Sein ei­ge­ner Li­fe­style

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - S.lued­de­mann@noz.de

Pi­cas­so ist kein Künst­ler, Pi­cas­so ist ein Pla­net. Die­sen Pla­ne­ten kann man be­woh­nen und ihn zur glei­chen Zeit im­mer neu ent­de­cken. Pi­cas­sos Werk hat vie­le Anfänge, aber nie­mals ein En­de. Die Per­son und ih­re Kunst sind un­er­schöpf­lich. Da­rin liegt ih­re nie ver­sie­gen­de Fas­zi­na­ti­on. Reicht das, um zu er­klä­ren, dass we­der Aus­stel­lungs­ma­cher noch Mu­se­ums­be­su­cher je­mals mü­de wer­den, sich mit dem spa­ni­schen Jahr­hun­dert­künst­ler zu be­schäf­ti­gen?

Nicht nur. Wenn nun 60 Aus­stel­lungs­häu­ser in acht Län­dern fast zwei Jah­re lang den Pi­cas­so des Mit­tel­mee­res fei­ern, dann geht es auch um die Fra­ge ei­ner über na­tio­na­le Gren­zen hin­aus­rei­chen­den Iden­ti­tät. Pi­cas­so ver­kör­pert das Mit­tel­meer re­gel­recht. Das macht ihn zur Pro­jek­ti­ons­fi­gur schlecht­hin.

Das gilt aber auch für die Kunst der Mo­der­ne. Nicht nur Pi­cas­sos Werk ist an uni­ver­sa­ler Wei­te kaum zu über­bie­ten. Auch sei­ne Per­son ver­kör­pert al­les, was ei­ne heu­te weit­hin gül­ti­ge Kultur der Selbst­ver­wirk­li­chung aus­macht. Pa­blo Pi­cas­so ist sein ei­ge­ner Li­fe­style. Und so der Arche­typ des Men­schen, der al­le Op­tio­nen sei­ner Exis­tenz aus­schöpft. Gibt es für die Men­schen der Er­leb­nis­ge­sell­schaft ein hö­he­res Ziel?

Von Ste­fan Lüd­de­mann

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