen und Gan­zen ge­nom­men, wie er ist, und nur durch ein paar Re­qui­si­ten von Büh­nen- und Ko­s­tüm­bild­ne­rin Ant­hou­la Bour­na er­gänzt. So ge­win­ne das Stück „in­stal­la­ti­ven Cha­rak­ter“, sagt Bart­hel­mes. Gibt es da über­haupt ei­ne Hand­lung? „Doch“, er­wi­dert Bart­hel­mes, „wir fei­ern ein Fest, ein Schüt­zen­fest, so­zu­sa­gen.“

Die In­stal­la­ti­on be­steht aus meh­re­ren Ebe­nen: Ne­ben Text und Raum sind das die Fi­gu­ren und das Licht. Schon al­lein die so ver­dich­te­te Ly­rik sei ei­ne sehr span­nen­de Ebe­ne, so Tho­mas Ki­e­n­ast. Dass ein Text aus Ge­dich­ten be­steht, er­lebt der Schau­spie­ler, der seit 2011 am Thea­ter Os­na­brück en­ga­giert ist, zum ers­ten Mal bei den Spiel­trie­ben.

Aber wie ist das für ei­nen Schau­spie­ler, so ein Stück zu spie­len? „Sehr an­ders“als ein dra­ma­ti­scher Text aus Dia­lo­gen und Mo­no­lo­gen, er­klärt Tho­mas Ki­e­n­ast. „Man muss erst mal den Text ver­ste­hen, sei­ne Form, sei­nen In­halt, sei­nen Kon­text, in dem er ge­schrie­ben wur­de“, sagt er. Dar­über hin­aus gel­te es, ei­ne Fi­gur zu ent­wi­ckeln, die ihn spricht und die in ei­ne Be­zie­hung mit ei­nem Ge­gen­über auf der Büh­ne, den Zu­schau­ern und dem Raum tre­te.

Aber was ha­ben Krieg und Lie­be nun mit­ein­an­der zu tun? Ge­meint sei „nicht ein bil­li­ger Krieg zwi­schen den Ge­schlech­tern“, be­tont So­phia Bart­hel­mes. „Das Le­ben ist halt je­den Tag ein biss­chen schwie­rig, wenn ich lie­be“, sagt sie. Im­mer ge­he es um die Fra­ge, die Waf­fen zu stre­cken oder et­was aus­zu­kämp­fen. Auch die Ge­gen­sät­ze von männ­lich und weib­lich spie­len hin­ein. Ge­schlech­ter­rol­len hät­ten „mas­siv mit der Exis­tenz von Krieg zu tun“, so So­phia Bart­hel­mes. Da sind auf der ei­nen Sei­te die Frau­en als die zu Be­schüt­zen­den, auf der an­de­ren die Män­ner als die Schüt­zen­den und die­je­ni­gen, die die Waf­fen tra­gen.

Das Stück ist auf der Rou­te Pink zu se­hen. Ne­ben Tho­mas Ki­e­n­ast spie­len Elai­ne Ca­me­ron und Ste­fan Hasch­ke mit.

„Wir fei­ern ein Fest, ein Schüt­zen­fest, so­zu­sa­gen“, sagt So­phia Bart­hel­mes. Zu­sam­men mit Tho­mas Ki­e­n­ast hält sie ein Vor­ge­spräch über „Sta­ging Lo­ve“im Ver­samm­lungs­raum des Schüt­zen­bun­des ab. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.