Wei­de­tie­re könn­ten dar­an ster­ben

Be­stand des schö­nen, aber gif­ti­gen Ja­kob­s­kreuz­krauts in Lot­te rück­läu­fig

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Hübsch an­zu­se­hen ist das gelb blü­hen­de Ja­kob­s­kreuz­kraut al­le­mal. Doch man soll­te es im Zaum hal­ten, denn es ist gif­tig, auch im ge­trock­ne­ten Zu­stand: Wei­de­tie­re kön­nen dar­an ster­ben.

Von Ur­su­la Holt­grewe

Sinn­voll ist es, das Kraut vorm Blü­hen zu mä­hen oder mit den Wur­zeln zu ent­fer­nen. So ver­fährt die Ge­mein­de Lot­te, wenn ein grö­ße­rer Be­stand des hei­mi­schen Krau­tes ge­mel­det wird.

„Man­che Men­schen ver­wech­seln nach Be­richt­er­stat­tun­gen von Rie­sen­bä­ren­klau und Ja­kob­s­kreuz­kraut die Pflan­zen. Aber der Saft des Ja­kob­s­kreuz­krauts re­agiert nicht fo­to­to­xisch, wo­hin­ge­gen der Saft der Her­ku­les­stau­de un­ter Ein­wir­kung von UV-Licht auf der Haut zu Ver­bren­nun­gen führt“, er­klärt Lot­tes Um­welt­be­auf­trag­te Ur­su­la Wilm-Chem­nitz. Auch im Wuchs un­ter­schei­den sich bei­de Pflan­zen. Das gelb blü­hen­de hei­mi­sche Ja­kob­s­kreuz­kraut wird bis zu 1,40 Me­ter hoch, wäh­rend die ein­ge­wan­der­te Her­ku­les­stau­de mit den gro­ßen wei­ßen Blü­ten­dop­pel­dol­den lo­cker das Dop­pel­te schafft.

„Mei­ne Be­ob­ach­tung ist, dass das Vor­kom­men in Lot­te et­was ge­rin­ger ge­wor­den ist. Das liegt in die­sem Jahr mei­nes Erach­tens am recht tro­cke­nen Früh­jahr und an der Auf­merk­sam­keit der Bür­ger nach meh­re­ren Be­richt­er­stat­tun­gen“, er­zählt Ur­su­la Wilm-Chem­nitz.

Sie be­tont, dass die Pflan­ze durch­aus ih­ren öko­lo­gi­schen Wert hat, weil sie un­ter­schied­li­che In­sek­ten­ar­ten er­nährt. „Vor we­ni­gen Wo­chen noch sa­ßen zahl­rei­che oran­ge­gelb-schwarz ge­streif­te Rau­pen des Kar­min­bärs, ei­nes

Fal­ters, an den Pflan­zen. Sie wer­den durch ih­re Nah­rung, mit der sie die gif­ti­gen Pyr­ro­zi­li­di­nal­ka­lo­ide (PA) auf­neh­men, für an­de­re Tie­re un­ge­nieß­bar“, blickt die Fach­frau zu­rück.

In NRW aus­ge­brei­tet

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich das Ja­kob­s­kreuz­kraut in NRW be­acht­lich aus­ge­brei­tet – auch im Kreis St­ein­furt. Be­denk­lich wird es dann, wenn durch das mas­sen­haf­te Auf­tre­ten an­de­re Pflan­zen ver­drängt wer­den, ganz be­son­ders dann, wenn das Kraut auf Wei­de­flä­chen oder Fut­ter­gras­wie­sen steht.

Zwar las­sen Pfer­de das Ja­kob­s­kreuz­kraut auf Weiden

in der Re­gel ste­hen. Wird die Wie­se nicht ge­pflegt, kann es sich un­ge­hin­dert ver­meh­ren. Kü­he selbst sind zwar re­sis­tent ge­gen die gif­ti­gen In­halts­stof­fe. Aber in Milch sind sie be­reits nach­ge­wie­sen wor­den. We­ni­ger emp­find­lich sind Zie­gen und Scha­fe. Selbst wenn die Wei­de­flä­che frei ist von dem Kraut, kön­nen PA auf dem Um­weg über zu­ge­kauf­tes Wei­de­fut­ter, Si­la­ge oder Heu in den Tier­or­ga­nis­mus ge­lan­gen. Bei Pfer­den und Rin­dern kann das Kraut zu ernst­haf­ten Krank­hei­ten bis hin zum Tod füh­ren – als schlei­chen­de Ver­gif­tung, denn die Pyr­ro­zi­li­di­nal­ka­lo­ide la­gern sich in der Le­ber an.

Nach­ge­wie­sen wur­de das Gift be­reits in Kleinst­men­gen von Milch und deut­schem Ho­nig, in grö­ße­ren Kon­zen­tra­tio­nen fand es sich vor al­lem in Ho­nig­s­or­ten aus Süd­ame­ri­ka. Denn das Ja­kob­s­kreuz­kraut ge­deiht auch auf kar­gen Bö­den, so­dass sich Bie­nen in die­sen Re­gio­nen am vor­han­de­nen Nekt­ar der leuch­tend gel­ben Blü­ten be­die­nen. „Die Wer­te deut­scher Pro­duk­te stel­len aber noch kei­nen Grund zur Be­sorg­nis dar“, be­ru­higt Lot­tes Um­welt­be­auf­trag­te.

Auf Ge­mein­de­flä­chen in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu Wie­sen und Weiden wird der Ser­vice­be­trieb tä­tig. „Wenn uns ein der­ar­ti­ger Kreuz­kraut­be­stand

in rund 50 Me­tern Nä­he zu Weiden ge­mel­det wird, dann le­gen die Kol­le­gen vom Ser­vice­be­trieb Hand an und ent­fer­nen das Ja­kob­s­kreuz­kraut, da­mit der Wind die Sa­men nicht weg­tra­gen kann“, be­tont Ur­su­la Wilm-Chem­nitz. Zu­dem müs­se der Ort be­ob­ach­tet wer­den, denn Sa­men blei­ben vie­le Jah­re keim­fä­hig.

Ähn­lich­kei­ten

Dass nicht je­de Mel­dung ei­ne Ak­ti­on nach sich zieht, liegt an der Ähn­lich­keit man­cher gelb blü­hen­der Pflan­zen. Ähn­lich­keit zur Ka­na­di­schen Gold­ru­te und dem Rain­farn sind vor­han­den. Da lohnt min­des­tens ein wei­te­rer Blick, um Un­ter­schie­de her­aus­zu­fin­den und das Kreuz­kraut bei­spiels­wei­se ge­gen­über dem Rain­farn ge­nau zu iden­ti­fi­zie­ren.

„Das Ja­kob­s­kreuz­kraut ist zwei­jäh­rig. Im ers­ten Jahr bil­det sich ei­ne Blat­t­ro­set­te. Die Blät­ter sind lei­er­för­mig ge­fie­dert und er­in­nern ein we­nig an Ru­co­la. Die Blät­ter des Rain­farns da­ge­gen sind spitz und ge­fie­dert. Die Un­ter­schie­de sind ei­gent­lich leicht zu er­ken­nen“, sagt die Um­welt­be­auf­trag­te.

Wei­ter­hin er­in­ner­ten die Rain­farn­blü­ten an Knöp­fe, die des Ja­kob­s­kreuz­krauts äh­nel­ten mit den Körb­chen­blü­ten de­nen der Mar­ge­ri­te. Rain­farn soll­te man auf je­den Fall ste­hen las­sen, denn auf des­sen Blü­ten tum­melt sich ei­ne Viel­zahl von In­sek­ten. Und um die ist es hier­zu­lan­de gar nicht gut be­stellt.

„In den zu­rück­lie­gen­den 25 Jah­ren bis heu­te gibt es cir­ca 80 Pro­zent In­sek­ten we­ni­ger. Ich mei­ne, es rollt ein Rie­sen­pro­blem auf uns zu. Nicht nur die Ar­ten­viel­falt geht zu­rück, son­dern auch die Mas­se. Das ist teil­wei­se dra­ma­tisch“, be­tont Ur­su­la Wilm-Chem­nitz.

Wer lan­ge Au­to fährt, müss­te das nach­voll­zie­hen kön­nen, denn: „Es kle­ben im Som­mer längst nicht mehr so vie­le In­sek­ten an der Wind­schutz­schei­be wie frü­her.“Da­her ist Lot­tes Um­welt­be­auf­trag­te über­zeugt da­von, dass et­was zum Schutz der Ar­ten­viel­falt von In­sek­ten ge­tan wer­den müs­se. Das kann im Som­mer recht ein­fach in hei­mi­schen Gär­ten oder auf Bal­ko­nen ge­sche­hen, bei­spiels­wei­se mit blü­hen­den Pflan­zen oder In­sek­ten­ho­tels.

Bil­der­ga­le­rie zum Ar­ti­kel und wei­te­re Be­rich­te aus Lot­te im Ort­spor­tal un­ter www.noz.de/lot­te

Am Wer­sener Bahn­damm hat Ur­su­la Wilm-Chem­nitz das ge­nüg­sa­me Ja­kob­s­kreuz­kraut ent­deckt. Fo­tos: Ur­su­la Holt­grewe

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.