Die Lie­ben zur Schne­cke

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie - Von Clau­dia La­bu­de-Ge­ri­cke

Der ak­tu­el­le Re­gen-Som­mer hat sie her­vor­ge­bracht – Nackt­schne­cken, so weit das Au­ge reicht. Und ob­wohl die beim Schön­heits­wett­be­werb der Tier­welt ja nun wirk­lich nicht auf dem Trepp­chen lan­den, bleibt die Räu­ber­toch­ter ak­tu­ell bei je­dem Ex­em­plar ste­hen und lässt dem glub­schi­gen Krie­cher aus­rei­chend Be­wun­de­rung zu­kom­men.

Das hat aber nichts mit ei­ner früh­kind­li­chen Lei­den­schaft für Bio­lo­gie zu tun, son­dern mit ei­nem Mei­len­stein im Le­ben der Lüt­ten: Seit die­ser Wo­che ist sie näm­lich kein Krip­pen-, son­dern ein Kin­der­gar­ten­kind – in der Schne­cken­grup­pe. Klar, dass die Na­mens­ge­ber auf Wie­se oder As­phalt so be­han­delt wer­den, als wä­ren sie lang­jäh­ri­ge Ki­ta-Freun­de. Und noch et­was ist in die­sen Ta­gen auf­fäl­lig: dass der Grup­pen­wech­sel der Lüt­ten weit we­ni­ger aus­macht als mir. Für mein Ma­maHerz ist die­ser ers­te Wech­sel ein­fach viel zu ab­rupt. Vor mitt­ler­wei­le und für mich un­fass­bar schnell ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ha­ben wir ein Ba­by mit Gr­und­aus­stat­tung – Es­sen, Sit­zen, biss­chen Plap­pern, aber noch nicht rich­tig Lau­fen – an der Krip­pen­tür ab­ge­ge­ben. In 24 Mo­na­ten hat es das Er­zie­her-Team ge­schafft, dar­aus ein rich­ti­ges Per­sön­chen zu bas­teln, das sich selbst an­zieht, ins Bad geht, beim Tisch­de­cken hilft, rennt, klet­tert, so­zi­al agiert und sich kom­plett ar­ti­ku­lie­ren kann. Letz­te­res so­gar so gut, dass es uns manch­mal ans Li­mit un­se­rer Ar­gu­men­ta­ti­ons­ket­ten führt.

Die Wahl, ob und wie man das ei­ge­ne Kind be­treu­en lässt, kann ja glück­li­cher­wei­se je­der El­tern­teil selbst tref­fen. Ich bin nach den bis­he­ri­gen Er­leb­nis­sen aber voll des Lo­bes für die Ar­beit, die Er­zie­her in Ki­tas leis­ten. Und das nicht erst, seit­dem ich kürz­lich ei­nen Re­gen­tag lang mit dem kran­ken Kind zu Hau­se war und mehr als acht St­un­den lang ein Be­schäf­ti­gungs­an­ge­bot vor­hielt wie ein Kreuz­fahrt-Ani­ma­teur.

Fix und al­le lag ich abends auf der Couch und ahn­te ein­mal mehr, wie an­spruchs­voll der Job ist, der bei der Kin­der­be­treu­ung von vie­len tag­ein, tag­aus ge­leis­tet wird. Des­halb wer­de ich den Er­zie­hern, die wir jetzt beim Grup­pen­wech­sel ver­las­sen, ewig dank­bar sein. Die un­te­ren Spros­sen der Le­bens­lei­ter un­se­rer Räu­ber­toch­ter wä­ren oh­ne sie si­cher nicht ganz so sta­bil.

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