Kei­ne Stra­fe für Be­trei­ber von Abo­fal­len

Ver­fah­ren ge­gen Tank ein­ge­stellt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Wil­fried Hin­richs

Das Land­ge­richt Lands­hut hat das Straf­ver­fah­ren ge­gen den frü­he­ren Osnabrücker An­walt Olaf Tank ein­ge­stellt. Er stand im Ver­dacht, in das zwei­fel­haf­te Ge­schäft mit In­ter­net-Abo­fal­len ver­strickt ge­we­sen zu sein.

Die mög­li­che Schuld des An­ge­klag­ten er­schei­ne nach Durch­füh­rung ei­ner län­ge­ren Haupt­ver­hand­lung und un­ter Be­rück­sich­ti­gung um­fang­rei­cher Na­cher­mitt­lun­gen ge­ring, heißt es im Be­schluss der 3. Straf­kam­mer des Land­ge­richts Lands­hut. Ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se an ei­ner Straf­ver­fol­gung be­ste­he nicht mehr. Das Ver­fah­ren wer­de da­her mit Zu­stim­mung der Staats­an­walt­schaft und des An­ge­klag­ten ein­ge­stellt. Die Kos­ten des Ver­fah­rens und die Aus­la­gen des An­ge­klag­ten trägt die Staats­kas­se.

Vor dem Land­ge­richt Lands­hut hat­ten sich drei Be­trei­ber von zwei­fel­haf­ten In­ter­net­sei­ten und ihr Geld­ein­trei­ber Tank we­gen Be­tru­ges oder Bei­hil­fe zum Be­trug ver­ant­wor­ten müs­sen.

Auch die Ver­fah­ren ge­gen die Sei­ten­be­trei­ber wur­den in­zwi­schen ein­ge­stellt. Die An­ge­klag­ten hat­ten die Vor­wür­fe stets zu­rück­ge­wie­sen. Olaf Tank gab zu Pro­to­koll, kei­nen Ein­fluss auf die Gestal­tung der In­ter­net­sei­ten ge­habt zu ha­ben. Sein Job sei al­lein das In­kas­so ge­we­sen. Er be­rief sich auch auf ein Ur­teil ei­ner Zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts Os­na­brück, die 2013 die In­kas­so­schrei­ben und den Be­trieb der Sei­ten als rech­tens be­wer­tet hat­te. Die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens nahm Tank zuf­rie­den zur Kennt­nis, kom­men­tie­ren woll­te er den Be­schluss auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on nicht.

Die Ta­ten, die dem Quar­tett vor­ge­wor­fen wur­den, ent­stam­men ei­nem frü­he­ren In­ter­net­zeit­al­ter. Mit In­ter­net­sei­ten wie „open­down­load.de“oder „soft­ware­samm­ler.de“kö­der­ten die Be­trei­ber 2008 bis 2010 un­auf­merk­sa­me User, die kos­ten­lo­se Com­pu­ter­pro­gram­me her­un­ter­la­den woll­ten. Mit der An­ga­be der per­sön­li­chen Da­ten schlos­sen die Nut­zer ein Zwei­jah­res-Abon­ne­ment zum Preis von 96 Eu­ro ab. Der Nut­zen für die Abon­nen­ten war gleich null, denn die dort an­ge­bo­te­nen Pro­gram­me wa­ren oh­ne­hin kos­ten­frei im In­ter­net er­hält­lich. Das Lands­hu­ter Ge­richt sah es nicht als er­wie­sen an, dass die Be­trei­ber die Nut­zer ge­zielt in die Ir­re ge­führt und den Kos­ten­hin­weis auf un­lau­te­re Wei­se ver­steckt hat­ten.

Olaf Tank ver­schick­te mil­lio­nen­fach Mahn­schrei­ben an die an­geb­li­chen Abon­nen­ten. Tau­sen­de wur­den da­durch so ein­ge­schüch­tert, dass sie die Abo- und An­walts­ge­büh­ren von 135 Eu­ro zahl­ten. In bes­ten Zei­ten be­schäf­tig­te Tank nach ei­ge­nen An­ga­ben bis zu 80 Mit­ar­bei­ter in sei­ner Osnabrücker Kanz­lei in Hel­lern zum Ver­schi­cken der Mah­nun­gen. In der An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft Lands­hut war von 1,6 Mil­lio­nen Mahn­schrei­ben die Re­de. 25800 Emp­fän­ger zahl­ten dem­nach je­weils die ge­for­der­ten 135 Eu­ro und spül­ten 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro auf die Kon­ten der Ab­zo­cker.

Ganz aus dem Schnei­der sind die Sei­ten­be­trei­ber und ihr frü­he­rer An­walt noch nicht. Das Land­ge­richt Darm­stadt hat im April 2012 An­kla­ge ge­gen das Quar­tett zu­ge­las­sen. Seit­her ist nichts ge­sche­hen. An­de­re Ver­fah­ren hat­ten Prio­ri­tät. Wann das Haupt­ver­fah­ren er­öff­net wird, ist völ­lig un­ge­wiss: „Es gibt kei­ne neu­en Ent­wick­lun­gen“, teil­te der Ge­richts­spre­cher auf An­fra­ge mit.

Teu­res An­ge­bot: Mit Sei­ten wie die­ser wur­de In­ter­net­nut­zern das Geld aus der Ta­sche ge­zo­gen. Ar­chiv­fo­to: Klaus Lin­de­mann

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