Nur nicht er­wi­schen las­sen!

In der fran­zö­si­schen Er­folgs­ko­mö­die „Ali­bi.com“gibt es Aus­re­den und Kla­mauk auf Be­stel­lung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film - Von Rein­hard Wes­ten­dorf

In der fran­zö­si­schen Ki­no­kla­mot­te „Ali­bi.com“wird ein lu­kra­ti­ves Ge­schäft mit der Lü­ge zum Är­ger der Prot­ago­nis­ten und zur Freu­de des Pu­bli­kums von den Wid­rig­kei­ten der Wahr­heit ent­tarnt.

OS­NA­BRÜCK. Ih­ren letz­ten Freund hat die Ju­ris­tin Flo (Élo­die Fon­tan) schon we­gen Schum­melns beim „Mo­no­po­ly“-Spie­len ver­las­sen. Sie hasst Be­trü­ger wie die Pest. Noch weiß sie zum Glück nicht, dass ihr neu­er Le­bens­part­ner Gré­go­ry (den Re­gis­seur und Ko­au­tor Phil­ip­pe La­cheau selbst spielt) vom Ge­schäft mit der Lü­ge lebt. Sein er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men „Ali­bi.com“lie­fert den vor­nehm­lich männ­li­chen Kun­den auf Be­stel­lung Aus­re­den und Tar­nung für ih­re Vor­lie­ben und Sei­ten­sprün­ge.

Als der Fir­men­chef aus­ge­rech­net für Flos Va­ter Gé­r­ard ein was­ser­dich­tes Ali­bi lie­fern soll, weil die­ser ein Lu­xus-Wo­che­n­en­de mit sei­ner sin­gen­den Ge­lieb­ten in Can­nes ver­brin­gen will, müs­sen Gré­go­ry und sei­ne bei­den teil­ge­stör­ten Mit­ar­bei­ter Au­gus­tin und Meh­di al­le He­bel in Be­we­gung set­zen, da­mit die fal­sche Num­mer nicht auf­fliegt. Die miss­traui­sche Flo und ih­re nichts ah­nen­de Mut­ter (Nat­ha­lie Baye) ver­brin­gen näm­lich fa­ta­ler­wei­se ihr ge­mein­sa­mes Mä­del­wo­chen­en­de zur glei­chen Zeit am sel­ben Ort.

Um das per­sön­li­che und ge­schäft­li­che Fi­as­ko zu ver­hin­dern, ist Gré­go­ry kein Ein­fall und kei­ne Ak­ti­on zu pein­lich oder däm­lich. Er trai­niert so­gar ver­geb­lich, so akro­ba­tisch zu­schla­gen zu kön­nen wie sein bel­gi­sches Kampf­spor­tIdol Je­an-Clau­de Van Dam­me im Mar­ti­al-Arts-Film­klas­si­ker „Blood­sport“.

Ver­stor­be­ne Vä­ter und le­ben­de Ve­te­ra­nen der fran­zö­si­schen Film­kla­mot­te wie Lou­is de Fun­ès oder Pier­re Richard las­sen grü­ßen bei die­sem Pu­bli­kums­hit aus Frank­reich (rund 3,6 Mil­lio­nen Be­su­cher) – ge­nau­so wie ei­ni­ge ak­tu­el­le derb­hu­mo­ri­ge Hol­ly­wood-Vor­bil­der.

„Ali­bi.com“prä­sen­tiert bour­geoi­se Bor­niert­heit, slap­stick­ar­ti­ge De­sas­ter, nai­ve Toll­pat­sche, chro­ni­sche Cho­le­ri­ker, klei­ne Le­bens­lü­gen, er­lö­sen­de Wahr­hei­ten und die Er­ret­tung des Gro­tes­ken un­ter dem Deck­man­tel des Kla­mauks.

Und so vie­le (po­li­tisch und mo­ra­lisch un­kor­rek­te) Gags, die auf Kos­ten von Kin­dern und Tie­ren ge­hen, gab es schon lan­ge nicht mehr in ei­nem Ki­no­film zu se­hen. Ins­be­son­de­re

Flos klei­nem Hund Coo­kie wird mehr­fach übel mit­ge­spielt. Ei­ne Kampf­kat­ze und ein schlag­fer­ti­ges Ze­bra rä­chen sich hin­ge­gen art­ge­recht an ih­ren mensch­li­chen Pei­ni­gern. Den um das Wohl der mal­trä­tier­ten Ge­schöp­fe be­sorg­ten Zu­schau­ern sei je­doch ver­si­chert, dass bei die­sen der­ben Spä­ßen dank trick­rei­cher Ins­ze­nie­rung nie­mand zu Scha­den kam. Im Ab­spann von „Ali­bi.com“gibt es dann

noch ein be­wusst schlech­tes „Schlam­pen“-Mu­sik­vi­deo zu be­stau­nen. Im Ver­gleich zu die­sem „Bo­nus­ma­te­ri­al“ist der Haupt­film in der Tat recht un­ter­halt­sam, aber glei­cher­ma­ßen schnell ver­ges­sen.

„Ali­bi.com“. F 2017, R: Phil­ip­pe La­cheau. D: Phil­ip­pe La­cheau, Ju­li­en Ar­ru­ti, Tarek Bou­da­li, Elo­die Fon­tan; 90 Mi­nu­ten. Ab 6. Ci­ne­ma-Ar­thouse, Ci­ne­star, Film­pas­sa­ge.

Zwi­schen Lie­be und Lü­ge: sein Geld. Flo (Élo­die Fon­tan) gibt Gré­go­ry (Phil­ip­pe La­cheau) zu ver­ste­hen, dass sie Be­trü­ger hasst. Das Pro­blem: Mit Lü­gen ver­dient Gré­go­ry Fo­to: Stu­di­oCa­nal Film­ver­leih/dpa

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