Ex-Prä­si­dent Wul­ff als Pro­ku­rist – darf er das?

Frü­he­res Staats­ober­haupt ar­bei­tet für Mo­de­fir­ma – Ruf nach Re­form der Eh­ren­sold-Re­ge­lung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bea­te Ten­fel­de

Nach sei­nem Rück­tritt als Bun­des­prä­si­dent be­kommt Chris­ti­an Wul­ff le­bens­lang Eh­ren­sold von mehr als 200 000 Eu­ro im Jahr. Dass der frü­he­re Mi­nis­ter­prä­si­dent von Nie­der­sach­sen of­fen­bar als Pro­ku­rist für ein tür­ki­sches Mo­de­la­bel ar­bei­tet, löst ei­ne De­bat­te aus. Darf Wul­ff das?

Ja, sagt das Bun­des­prä­si­di­al­amt auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Nein, be­fin­det Ver­fas­sungs­recht­ler Hans Her­bert von Ar­nim. Nach ei­nem Be­richt der „Bild am Sonn­tag“, wo­nach Wul­ff seit En­de April für die Fir­ma Yar­gi­ci tä­tig sei, for­dert Ar­nim ei­ne Kür­zung des Eh­ren­solds frü­he­rer Staats­ober­häup­ter. „Der Eh­ren­sold für Bun­des­prä­si­den­ten ist ein über­hol­tes, nicht zu recht­fer­ti­gen­des Pri­vi­leg. Kein an­de­rer staat­li­cher Amts­trä­ger er­hält im Ru­he­stand wei­ter 100 Pro­zent sei­ner Be­zü­ge“, er­klär­te der Ver­fas­sungs­recht­ler. Ar­nim wies fer­ner dar­auf hin, dass ein Durch­schnitts­be­am­ter so­gar Geld ein­bü­ße, wenn er als Pen­sio­när ar­bei­te. „Wenn ein Be­am­ter im Ru­he­stand pri­va­te Ein­künf­te er­zie­le und noch nicht das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­be, müs­se er die­se Ein­nah­men auf die Pen­si­on an­rech­nen las­sen.

Für Prä­si­den­ten sieht es tat­säch­lich an­ders aus. „Das Ge­setz über die Ru­he­be­zü­ge des Bun­des­prä­si­den­ten ent­hält in Pa­ra­graf 3 ei­ne An­rech­nungs­vor­schrift. Da­nach wer­den Ein­kom­men oder Ver­sor­gungs­be­zü­ge aus ei­ner Tä­tig­keit im öf­fent­li­chen Di­enst auf den Eh­ren­sold an­ge­rech­net“, sag­te der Spre­cher des Prä­si­di­al­amts, To­bi­as Scheu­fe­le, un­se­rer Re­dak­ti­on. Zu­gleich hebt er her­vor: „Die An­rech­nung von Ein­kom­men aus pri­va­ter Tä­tig­keit sieht das Ge­setz nicht vor.“

„Un­ab­hän­gig von der Per­son Wul­ff muss der Eh­ren­sold für Bun­des­prä­si­den­ten ge­kürzt wer­den“, sag­te der Prä­si­dent des Bun­des der Steu­er­zah­ler, Rei­ner Holz­na­gel: „Ei­ne 100-pro­zen­ti­ge Ali­men­tie­rung ist nicht mehr zeit­ge­mäß und nicht län­ger ak­zep­ta­bel.“Statt­des­sen müs­se über ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­zugs­grö­ße dis­ku­tiert wer­den, die so­wohl die Bü­ro­aus­stat­tung von ExPrä­si­den­ten als auch den Di­enst­wa­gen ein­be­zieht.

Wul­ff war im Fe­bru­ar 2012 nach Ein­lei­tung staats­an­walt­schaft­li­cher Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts der Vor­teils­nah­me als Bun­des­prä­si­dent zu­rück­ge­tre­ten. Er hat­te das höchs­te Staats­amt nur 20 Mo­na­te in­ne. 2014 wur­de er von den Vor­wür­fen vor Ge­richt frei­ge­spro­chen und er­öff­ne­te ei­ne An­walts­kanz­lei in Ham­burg. Wul­ff be­treut laut „Bild am Sonn­tag“die Fir­ma Yar­gi­ci seit de­ren Markt­ein­tritt An­fang 2016 ju­ris­tisch. Seit letz­tem April ha­be er Pro­ku­ra. Wul­ff selbst woll­te sich zu sei­nem Ver­dienst als Pro­ku­rist nicht äu­ßern, wie die „FAZ“schrieb.

Au­ßer Wul­ff ha­ben An­spruch auf Eh­ren­sold sei­ne Vor­gän­ger Joa­chim Gauck und Horst Köh­ler. Köh­ler, der 2010 als Prä­si­dent zu­rück­trat, soll laut Me­dien­be­rich­ten auf sei­nen Eh­ren­sold ver­zich­tet ha­ben.

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