Al­te Stadt, jun­ges Herz

Ge­schich­te, Na­tur, Kul­tur, Par­ty: Nimwegen punk­tet mit viel­fäl­ti­gem An­ge­bot

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Von El­ke Schrö­der (Text und Fo­tos)

Nimwegen ist die äl­tes­te Stadt der Nie­der­lan­de, die auch von den vie­len Stu­den­ten der re­nom­mier­ten Uni­ver­si­tät jung ge­hal­ten wird. Ein Be­such der reiz­voll an der Waal ge­le­ge­nen Stadt.

NIMWEGEN. Tanz­schu­he, Stie­fel und Sport­schu­he bau­meln an Sei­len in Rei­hen im Wind hoch über der Fuß­gän­ger­zo­ne in der Zie­ker­straat von Nimwegen (nie­der­län­disch Ni­j­me­gen). Es sind stil­le Zeu­gen ei­nes Spek­ta­kels, das seit 1909 im­mer am drit­ten Di­ens­tag im Ju­li in der äl­tes­ten Stadt der Nie­der­lan­de be­ginnt: das „Ni­j­meegse Vier­da­agse“, kom­bi­niert mit dem größ­ten Mu­sik­fest des Lan­des, den „Vier­da­agsefees­ten“. Fast scheint es, als hät­ten die et­wa 45000 Teil­neh­mer des tra­di­tio­nel­len Wan­de­revents „Vier­ta­ges­mär­sche“nach den täg­li­chen 30 bis 50 Ki­lo­me­tern Fuß­marsch er­schöpft hier die Schu­he hin­ter­las­sen.

Ge­nau­so wie die Par­ty­be­su­cher des „Vier­ta­ges­fes­ti­vals“: Letz­te­res ver­wan­delt die von sie­ben Hü­geln ge­präg­te In­nen­stadt in ei­nen rie­si­gen Club, der viel­fäl­ti­ge Mu­sik­sti­le für Jung und Alt be­dient. Auch die groß­flä­chi­gen kah­len Stel­len im be­rühm­ten Valk­hof-Park sind Spu­ren durch­t­anz­ter Näch­te. Nun, ei­ne Wo­che da­nach, scheint sich die 170000-Ein­woh­ner-Stadt an der Waal, dem süd­li­chen Mün­dungs­arm des Rheins, eben­so lang­sam zu er­ho­len wie der Ra­sen. Sehr re­laxt wirkt das Trei­ben in der Stadt. Die vie­len Stu­den­ten sind jetzt in den Fe­ri­en. In den zahl­rei­chen Fahr­rad­sta­tio­nen in der In­nen­stadt – Nimwegen und die Nach­bar­stadt Arn­heim wa­ren Gast­ge­ber der in­ter­na­tio­na­len Fahr­rad­kon­fe­renz Ve­lo-Ci­ty 2017 – fin­det man nun wie­der leicht ei­nen Platz für sei­nen Draht­esel. Be­su­cher kön­nen sich ei­nen sol­chen am Bahn­hof mie­ten. Auf ei­nem gut zwei­stün­di­gen Rund­gang kann man sich je­doch auch ei­nen gu­ten Über­blick die wich­tigs­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten und ge­schicht­li­chen The­men ma­chen: Die Rö­mer hat­ten hier einst ei­nen Mi­li­tär­stütz­punkt, wo­von die ar­chäo­lo­gi­schen Fun­de und his­to­ri­schen Stadt­an­sich­ten im Mu­se­um Het Valk­hof ein­drucks­voll er­zäh­len. Das Haus be­zieht sich auf den auf ei­ner An­hö­he be­find­li­chen Valk­hof-Park, wo die Rö­mer ihr Ka­s­tell bau­ten und die Haupt­stadt der Ba­ta­ver grün­de­ten. Und von hier hat man ei­nen fan­tas­ti­schen Pan­ora­ma­blick über die Waal. Karl der Gro­ße er­rich­te­te En­de des 8. Jahr­hun­derts dann ei­ne Pfalz, die Fried­rich Bar­ba­ros­sa 1155 zur Burg­an­la­ge er­wei­ter­te. Im 18. Jahr­hun­dert wur­de sie ab­ge­ris­sen, nur die ka­ro­lin­gi­sche Schloss­ka­pel­le St. Ni­ko­laus und die Bar­ba­rossa­rui­ne sind noch zu se­hen.

Die ver­hee­ren­den Zer­stö­run­gen durch den Zwei­ten Welt­krieg las­sen sich noch an den wie­der­auf­ge­bau­ten, mo­der­nen Ge­bäu­den und Fas­sa­den im Stadt­zen­trum zwi­schen mit­tel­al­ter­li­chen Häu­sern so­wie am neu ge­stal­te­ten Plein 1944 auf dem Weg zum Gro­te Markt er­ah­nen.

Auf dem Markt­platz surrt ab und an ein E-Li­ni­en­bus oder saust ein Fahr­rad­fah­rer vor­bei – Aus­nah­men in der weit­ge­hend au­to­frei­en In­nen­stadt. Auf dem Gro­te Markt sticht die eins­ti­ge Stadt­waa­ge (1612) mit ih­rer mar­kan­ten Re­nais­sance-Fas­sa­de her­aus. Links über den Dä­chern ragt ein Wahr­zei­chen in den Him­mel: die im 16. Jahr­hun­dert voll­ende­te Ste­vens­kerk. Über die Stik­ke He­zel­straat, de­ren Was­ser­rin­ne in der Mit­te Kin­der zum Spie­len an­zieht, geht es in die Lan­ge He­zel­straat: Sie lockt mit mehr als hun­dert Ge­schäf­ten zum Ein­kaufs­bum­mel auf his­to­ri­schen Pfa­den, denn sie ist die äl­tes­te Ein­kauf­stra­ße der Nie­der­lan­de. Schon die Rö­mer wuss­ten sie als Durch­fahrt­stra­ße zu nut­zen. Nun ist sie ge­prägt von al­ten und neu­en Fas­sa­den, hüb­schen Ge­schäf­te und ge­müt­li­chen Stra­ßen­ca­fés.

Am En­de ge­langt man zum ma­le­ri­schen Kro­nen­bur­ger­park. Ei­ne Ruhe­oa­se, wo man beim Kruit­to­ren (1425), dem er­hal­te­nen Turm der al­ten Stadt­mau­er, ei­nen Ein­druck der erst 1874 ab­ge­ris­se­nen Be­fes­ti­gung be­kommt.

Wer mehr Zeit hat, kann Aus­flü­ge zu Fuß oder mit dem Rad ins Grü­ne ma­chen: Über­quert man die Waal bei­spiels­wei­se über die Stahl­bo­gen­brü­cke Waalbrug (er­rich­tet 1936) er­reicht man das nörd­li­che Fluss­ufer und die In­sel Veur Lent, wo man von Sand­strän­den aus den Blick auf Nimwegen ge­nie­ßen kann. Bleibt man auf der Stadt­sei­te und un­ter­quert die Waal­brü­cke, ge­langt man schnell über ei­ne neue Fuß­gän­ger­brü­cke in die ma­le­ri­sche Land­schaft des Ooi­j­pol­der – na­tür­lich ganz ent­spannt.

Die Waal­brü­cke ver­bin­det das Zen­trum mit dem Stadt­teil Lent (Bild oben). Hier le­gen Aus­flugs­boo­te, bei­spiels­wei­se das Pan­nen­ko­e­ken­boot (links), an und ab. Ro­man­ti­sche Ruhe­oa­se in­mit­ten der Stadt: der Kro­nen­bur­ger Park (oben rechts). Der Gro­te Markt (Bild links) mit der Stadt­waa­ge (rechts) und Ste­vens­kerk. Mo­der­ne Ein­kaufs­stra­ße: Ma­ri­ken­straat (Bild rechts).

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