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Di­ri­gent Curr­ent­zis macht Sän­ge­rin Netreb­ko den Rang als Su­per­star der Salz­bur­ger Fest­spie­le strei­tig

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Der gro­ße Star der dies­jäh­ri­gen Fest­spie­le ist Teo­dor Curr­ent­zis. Na­tür­lich gibt es für sei­ne hym­nisch ge­lob­te In­ter­pre­ta­ti­on der Mo­zart-Oper „La cle­men­za di Ti­to“und für sein noch aus­ste­hen­des Kon­zert mit Gus­tav Mah­lers ers­ter Sym­pho­nie kei­ne Kar­ten mehr. Und im Fest­spiel­shop sind so­gar die drol­li­gen Post­kar­ten mit sei­nem cha­rak­te­ris­ti­schen Kon­ter­fei aus­ver­kauft.

Die bei­den Post­kar­ten mit An­na Netreb­ko sind noch zu ha­ben. Ei­ne zeigt sie zu­sam­men mit ih­rem Gat­ten, dem aser­bai­dscha­ni­schen Te­nor Yu­sif Ey­va­zov, ei­ne an­de­re nur sie al­lein in ei­nem tief de­kol­le­tier­ten schwar­zen Abend­kleid. Curr­ent­zis scheint der Di­va, die seit ih­rem phä­no­me­na­len De­büt als Don­na An­na in Mo­zarts „Don Gio­van­ni“im Jah­re 2002 re­gel­mä­ßi­ger Gast an der Salz­ach ist, den Rang ab­zu­lau­fen. Zu­min­dest vor­läu­fig. Auch Netreb­kos 15-tei­li­ges Tee­ser­vice war­tet in ei­ner Vi­tri­ne des Shops auf zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den. Das mit Mo­ti­ven aus Ver­dis „Ai­da“ver­zier­te Set, her­ge­stellt in der „Im­pe­ri­al Porce­lain Ma­nu­fac­to­ry“(Kai­ser­li­chen Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur) in St. Pe­ters­burg, kos­tet in der Ba­sis­ver­si­on stol­ze 2399 Eu­ro.

Am Sonn­tag steht die Pre­mie­re der dies­jäh­ri­gen Salz­bur­ger Fest­spie­le ins Haus, zu­min­dest in punc­to Gla­mour­fak­tor. Der ita­lie­ni­sche Ma­e­s­tro Ric­car­do Mu­ti di­ri­giert Gi­u­sep­pe Ver­dis „Ai­da“in der Re­gie der ira­ni­schen Mul­ti­künst­le­rin Shi­rin Nes­hat. Und An­na Netreb­ko singt zum ers­ten Mal die Ti­tel­rol­le der äthio­pi­schen Skla­vin, die sich am Ho­fe zu Mem­phis in den ägyp­ti­schen Feld­her­ren Ra­da­mes ver­liebt. Ei­ne pre­kä­re Af­fä­re, die na­tür­lich mit dem Tod der bei­den Opern­hel­den en­det.

Nach dem pro­gram­mier­ten Kunst­ge­nuss gibt es wie­der ei­ne gro­ße Ga­la-Soi­ree für 360 Gäs­te mit Ga­la­di­ner im Ca­ra­bi­nie­ri­saal der Salz­bur­ger Re­si­denz und an­schlie­ßen­dem Tanz­ver­gnü­gen im Kai­ser­saal. Die Kar­ten sind seit Mo­na­ten aus­ver­kauft. Es gibt auch ei­ne Cock­tail- und Ka­viar­bar, und an Cham­pa­gner soll es dem Ver­neh­men nach nicht feh­len. Was­ser auf die Müh­len der­je­ni­gen, die in Netreb­ko vor al­lem ei­ne Lu­xus- und So­cie­ty­Di­va se­hen. Das Ma­ga­zin „For­bes“hat­te das Ver­mö­gen der in Wi­en le­ben­den Rus­sin jüngst auf um­ge­rech­net 6,34 Mil­lio­nen Eu­ro ta­xiert.

Ei­ne ver­gleich­ba­re Sau­se für den mön­chisch stren­gen Curr­ent­zis und sei­nen Mu­sik-Ashram na­mens Mu­si­ca Ae­ter­na schie­ne eher de­plat­ziert. Ob­wohl auch der im rus­si­schen Perm wir­ken­de ex­zen­tri­sche Grie­che ei­nen Hang zur Selbst­dar­stel­lung be­sitzt. Ein Re­por­ter des Deutsch­land­funks, der den stets schwarz ge­wan­de­ten Meis­ter in sei­nem Bü­ro im Per­mer Opern­haus be­such­te, wähn­te sich in ei­nem „ein we­nig schwüls­tig ein­ge­rich­te­ten Proust­schen Bou­doir“. Im An­schluss an das In­ter­view prä­sen­tiert Curr­ent­zis dem Jour­na­lis­ten sei­ne ei­ge­nen Schuh- und Ta­schen­ent­wür­fe so­wie ein von ihm kre­iertes Unisex-Par­füm. Im Fest­spiel­shop und den Salz­bur­ger In­nen­stadt-Par­fü­me­ri­en sucht man den Duft ver­geb­lich, er wür­de sich wahr­schein­lich sehr viel bes­ser ver­kau­fen als Netreb­kos un­be­zahl­ba­res Tee­ser­vice.

Teo­dor Curr­ent­zis Fo­to: dpa

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