Ent­fes­sel­te Lei­den­schaf­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - R.doering@noz.de

Auf der Thea­ter­büh­ne wer­den die gro­ßen Fra­gen der Mensch­heit ver­han­delt, min­des­tens. Vor der Büh­ne, im Pu­bli­kum, geht es je­doch zu wie im Hoo­li­gan-Block ei­nes Fuß­ball­sta­di­ons. Zu­min­dest er­we­cken die Kom­men­ta­re auf dem Face­book-Ac­count der Volks­büh­ne der­zeit die­sen Ein­druck. An­de­rer­seits be­le­gen die Äu­ße­run­gen, wel­che Lei­den­schaf­ten ein Thea­ter, ei­ne Kul­tur­ein­rich­tung we­cken kann.

35 000 Men­schen wol­len per On­li­ne-Pe­ti­ti­on die „Zu-

kunft der Volks­büh­ne neu ver­han­deln“, aus den Face­book-Kom­men­ta­ren spre­chen Ohn­macht, Trau­er, Wut – gro­ße Ge­füh­le mit­hin, aus­ge­löst durch die Angst um ei­ne lieb ge­wor­de­ne In­sti­tu­ti­on. Da­bei könn­te der neue In­ten­dant Chris Der­con ja gera­de der Mann sein, der nicht nur der Volks­büh­ne, son­dern dem Thea­ter an sich ei­nen Weg in die Zu­kunft weist.

Vi­el­leicht ist der Bel­gi­er aber auch der fal­sche Mann; vi­el­leicht er­fül­len sich all die Schre­ckens­vi­sio­nen von der Event­bu­de, von de­nen die Grand­sei­gneurs der Ber­li­ner Thea­ter­sze­ne ge­pol­tert ha­ben. Doch die gan­ze Hä­me hilft jetzt nie­man­dem mehr. Vi­el­leicht soll­te man Chris Der­con aber ein­fach mal an­fan­gen las­sen, be­vor man sei­ne Ar­beit be- oder ver­ur­teilt.

Von Ralf Dö­ring

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