Er­wa­chen­der Ti­ger

Leicht­hän­dig in­sze­niert: „Die gött­li­che Ord­nung“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film - Von Ve­ra Geis­ler

„Das Ver­gan­ge­ne ist nicht tot; es ist nicht ein­mal ver­gan­gen.“Die­ses Zi­tat von Wil­li­am Faulk­ner drängt sich beim Be­trach­ten des Schwei­zer Schau­spiels „Die gött­li­che Ord­nung“auf: Nur ei­ne Denk­wei­se ist die Rich­ti­ge, nur ein Ver­hal­ten wird als kor­rekt ak­zep­tiert. Gera­de in klei­nen Dör­fern, fern­ab mo­der­ner Geis­tes­strö­mun­gen, kann das dem In­di­vi­du­um schwer zu schaf­fen ma­chen, was et­wa 1969 von Pe­ter Fleisch­mann in sei­nen „Jagd­sze­nen aus Nie­der­bay­ern“um den Schwu­len Abram the­ma­ti­siert wur­de.

Ge­nau der dort be­schrie­be­ne Geist „dump­fer Pro­vinz­men­ta­li­tät als Keim­zel­le po­li­ti­scher Re­pres­si­on“fin­det sich in dem leicht­hän­dig

in­sze­nier­ten Da­seins-Dra­ma, das im Schick­sals­jahr 1971 in ei­nem klei­nen Schwei­zer Dorf an­ge­sie­delt ist.

Wäh­rend in den west­li­chen Me­tro­po­len Flo­wer-Po­wer, LSD und Frau­en­rech­te für Auf­ruhr sorg­ten, hat­ten die Be­woh­ner des Al­pen­lan­des ganz an­de­re Pro­ble­me: Die Män­ner wa­ren auf­ge­ru­fen, über das dem Weibs­volk bis­her ver­wehr­te Frau­en­wahl­recht ab­zu­stim­men. Im­mer­hin ging es für die Frau­en um po­li­ti­sche Teil­ha­be und ganz prag­ma­tisch um die Fra­ge nach vol­ler Ge­schäfts­fä­hig­keit un­ab­hän­gig vom Wohl­wol­len ih­rer Män­ner.

Es ist das Ver­dienst von Dreh­buch­au­to­rin und Re­gis­seu­rin Pe­tra Vol­pe, dass die­ses eher klei­ne Fern­seh­spiel um die Eman­zi­pa­ti­on von Ehe­frau und Mut­ter No­ra so­wie ih­ren en­ga­gier­ten Mit­strei­te­rin­nen zu ei­nem ge­lun­ge­nen Ki­no­stück avan­ciert. Mit ih­rem Ein­satz zei­gen sie den Weg aus weib­li­cher Mi­se­re: Nur Frau­en sel­ber kön­nen ih­re Si­tua­ti­on än­dern.

„Die gött­li­che Ord­nung“. CH 2017. B+ R: Pe­tra Bi­on­di­na Vol­pe. D: Ma­rie Leu­en­ber­ger, Ma­xi­mi­li­an Si­mo­ni­schek, Si­byl­le Brun­ner. 96 Mi­nu­ten Ab 6. Ci­ne­ma-Ar­thouse.

Die Be­zie­hung zwi­schen No­ra und Hans ge­rät durch­ein­an­der. Fo­to: Ala­mo­de

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