Von Op­fern, Tä­tern und Ver­säum­nis­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Bei al­lem, was bis jetzt im Fi­pro­nil-Skan­dal be­kannt ge­wor­den ist, ha­ben sich be­trof­fe­ne Bau­ern nur ei­nen Vor­wurf ge­fal­len zu las­sen: dass sie trotz ih­rer Kennt­nis um die Hart­nä­ckig­keit der Blut­laus die Wun­der­wir­kung des an­geb­lich aus äthe­ri­schen Ölen zu­sam­men­ge­rühr­ten Ge­bräus nicht kri­ti­scher hin­ter­fragt ha­ben. Ih­re Gut­gläu­big­keit wird nun dop­pelt be­straft: Eier und da­mit ba-

res Geld wer­den ver­nich­tet, und oben­drein er­mit­telt auch noch die Staats­an­walt­schaft.

Die Kri­mi­nel­len sind wohl nicht auf den Bau­ern­hö­fen zu fin­den, son­dern ent­lang der Lie­fer­ket­te, die sich von Ru­mä­ni­en und Bel­gi­en bis in die Nie­der­lan­de zieht. Es bleibt un­ver­ständ­lich, dass Bel­gi­en wi­der bes­se­res Wis­sen erst gar nicht und dann un­zu­rei­chend ge­warnt hat, dass die Nie­der­län­der Lis­ten be­trof­fe­ner Be­trie­be nicht schnel­ler wei­ter­ge­reicht ha­ben. Die Kri­tik der Bun­des­re­gie­rung dar­an war di­plo­ma­tisch, aber deut­lich.

Ein­mal mehr wird klar, dass auch nach Di­oxin im Fut­ter­mit­tel und Pfer­de­fleisch in der La­sa­gne kei­ne ef­fek­ti­ve Über­wa­chung be­steht, die im Zwei­fels­fall Schlim­me­res ver­hin­dern kann, statt nur viel zu spät zu war­nen. Ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie muss auch grenz­über­grei­fend kon­trol­liert wer­den – oh­ne Rück­sicht auf na­tio­na­le, re­gio­na­le, lo­ka­le Be­find­lich­kei­ten. Es geht um die Ge­sund­heit der Ver­brau­cher.

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