Ris­se in Guss­roh­ren als Scha­den­sur­sa­che

Zwei schwe­re Gas­ex­plo­sio­nen in Os­na­brück – Stadt­wer­ke spre­chen von „sta­tis­ti­schem Zu­fall“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Von Joa­chim Dier­ks

Am 2. Ja­nu­ar 1997 ex­plo­dier­te aus­ge­ström­tes Gas in ei­nem Ein­fa­mi­li­en­haus am Hei­mat­weg im Stadt­teil Wi­du­kind­land. Durch den fol­gen­den Brand er­lit­ten die Be­woh­ner, ein äl­te­res Ehe­paar, Brand­ver­let­zun­gen zwei­ten Gra­des. Die bei­den hat­ten ge­müt­lich beim Früh­stück ge­ses­sen. Der Mann steck­te sich ei­ne Zi­ga­ret­te an – da­durch zün­de­te das Gas-Luft-Ge­misch im Haus.

Die Un­ter­su­chung er­gab, dass bei dem herr­schen­den star­ken Frost die Haupt­gas­lei­tung un­ter der Stra­ße, ein Guss­rohr von 15 Zen­ti­me­ter Durch­mes­ser, auf­ge­ris­sen war. Ei­ni­ge Ta­ge lang trat un­be­merkt Gas aus, nicht ge­nug, um durch den Druck­ab­fall in der Ver­sor­gungs­zen­tra­le der Stadt­wer­ke auf­ge­fal­len zu sein. Das Gas hat­te sich un­ter der ge­fro­re­nen Er­de ei­nen Weg bis in das Haus ge­sucht. Das Haus aus dem Jahr 1919 war nicht un­ter­kel­lert. Durch ei­ne Schot­ter­schicht und den Holz­fuß­bo­den drang das Gas ins Erd­ge­schoss ein.

Die Stadt­wer­ke wie­sen dar­auf hin, dass die Be­woh­ner ei­gent­lich schon län­ger den Ge­ruch der an­stei­gen­den Gas­kon­zen­tra­ti­on hät­ten wahr­neh­men müs­sen. Dem an sich ge­ruch­lo­sen Gas wird Schwe­fel zu­ge­setzt.

Ein ähn­li­ches Un­glück er­eig­ne­te sich am 1. No­vem­ber 1997 in der Mel­ler Stra­ße. Ein 54-jäh­ri­ger Fri­seur­meis­ter wur­de durch die Wucht der Ex­plo­si­on mit­samt der Ein­gangs­tür und der Schau­fens­ter­schei­be auf die Stra­ße ge­schleu­dert, er­litt schwers­te Ver­bren­nun­gen, lag zwei Mo­na­te im Ko­ma und blieb In­va­li­de.

Wo­durch das Guss­rohr den Riss be­kom­men hat­te, konn­te auch in ei­nem Ge­richts­ver­fah­ren nicht mit letz­ter Si­cher­heit ge­klärt wer­den. Die Stadt­wer­ke spra­chen von ei­nem „sta­tis­ti­schen Zu­fall“, dass sich in­ner­halb ei­nes Jah­res zwei so schwe­re Gas­ex­plo­sio­nen er­eig­ne­ten. Mitt­ler­wei­le sind al­le Guss­roh­re aus den 50er­und 60er-Jah­ren durch elas­ti­sche Kunst­stoff­roh­re er­setzt. Zer­stört:

Der Fri­seur­sa­lon an der Mel­ler Stra­ße nach der Gas­ex­plo­si­on. Fo­to: Archiv/Micha­el Heh­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.