Schat­ten der Ver­gan­gen­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - M.jo­nas@noz.de

Der Mann löst Zwie­spalt aus und setzt die Glaub­wür­dig­keit der Leicht­ath­le­tik aufs Spiel. Sel­ten ist ein Welt­meis­ter so nie­der­ge­macht wor­den, so schlecht be­han­delt wor­den wie Jus­tin Gat­lin. Hat er das ver­dient? Ja. Je­der muss ei­ne zwei­te Chan­ce be­kom­men, lau­tet die all­ge­mei­ne Sprach­re­ge­lung. Bei dem 35-Jäh­ri­gen ist es schon die drit­te. Ei­ne zu viel.

Die Ab­nei­gung ge­gen den Ame­ri­ka­ner spie­gelt nicht nur die An­ti­pa­thie ge­gen ei­nen Sport­ler wi­der, son­dern wirft ei­nen Schat­ten auf die ge­sam­te Leicht­ath­le­tik. Für die Öf­fent­lich­keit hat der Fal­sche ge­won­nen. Hät­te Bolt sei­nen zwölf­ten WM-Ti­tel er­run­gen, wä­re Gat­lin nur ei­ne Rand­no­tiz ge­we­sen. So aber ist der Aus­gang des 100-Me­ter-Fi­na­les Von Micha­el Jo­nas

ein De­sas­ter für die Sport­welt. Die Wun­den der Ver­gan­gen­heit, die schon ge­schlos­sen schie­nen, sind auf ein­mal wie­der auf­ge­bro­chen. Dass da­mals ei­ne an­de­re, kor­rup­te Füh­rung den Welt­ver­band lei­te­te, spielt kei­ne Rol­le. Die Ge­gen­wart bringt das Ver­häng­nis wie­der zum Vor­schein. Ei­nes der schwär­zes­ten Ka­pi­tel der Leicht­ath­le­tik hat an Ak­tua­li­tät ge­won­nen.

Zwei­mal ist Gat­lin über­führt wor­den. Er hät­te im Sprint kei­ne Rol­le mehr spie­len dür­fen. Dass er jetzt den Lieb­ling vom Thron ge­sto­ßen hat, ist ei­ne Sa­che. Der Fies­ling war eben schnel­ler. Ein Wen­de­punkt zu mehr Ge­rech­tig­keit war das Er­geb­nis nicht. Das Pu­bli­kum hat ein fei­nes Ge­spür für Fair­ness. Und die wur­de dem Aus­gang des Show­downs über 100 Me­ter vor dem Hin­ter­grund nicht ge­recht, dass der IAAF mit Nach­bes­se­run­gen sei­nen Ruf auf­po­lie­ren will.

Erst­mals wer­den nach­träg­lich Me­dail­len an Ath­le­ten ver­lie­hen, de­ren Kon­kur­ren­ten bei Nach­tests er­wischt wor­den wa­ren. Die­ses Si­gnal für die neue Ent­schie­den­heit des Welt­ver­ban­des im Do­ping­kampf hat auf dras­ti­sche Wei­se ei­nen Ma­kel be­kom­men. Wer zwei­mal be­tro­gen hat, dem glaubt man nicht. Das Di­lem­ma ist nicht aus der Welt.

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