Rat­schlä­ge für das WG-Cas­ting

So ge­lingt die Vor­stel­lung bei den neu­en Mit­be­woh­nern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wohnwelt - Punk­te be­ach­ten.

Abi in der Ta­sche und schon die Zu­sa­ge für ei­nen Stu­di­en­platz er­hal­ten

fehlt nur noch das pas­sen­de WG-Zim­mer. Doch das ist gar nicht so ein­fach. Auf ein Zim­mer in be­lieb­ten Uni-Städ­ten kom­men oft hun­der­te Be­wer­ber. Am En­de ent­schei­det oft das WG-Cas­ting.

Von Me­la­nie Öh­len­bach

BER­LIN/KÖLN. Nicht nur in Ber­lin, Ham­burg, Köln oder Mün­chen, auch in klei­nen Uni-Städ­ten wie Frei­burg, Müns­ter oder Göttingen kann es dau­ern, ei­ne güns­ti­ge Un­ter­kunft für das Stu­di­um zu fin­den. Vie­le Stu­den­ten su­chen aus Kos­ten­grün­den nach ei­ner Wohn­ge­mein­schaft. Wie er­hö­hen sie im WG-Cas­ting ih­re Er­folgs­chan­cen?

Per­sön­lich wer­den: Be­vor man sich der WG prä­sen­tiert, müs­sen Stu­den­ten sich oft per E-Mail oder te­le­fo­nisch auf das Zim­mer be­wer­ben mit per­sön­li­chen In­fos. Man­che WGs bit­ten um Links zum Face­book-Pro­fil.

Chan­cen ein­schät­zen: Stu­den­ten kon­zen­trie­ren sich am bes­ten gleich auf Woh­nungs­an­zei­gen, auf die sie zu pas­sen schei­nen. Häu­fig er­fährt man dar­in schon über das ak­tu­el­le WG-Le­ben („Wir ko­chen am Wo­che­n­en­de gern ge­mein­sam“oder „Bei uns hat je­der Frei­raum und sei­ne Ru­he zum Ler­nen“) und die Wün­sche an den neu­en Be­woh­ner („Wenn du auch ger­ne fei­ern gehst, bist du bei uns rich­tig“).

Vor­be­rei­ten: Vor dem Be­such der WG soll­te man die De­tails aus der Anzeige ver­in­ner­licht ha­ben, um nicht al­les dop­pelt er­fra­gen zu müs­sen. Auf Pünkt­lich­keit wird ge­ach­tet so­wie auf nor­ma­le Klei­dung. „Am bes­ten er­scheint man als der Mensch, der man ist“, sagt Ste­fan Grob vom Deut­schen Stu­den­ten­werk in Ber­lin. Schließ­lich ge­he es dar­um, ei­nen au­then­ti­schen Ein­druck zu hin­ter­las­sen – und das von An­fang an.

In­ter­es­se zei­gen: „Beim Cas­ting soll­te man zu­nächst dar­über spre­chen, was die WG von ei­nem er­war­tet, und dann er­fra­gen, wie sie funk­tio­niert und was die an­de­ren Be­woh­ner so ma­chen“, rät Grob. Denn das Wich­tigs­te sei­en ne­ben dem Zim­mer die Mit­be­woh­ner, mit de­nen man sich gut ver­ste­hen muss. „Erst dann stellt man sich selbst ge­nau­er vor und er­zählt, was man in die WG ein­brin­gen kann.“Und Grob emp­fiehlt, sich beim Cas­tings nicht zu ver­bie­gen.

Ehr­lich sein: Das of­fe­ne Wor­te im Ge­spräch gut an­kom­men, hat Ja­na Tho­mas be­ob­ach­tet. Sie ist So­zi­al­re­fe­ren­tin für den Be­reich Woh­nen und Not­un­ter­künf­te beim AStA der Uni­ver­si­tät zu Köln. „Die Be­woh­ner sol­len mer­ken, dass sich der­je­ni­ge nicht ver­stellt“, be­tont auch die Stu­den­ten­ver­tre­te­rin. Im Hin­ter­kopf blei­be na­tür­lich, dass man ein Zim­mer braucht. Den­noch: „Nicht den Fo­kus auf die schlech­te­ren Ei­gen­schaf­ten le­gen, son­dern auf die ei­ge­nen Vor­tei­le und Stär­ken.“

Doch wie viel gibt man von sich preis? Gibt es Gren­zen? „So we­nig wie mög­lich, aber so viel wie nö­tig“, sagt Ja­na Tho­mas. „Wenn man das Ge­fühl hat, man wird ver­hört, dann soll­te man aber ei­nen Gang zu­rück­schal­ten.“Sehr pri­va­te In­for­ma­tio­nen ge­hö­ren nicht in das Vor­stel­lungs­ge­spräch. Das soll­ten die Be­woh­ner ak­zep­tie­ren.

Pro­ble­me an­spre­chen: „Ab­klä­ren soll­te man die Punk­te, wo das Le­ben an­ein­an­der rei­ben könn­te, et­wa wenn die Be­woh­ner früh auf­ste­hen oder sie Wert dar­auf le­gen, dass es tags­über lei­se ist“, rät Ja­na Tho­mas. Auch die Ord­nungs­ge­wohn­hei­ten soll­te man vor­her ken­nen und über­le­gen, ob die zu ei­nem pas­sen oder ob man sich ge­ge­be­nen­falls an­pas­sen wür­de. „Am bes­ten man er­kun­digt sich nach Re­geln, wie zum Bei­spiel das Ko­chen in der Kü­che ge­hand­habt wird oder die Hy­gie­ne im Bad“, sagt Grob. Auch wich­tig: Raucht ihr? Macht ihr oft Par­ty?

Al­lei­ne kom­men: Die NoGos beim Cas­ting: El­tern und Freun­de mit­brin­gen. „Der Schritt ins Stu­di­um ist de­fi­ni­tiv ei­ner, in dem man selbst­stän­dig Bei der Su­che nach ei­ner WG wer­den muss“, be­tont Grob. „Da­her soll­te man wei­test­ge­hend auf die Hil­fe der Fa­mi­lie ver­zich­ten.“Was man eben­so ver­mei­den soll­te, sind fal­sche Ver­spre­chun­gen wie: „Ich ko­che je­den Frei­tag für euch“oder „Wenn ihr mich nehmt, dann ist der Bier­kas­ten im­mer ge­füllt“. Dar­an müs­se sich der neue Be­woh­ner spä­ter hal­ten. Das gel­te auch für Staub­sau­ger, Kaf­fee­ma­schi­ne und Co., die man beim Ein­zug in Aus­sicht stellt.

Miet­ver­trag hin­ter­fra­gen: „Emp­feh­lens­wert ist, sich nach der Form des Miet­ver­tra­ges zu er­kun­di­gen“, sagt Claus O. Dee­se, Ge­schäfts­füh­rer des Mie­ter­schutz­bun­des. Er kennt aus der Pra­xis drei Va­ri­an­ten bei stu­den­ti­schen Wohn­ge­mein­schaf­ten: Bei der ers­ten gibt es ei­nen Stu­den­ten als Haupt­mie­ter, der die frei­en Zim­mer in sei­ner Woh­nung un­ter­ver­mie­tet. Es gel­ten zwar die glei­chen Rech­te wie bei ei­nem Ver­trag mit dem Ei­gen­tü­mer. „Nur kann der Haupt­mie­ter in Be­zug auf sei­ne Un­ter­mie­ter an­de­re Re­ge­lun­gen auf­stel­len“, er­klärt er. Et­wa auch, was die Hö­he der Mie­te an­be­langt.

Bes­ser sei, wenn die Stu­den­ten die Woh­nung ge­mein­sam vom Ei­gen­tü­mer mie­ten. „Falls je­mand die Woh­nung ver­lässt, kön­nen die Üb­ri­gen ei­gen­stän­dig je­mand Neu­es su­chen, oh­ne das sich am Haupt­miet­ver­trag et­was än­dert“, er­klärt Dee­se. Der Nach­teil: Die Be­woh­ner haf­ten für Miet­aus­fäl­le der an­de­ren. Dies pas­siert nicht, wenn in der WG je­der ei­nen Ver­trag mit dem Ver­mie­ter ab­schließt und so nur für die ei­ge­ne Mie­te ver­ant­wort­lich ist. Lei­der feh­len dann oft­mals ge­naue Re­ge­lun­gen für die Ge­mein­schafts­räu­me.

Wenn es nicht klappt: Die Be­woh­ner wer­den sich meh­re­re Be­wer­ber an­schau­en. Ei­ne Zu- oder Ab­sa­ge kommt da­her erst ein paar Ta­ge nach dem Ter­min. Falls es nicht klappt: „Das liegt oft nicht an ei­nem sel­ber, son­dern dar­an, dass sich so vie­le auf das Zim­mer be­wer­ben“, sagt Ja­na Tho­mas. „10 Cas­tings wer­den mit Si­cher­heit nö­tig sein. Manch­mal auch 20.“Wer Al­ter­na­ti­ven sucht, kann ein Woh­nungs­ge­such auf­ge­ben. „Hier ha­ben Stu­den­ten mehr Er­folg, als man denkt“, be­tont sie.

soll­ten Stu­die­ren­de man­che Fo­to: Mo­ni­que Wüs­ten­ha­gen/dpa-tmn

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