Der klei­ne Rie­se Hol­ly­woods

Film­star Dus­tin Hoff­man wird heute 80 – „Nichts ist für mich selbst­ver­ständ­lich“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von To­bi­as Sun­der­diek

Heute wird ei­ner der wich­tigs­ten Cha­rak­ter­dar­stel­ler Hol­ly­woods 80 Jah­re alt: Dus­tin Hoff­man. Erst spät – näm­lich mit 30 – be­gann er sei­ne Film­kar­rie­re – und die dau­ert bis heute an. Sein Mar­ken­zei­chen: die Wand­lungs­fä­hig­keit.

OS­NA­BRÜCK. Kein Zwei­fel: Hät­te es den Auf­bruchs­geist der 60er-Jah­re nicht ge­ge­ben, Dus­tin Hoff­man wä­re wahr­schein­lich nie ein Film­star ge­wor­den. Denn mit nur 1,66 Me­ter Kör­per­grö­ße pass­te er ein­fach nicht ins Rol­len­ras­ter des klas­si­schen „Hel­den“. Und doch wur­de er zu Hol­ly­woods „Litt­le Big Man“. So hieß nicht nur sei­ne Ti­tel­rol­le in Ar­thur Penns sa­ti­ri­schem An­ti-Wes­tern von 1970, sie be­zeich­net ihn auch tref­fend. Denn be­reits mit sei­ner ers­ten gro­ßen Haupt­rol­le in Mi­ke Ni­chols „Die Rei­fe­prü­fung“(1967) – seit Kur­zem wie­der im Ki­no­ver­leih – fes­tig­te Hoff­man sein Rol­len­fach: Zwar spiel­te er dar­in den Lieb­ha­ber der Mut­ter sei­ner Braut, zum „Schwie­ger­mut­ter-Lieb­ling“war er aber nicht ge­schaf­fen. Dus­tin Hoff­mans Rol­len hat­ten oft auch ei­ne un­gla­mou­rö­se, zwie­ge­spal­te­ne Sei­te.

Wie in John Schle­sin­gers „As­phalt Cow­boy“(1969), wo er ei­nen tod­kran­ken Klein­ga­no­ven an der Sei­te Jon Voights spiel­te. Ei­ne Paa­rung, die sich wie­der­ho­len soll­te, denn Hoff­man wur­de ger­ne vi­ri­len Stars ge­gen­über­ge­stellt. So deck­te er an der Sei­te Ro­bert Red­fords in Alan J. Pa­ku­las Po­lit­thril­ler „Die Un­be­stech­li­chen“(1976) die Wa­ter­ga­te-Af­fä­re auf, oder floh an der Sei­te Ste­ve McQueens von ei­ner tro­pi­schen Ge­fäng­nis­in­sel in „Pa­pil­lon“, der Ver­fil­mung von Hen­ri Char­riè­res Best­sel­ler. Auch be­ein­druck­te er in „Len­ny“(1974) als dro­gen­süch­ti­ger Ko­mi­ker, als drang­sa­lier­ter Leh­rer in Sam Pe­ckin­pahs um­strit­te­nen Selbst­jus­tiz­dra­ma „Wer Ge­walt sät“(1971) oder als Fol­ter­op­fer des Alt-Na­zis Lau­rence Oli­vier in „Der Ma­ra­thon-Mann“(1976).

Hol­ly­wood be­dach­te den Sohn ei­nes Film­de­ko­ra­teurs mit ost­eu­ro­pä­isch-jü­di­schen Wur­zeln un­ter an­de­rem mit sie­ben Os­car-No­mi­nie­run­gen. Zwei­mal wur­de Hoff­man aus­ge­zeich­net: für sei­ne Rol­le in dem Schei­dungs­dra­ma „Kra­mer ge­gen Kra­mer“(1979) so­wie 1989 als Au­tist an der Sei­te von Tom Crui­se in „Rain Man“. Bei­de Fil­me wur­den zu Rie­sen­er­fol­gen, wie auch Sydney Pol­lacks „Toot­sie“(1982). Dar­in spielt er ei­nen ar­beits­lo­sen Schau­spie­ler, der ei­ne Frau spielt, die zum TV-Sei­fen­opern-Star wird.

Da­ne­ben stell­te Hoff­man sei­ne Fä­hig­kei­ten aber auch im Thea­ter un­ter Be­weis, et­wa als Wil­ly Lo­man in Ar­thur Mil­lers Klas­si­ker „Tod ei­nes Hand­lungs­rei­sen­den“. Ei­ne Rol­le, die er für Vol­ker Sch­lön­dorffs Ver­fil­mung 1985 wie­der­hol­te.

Ab den 1990ern spiel­te Hoff­man aber auch in Block­bus­tern und „High Con­cept“-Fil­men mit. Ste­ven Spiel­berg be­setz­te ihn in „Hook“(1991) als Geg­ner Pe­ter Pans, Wolf­gang Pe­ter­sen 1995 in dem Ebo­la-Vi­rus-Thril­ler „Out­break“, Bar­ry Le­win­son als Hol­ly­wood-Pro­du­zen­ten in der Po­lit­sa­ti­re „Wag the Dog“(1997) und Tom Tykwer 2006 in „Das Par­fum“ als ita­lie­ni­scher Duft­ent­wick­ler. Ein Mann, der al­les glaub­haft spie­len kann. Ger­ne zi­tiert Dus­tin Hoff­man sein Vor­bild, den be­rühm­ten Schau­spiel­leh­rer Lee Stras­berg: „Es gibt kei­ne Ju­gend­li­chen, Recht­schaf­fe­nen, Schur­ken oder Hel­den oder ei­nen Haupt­dar­stel­ler – wir sind al­les nur Cha­rak­te­re“. Dass Hoff­man sehr vie­le die­ser „Cha­rak­te­re“ver­kör­pert hat, be­wei­sen sei­ne Fil­me. Auch heute noch.

Der Schau­spie­ler ist in zwei­ter Ehe seit 37 Jah­ren mit der An­wäl­tin Li­sa Gott­se­gen ver­hei­ra­tet, in Hol­ly­woods schei­dungs­freu­di­ger Ge­sell­schaft ei­ne Sel­ten­heit. Sein Le­ben sei durch­aus mal trau­rig oder de­pri­mie­rend ge­we­sen, aber nie lang­wei­lig, sag­te Dus­tin Hoff­mann ein­mal in ei­nem In­ter­view: „Nichts ist für mich selbst­ver­ständ­lich. So et­was lernt man mit dem Al­ter.“

Auf vie­le be­ein­dru­cken­de Rol­len kann Hol­ly­woo­dSchau­spie­ler Dus­tin Hoff­man in sei­ner Kar­rie­re zu­rück­bli­cken, die erst im Al­ter von 30 Jah­ren mit dem Film „Die Rei­fe­prü­fung“(oben, ne­ben An­ne Ban­croft) be­gann. Er bril­lier­te auch in „Rain Man“(links) und „Die Un­be­stech­li­chen“(un­ten) an der Sei­te von Tom Crui­se und Ro­bert Red­ford. Pri­vat ist er seit 37 Jah­ren mit Li­sa Gott­se­gen ver­hei­ra­tet. Fo­tos: dpa/im­a­go/Keysto­ne/Uni­ted Ar­chi­ves

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