Stars für ei­ne Nacht

Nie­der­län­de­rin­nen fei­ern EM-Ti­tel nach 4:2-Sieg ge­gen Dä­ne­mark

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Su­san­ne Fet­ter

Gast­ge­ber Nie­der­lan­de ist Eu­ro­pa­meis­ter. Die Fuß­bal­le­rin­nen ha­ben sich im Fi­na­le in Enschede mit 4:2 (2:2) ge­gen Dä­ne­mark durch­ge­setzt. Bei ih­rem Tri­umph­zug zum ers­ten EM-Ti­tel ha­ben sie im ei­ge­nen Land viel Eu­pho­rie ent­facht.

ENSCHEDE. Sie ging mal wie­der vor­aus. Sha­nice van de San­den, die ex­tro­ver­tier­te Flü­gel­flit­ze­rin, führ­te die Po­lo­nai­se zur Fan­kur­ve an. Die Frau mit den kur­zen Haa­ren und den ro­ten Lip­pen kennt in den Nie­der­lan­den der­zeit fast je­des Kind. Das gilt auch für ih­re Mit­spie­le­rin­nen wie Vi­via­ne Mie­de­ma oder Ja­ckie Gro­enen, die Arm in Arm mit van de San­den durch das Sta­di­on in Enschede hüpf­te.

Die Eu­pho­rie, die Er­war­tungs­hal­tung, die mit je­dem Sieg im­mer grö­ßer wur­de, das al­les er­drück­te sie nicht, son­dern be­flü­gel­te die Spie­le­rin­nen von Trai­ne­rin Sa­ri­na Wieg­man. Die klei­ne blon­de Frau hat sie zu ei­nem star­ken Team ge­formt, dem auch ein Rück­schlag nichts an­ha­ben konn­te.

In der 6. Mi­nu­te brach­te Na­dia Na­dim Dä­ne­mark mit ei­nem Foul­elf­me­ter in Füh­rung, doch die Nie­der­län­de­rin­nen kon­ter­ten schnell. Van de San­den flank­te (10.) zu Mie­de­ma – 1:1. Das Fi­na­le war at­trak­ti­ver An­griffs­fuß­ball. Lie­ke Mar­tens (28.) brach­te die Gast­ge­be­rin­nen in Füh­rung, Per­nil­le Har­der glich noch vor der Pau­se (33.) aus. Per Frei­stoß sorg­te She­ri­da Spitse für die Vor­ent­schei­dung (51.), weil Dä­ne­marks Maja Kil­de­moes in die Hö­he sprang. In der 89. Mi­nu­te mach­te Mie­de­ma mit dem 4:2 dann den Sieg per­fekt.

Schon vor­her hat­ten die Fans die Fuß­bal­le­rin­nen mit um­ge­dich­te­ten Gas­sen­hau­ern ge­fei­ert. Mit 28 182 Be­su­chern war das Sta­di­on aus­ver­kauft. Die Nie­der­län­de­rin­nen zo­gen ih­re Lands­leu­te in die Sta­di­en, al­le ih­re Spie­le wa­ren aus­ver­kauft. Der neue Re­kord, den die UE­FA ver­kün­de­te, kam aber nur durch die Auf­sto­ckung auf 16 Teams zu­stan­de. Im Schnitt wa­ren 1000 Be­su­cher pro Par­tie we­ni­ger im Sta­di­on als bei der EM 2013 in Schwe­den. Da­für ver­buch­ten die TV-An­stal­ten star­ke Quo­ten. Auch in Deutsch­land, wo vie­le auf ei­nen er­neu­ten Fi­nal­ein­zug des Se­ri­en­sie­gers ge­hofft hat­ten. 7100 Kar­ten wa­ren nach An­ga­ben des nie­der­län­di­schen Ver­ban­des für das End­spiel früh­zei­tig von deut­schen Fans ge­kauft wor­den.

„Es ist gut für den Frau­en­fuß­ball, dass es ei­nen neu­en Eu­ro­pa­meis­ter gibt“, sag­te Er­folgs­trai­ne­rin Wieg­man. Mit nas­sen Haa­ren saß sie auf dem Po­dest, den Ho­sen­an­zug hat­te sie ge­gen Trai­nings­klei­dung ge­tauscht. Auf dem Weg in die Pres­se­kon­fe­renz dürf­te sie den ein oder an­de­ren Cham­pa­gner-Trop­fen ab­be­kom­men ha­ben. Sie lä­chel­te den­noch, und im­mer wie­der husch­te auch die ein oder an­de­re Trä­ne in ih­re Au­gen. Die 47-Jäh­ri­ge war sicht­lich be­wegt, als sie über den Weg ih­res Teams zu die­sem Ti­tel sprach.

„Wir ha­ben im­mer wie­der ge­sagt, es ist okay, wenn wir ver­lie­ren, aber wir müs­sen un­ser Bes­tes ge­ben“, er­klär­te sie, wie sie den Druck von ih­rem Team nahm, das der dä­ni­sche Trai­ner Nils Niel­sen als „das bes­te des Tur­niers“be­zeich­ne­te.

Wieg­man hofft, dass dies nicht das En­de ei­ner Ent­wick­lung war, die der nie­der­län­di­sche Ver­band 2017 mit der Grün­dung der Frau­en­E­re­di­vi­sie ein­läu­te­te. Sechs Mann­schaf­ten um­fass­te die­se – al­le an­ge­schlos­sen an ei­nen Män­ner­club, von des­sen In­fra­struk­tur sie pro­fi­tier­ten.

Geht es nach der nie­der­län­di­schen Trai­ne­rin, soll die Ent­wick­lung wei­ter­ge­hen. Sie nutz­te den Mo­ment des Tri­um­phes für ein Plä­doy­er. Die Kurz­fas­sung: Mehr Mi­xed-Teams in der Ju­gend bringt Jun­gen und Mäd­chen vor­an. Da­zu sol­len mehr Frau­en zu Trai­ne­rin­nen aus­ge­bil­det wer­den. „Wir dür­fen nicht so de­mü­tig sein“, rief sie ih­re Kol­le­gin­nen zu mehr Selbst­be­wusst­sein auf.

Drau­ßen fei­er­ten in die­sem Mo­ment ih­re Spie­le­rin­nen mit den Fans, die noch lan­ge nach Spiel­schluss aus­harr­ten. Weil Wieg­man weiß, wie schnell die­se Eu­pho­rie ver­flie­gen kann, sag­te die 104-fa­che Na­tio­nal­spie­le­rin noch vor dem Fi­na­le: „Wir sind kei­ne Stars.“Am Sonn­tag­abend wa­ren sie es doch.

Im Ju­bel­rausch: die Nie­der­län­de­rin­nen nach der Sie­ger­eh­rung. Fo­to: AFP

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