Sy­ri­en-Er­mitt­le­rin Del Pon­te schmeißt re­si­gniert hin

Ehe­ma­li­ge UN-Chef­an­klä­ge­rin be­klagt man­geln­de po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung: Der Si­cher­heits­rat will kei­ne Ge­rech­tig­keit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Ver­bun­den mit schar­fer Kri­tik, hat die ehe­ma­li­ge UN-Chef­an­klä­ge­rin Car­la Del Pon­te ih­ren Rück­tritt aus der Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen für Sy­ri­en an­ge­kün­digt. Sie wer­de im Sep­tem­ber zum letz­ten Mal an ei­ner Sit­zung teil­neh­men, sag­te Del Pon­te der Schwei­zer Zei­tung „Blick“am Sonn­tag.

„Ich kann nicht mehr in die­ser Kom­mis­si­on sein, die ein­fach nichts tut“, sag­te Del Pon­te. Sie sei nur als „Ali­bi­Er­mitt­le­rin oh­ne po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung“ein­ge­setzt wor­den. Der Si­cher­heits­rat wol­le „kei­ne Ge­rech­tig­keit“, sag­te die 70-jäh­ri­ge Ju­ris­tin.

Der UN-Men­schen­rechts­rat hat­te die Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on für Sy­ri­en im Au­gust 2011 ein­ge­setzt – we­ni­ge Mo­na­te nach dem Be­ginn

der Pro­tes­te ge­gen As­sad im März. Del Pon­te trat der Kom­mis­si­on im Sep­tem­ber 2012 bei. Das von dem Bra­si­lia­ner Paulo Pin­hei­ro ge­lei­te­te Gre­mi­um er­hielt bis heute nicht die Er­laub­nis der sy­ri­schen Füh­rung, in das Land zu rei­sen.

Zu An­fang ha­be es in Sy­ri­en „die Gu­ten und die Bö­sen“ge­ge­ben – die Re­gie­rung als Bö­se und ih­re Geg­ner als Gu­te. Mitt­ler­wei­le sei­en in Sy­ri­en al­le bö­se, sag­te Del Pon­te. Die Re­gie­rung des Prä­si­den­ten Ba­schar al-As­sad ver­übe „schreck­li­che Ver­bre­chen ge­gen die Men­sch­lich­keit“und set­ze Che­mie­waf­fen ein. Die Op­po­si­ti­on be­ste­he nur noch aus „Ex­tre­mis­ten und Ter­ro­ris­ten“. Die in Sy­ri­en ver­üb­ten Ver­bre­chen nann­te die Schwei­ze­rin schlim­mer als die­je­ni­gen in Ruan­da oder im ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en. Del Pon­te war von 1999 bis 2007 Chef­an­klä­ge­rin des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs in Den Haag für die Kriegs­ver­bre­chen in Ex-Ju­go­sla­wi­en so­wie für den Völ­ker­mord in Ruan­da.

Bei dem Krieg in Sy­ri­en wur­den bis heute mehr als 330 000 Men­schen ge­tö­tet, knapp ein Drit­tel der Op­fer wa­ren nach An­ga­ben von Ak­ti­vis­ten Zi­vi­lis­ten. Mehr als die Hälf­te der Be­völ­ke­rung er­griff die Flucht.

Car­la Del Pon­te Fo­to: dpa

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