Je­si­den er­in­nern an ver­schlepp­te Frau­en

Drei Jah­re nach IS-Mas­sa­ker – De­mons­tran­ten wer­fen Tür­kei Mit­ver­ant­wor­tung vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Joa­chim Gö­res

„Wir ha­ben die ver­schlepp­ten Frau­en nicht ver­ges­sen“, steht in gro­ßen Buch­sta­ben auf ei­nem Trans­pa­rent, das ganz in Weiß ge­klei­de­te Frau­en an der Spit­ze ei­nes De­mons­tra­ti­ons­zu­ges vor sich her­tra­gen. Am Sams­tag er­in­ner­ten rund 400 Men­schen in Celle an den drit­ten Jah­res­tag des Mas­sa­kers an der re­li­giö­sen Min­der­heit der Je­si­den durch ISTer­ror­mi­li­zen. Da­mals wur­den mehr als 1000 Je­si­den in der nord­ira­ki­schen Berg­re­gi­on Sin­jar ge­tö­tet und Tau­sen­de ver­schleppt. Mehr als 3000 je­si­di­sche Frau­en und Mäd­chen wer­den nach wie vor in der Hand des IS ver­mu­tet.

Red­ner in Celle ver­lang­ten die so­for­ti­ge Frei­las­sung der ver­schlepp­ten Frau­en und Kin­der so­wie die Ver­fol­gung der Tä­ter und auch der Staa­ten, die den IS un­ter­stützt ha­ben. „Die Tür­kei hat da­mals ihr Mi­li­tär be­wusst zu­rück­ge­zo­gen“, so der Vor­wurf des tür­ki­schen HDP-Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten Ali Atalan. Für Ley­la Boran vom je­si­di­schen Frau­en­ver­band TATE wur­den in Sin­jar ge­zielt Frau­en und Mäd­chen an­ge­grif­fen, um die je­si­di­sche Glau­bens­ge­mein­schaft zu zer­stö­ren. Sie for­der­te, den 3. Au­gust 2014 als den Tag des Ge­no­zids an den Je­si­den an­zu­er­ken­nen.

Yil­maz Ta­rak, Pres­se­spre­cher des Bünd­nis­ses der Je­si­di­schen Ju­gend, lenkt den Blick auf die mehr als 100000 Je­si­den, die da­mals aus dem völ­lig zer­stör­ten Sin­jar ge­flo­hen sind, da­von rund 50 000 nach Deutsch­land: „Sie freu­en sich, dass sie hier in Si­cher­heit sind, doch vie­le sind im­mer noch trau­ma­ti­siert und le­ben sehr zu­rück­ge­zo­gen.“Vie­le Ge­flüch­te­te be­fürch­te­ten Nach­tei­le für noch in der Hei­mat le­ben­de Ver­wand­te, wenn sie sich in Deutsch­land frei äu­ßern wür­den.

Je­si­den sind mehr­heit­lich Kur­den und ge­hö­ren ei­ner der äl­tes­ten mo­no­the­is­ti­schen Re­li­gio­nen an. In ih­ren Her­kunfts­ge­bie­ten, dem Irak, der Tür­kei, Sy­ri­en und dem Iran, sind sie im­mer wie­der Ver­fol­gun­gen aus­ge­setzt ge­we­sen, da ih­re Re­li­gi­on vom Is­lam nicht an­er­kannt wird. Welt­weit wird die Zahl der Je­si­den auf bis zu ei­ne Mil­li­on ge­schätzt, da­von le­ben rund 150 000 in Deutsch­land. Zu den Hoch­bur­gen zäh­len die Re­gio­nen Celle, Hannover,

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.