Wie war der letz­te Ur­laub vor der Schul­zeit?

Wenn die Klei­nen grö­ßer wer­den, wird den El­tern das Al­tern be­wusst

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie - Lie­ber Da­ni­el,

Kind 1 wird in die­sen Ta­gen ein­ge­schult. Mög­li­cher­wei­se bin ich in die­sem Mo­ment, da die Le­ser die­se Zei­len über­flie­gen, in Mut­tiRüh­rungs­trä­nen auf­ge­löst …

Den letz­ten Ur­laub vor dem so oft pro­kla­mier­ten Ernst des Le­bens ha­ben wir da­her ge­nutzt, mög­lichst viel Zeit ge­mein­sam zu ver­brin­gen. Be­zie­hungs­wei­se: Wir ha­ben es ver­sucht. Denn na­tür­lich ver­lief mal wie­der al­les an­ders, als ich es mir vor­her aus­ge­malt hat­te. Ge­zel­tet ha­ben wir nicht, ob­wohl es fest auf dem Plan stand.

Aber ir­gend­wie war die­ser Som­mer we­ni­ger Som­mer als ge­dacht. Und auch un­ser Zelt re­agier­te mit Weh­kla­gen auf die Re­gen­mas­sen im Ju­li. Wir hät­ten zwar U-Boot im Gar­ten spie­len kön­nen, aber da – Plan­än­de­rungs­grund Num­mer 2 – auch noch ei­ne fie­se Bron­chi­tis uns al­le der Rei­he nach au­ßer Ge­fecht setz­te, blie­ben wir brav in den ei­ge­nen Bet­ten.

Glück­li­cher­wei­se er­wisch­te es mich weit­aus dol­ler als die Kin­der, die spä­ter noch zu­sam­men mit Cou­sins und Cou­si­nen glück­lich in die stür­mi­sche Ost­see sprin­gen konn­ten und auf sehr ge­dul­di­gen Po­nys über Wei­den ga­lop­pier­ten, wäh­rend ich Sal­bei-Bon­bons lutsch­te.

Egal, jetzt geht sie los, die Schu­le. Wir El­tern sind sehr auf­ge­regt! Ha­ben den Schul­weg ge­übt, Bü­cher ge­kauft, Schul­ma­te­ria­li­en mit dem Na­men des Kin­des ver­se­hen. Kind 1 hat bei all dem mit­ge­macht – und wirk­te plötz­lich so er­wach­sen. Da­bei war es eben doch noch so hilf­los und klein!

Ein Bei­spiel: Wie durch ein Wun­der ha­ben wir sehr kurz­fris­tig doch noch ei­nen Hort­platz er­hal­ten. Dort durf­te es sich schon die ver­gan­ge­nen Ta­ge ein­ge­wöh­nen. Mein Mann brach­te es hin, hat­te Be­den­ken, dass un­ser klei­nes, schüch­ter­nes Kind ihn gar nicht ge­hen lässt. Und das Kind? Das sag­te nach we­ni­gen Mi­nu­ten

„Jetzt kannst du aber wirk­lich ge­hen, Pa­pa!“Mein Mann wuss­te in dem Mo­ment gar nicht, ob er sich freu­en soll (was er dann ge­tan hat) oder trau­rig sein soll (was er auch et­was war).

Es ist pa­ra­dox: Al­le sa­gen ei­nem, dass Kin­der so schnell groß wer­den. Doch als Kind 1, die­ses nur 2500 Gramm leich­te Würm­chen, 2011 in mei­nen Ar­men lag, war gar nicht dar­an zu den­ken, dass es ir­gend­wann übers Zim­mer­auf­räu­men mit uns dis­ku­tiert, ge­schwei­ge denn zur Schu­le geht.

Das wirk­te da­mals so abs­trakt wie all die­se Din­ge, die im Lau­fe der Zeit plötz­lich Rea­li­tät wer­den. Auf ein­mal kön­nen sie lau­fen, auf Toi­let­te ge­hen, las­sen sich nicht mehr sa­gen, was sie an­zie­hen sol­len, su­chen sich ih­re ei­ge­nen

Freun­de, wer­den flüg­ge. Selbst Kind 2, eben noch so klein, ent­wi­ckelt sich in ge­fühl­ter Licht­ge­schwin­dig­keit. Na­tür­lich weiß ich das, fin­de es auch gut – und bin trotz­dem et­was me­lan­cho­lisch. Denn je äl­ter sie wer­den, des­to äl­ter wer­de ich auch.

Es ist tat­säch­lich so, wie es Wil­helm Busch – der noch nicht ein­mal Va­ter war – so tref­fend for­mu­lier­te: „Eins­zweidrei, im Sau­se­schritt! Läuft die Zeit; wir lau­fen mit.“Dass wir El­tern da­bei manch­mal aus der Pus­te kom­men, hät­te ich je­doch nicht ge­dacht.

Dei­ne Co­rin­na

PS: Wer­den Dei­ne Kin­der ex­tra ge­för­dert? Spre­chen Sie gar schon Chi­ne­sisch?

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