Ge­heim­tipps und Flops beim Stra­ßen­mu­sik­fes­ti­val

Gol­de­ne Sä­ge 2017 im Haus der Ju­gend ver­ge­ben: For­ma­ti­on To­tal De­s­troy ge­winnt Wett­be­werb mit Akus­tik­punk

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Ste­fan Buch­holz

Beim Mu­si­kevent „Die Gol­de­ne Sä­ge 2017“wur­den am Sams­tag­abend im Haus der Ju­gend die Prei­se ver­ge­ben. Sechs Mu­si­ker und Grup­pen hat­te ei­ne zehn­köp­fi­ge Ju­ry bei ih­ren Stra­ßen­kon­zer­ten in der In­nen­stadt un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

Am Abend prä­sen­tier­ten sich die Preis­trä­ger noch mal mit ei­ner mu­si­ka­li­schen Per­for­mance. Schräg, bes­ser: un­ge­bän­digt, wie Stra­ßen­mu­sik eben mal sein kann, war dies­mal er­neut die Be­nen­nung der Prei­se.

So be­kam et­wa Car­la Mü­cke ali­as Hulaf­lu­te den Turn­va­ter-Jahn-Ge­dächt­nis­preis zu­ge­spro­chen. Ei­gent­lich sei dies der Krea­tiv­preis ge­we­sen, doch die Ju­ry fir­mier­te Prei­se aus dem Bauch her­aus um. War­um der Rück­griff auf Jahn? Weil es die 15-jäh­ri­ge Car­la Mü­cke ver­stand, die Rich­ter in Sa­chen Mul­ti­tas­king zu über­zeu­gen: Sie spiel­te Qu­er­flö­te und schwang gleich­zei­tig ei­nen Hu­laHo­op-Rei­fen um ih­re Hüf­ten.

Zwei­fach ver­ge­ben wur­de der En­sem­ble­preis. Ihn staub­ten bei­spiels­wei­se Sky Pi­lot aus Hamm ab. Der arg be­lang­los ge­ra­te­ne Auf­tritt auf der Abend­büh­ne ließ Zeit, dar­über zu spe­ku­lie­ren, was die Ju­ry von der Grup­pe tags­über in der Ci­ty wohl ge­hört hat­te.

Et­wa auch je­ne un­ter­ir­disch schlech­te Co­ver­ver­si­on des 94er-Cr­an­ber­ries-Hits „Zom­bie“? Bes­ser wur­de es dann mit selbst ge­schrie­be­nem, gleich­wohl pa­tho­s­las­ti­gem Folk­pop, wo­bei rät­sel­haft blieb, war­um Sän­ger Ralf Leis­mann sei­ne Stim­me nicht mehr schult, statt ihr mehr als nur ein schlich­tes Jel­lo-Biaf­ra-Imi­tat zu­traut?

Der zwei­te En­sem­ble­preis ging an Manns­wild aus dem süd­hes­si­schen Mo­dau­tal. Mit viel Hu­mor brach­ten sie ih­re bei­spiels­wei­se mit Tu­ba und Ak­kor­de­on un­ter­leg­te Mu­sik, zum Bes­ten. Zum Schluss von ih­nen so­gar ein Oh­ren­schmeich­ler auf Os­na­brück, den das Quin­tett zur ak­tu­el­len „De­spa­si­to“-Me­lo­die von En­ri­que Igle­si­as ge­konnt spiel­te.

Meint der Preis „Die Gol­de­ne Sä­ge“, dass da­mit auch schrä­ge Dar­bie­tun­gen ei­nen Hauch von Be­ach­tung fin­den, dann lag die Ju­ry mit der Ver­ga­be an To­tal De­s­troy gold­rich­tig. Das Duo hat­te sie mit Wasch­brett, Löf­feln und Kon­zert­gi­tar­re über­zeugt. Dar­ge­bo­ten wur­de Selbst­ver­fass­tes in der Stil­rich­tung Akus­tik­punk mit rot­zig wir­ken wol­len­der At­ti­tü­de.

Der Duo­preis ging an Ta­li­an, den Noch-Ge­heim­tipp aus dem Ruhr­pott. Vic­tor Lou­renço und Gi­ulio Fe­lis sorg­ten mit ei­nem Wohl­fühl­mix aus Soul, Jazz und Sam­ba und wech­seln­den In­stru­men­ten für ei­ne be­ein­dru­cken­de Büh­nen­per­for­mance. Hö­ren wird man hof­fent­lich mehr in Bäl­de von Ca­ro, Kis­te Kon­tra­bass. Das Trio aus Kas­sel be­kam den – erst­mals seit Lan­gem wie­der ver­ge­be­nen – 1. Preis. Wo­für? Et­wa für kri­tisch-ori­gi­nel­le Text­pas­sa­gen zum Li­fe­style- Ka­pi­ta­lis­mus wie: „Wenn Du con­tai­nerst, dann bring’ mir bit­te et­was mit“.

Auf ge­ho­be­nem Jo­ke-Ni­veau wa­ren auch Markus Rö­mer und Da­rin Grundorf. Die bei­den Mo­de­ra­to­ren ver­ga­ben die Prei­se mit wit­zi­gen Kom­men­ta­ren und lu­den zum Fi­na­le noch gut 25 Mu­si­ker des dies­jäh­ri­gen Stra­ßen­mu­si­k­er­fes­ti­vals auf die Büh­ne. Ge­mein­sam schmet­ter­ten sie mit dem Pu­bli­kum ei­nen Ol­die deut­schen Lied­gu­tes: „Die Ge­dan­ken sind frei“.

Ge­win­ner der Gol­de­nen Sä­ge 2017: die For­ma­ti­on To­tal De­s­troy. Das Duo spiel­te Akus­tik­punk und Selbst­ge­schrie­be­nes.

Fo­to: Ste­fan Buch­holz

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