Neu­er Wahl­ter­min passt CDU nicht

Al­t­hus­mann ir­ri­tiert – War­nung an Weil – Streit um Grü­nen-Ab­weich­le­rin Twes­ten hält an

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Mit dem En­de der rot-grü­nen Mehr­heit im Land­tag än­dern sich die par­la­men­ta­ri­schen Re­geln in Nie­der­sach­sen. Bis zu den Neu­wah­len will die Op­po­si­ti­on Stär­ke zei­gen. Doch beim Wahl­ter­min muss sie zu­rück­ste­cken.

HANNOVER. Schon die Art der Zu­sam­men­kunft zeigt die neu­en Macht­ver­hält­nis­se in Nie­der­sach­sen. An­ge­sichts des Ver­lus­tes sei­ner Land­tags­mehr­heit hat­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) am Frei­tag die Frak­ti­ons­chefs von CDU, SPD, Grü­nen und FDP zu 12 Uhr in die Staats­kanz­lei ein­ge­la­den. Land­tags­prä­si­dent Bernd Bu­se­mann (CDU) fühl­te sich dü­piert. Und da es um die Zu­kunft des Land­tags ging, ver­än­der­te er die Ein­la­dung für den­sel­ben Tag: Frak­ti­ons­und Lan­des­par­tei­chefs, 12.30 Uhr, Land­tag.

Bu­se­manns Bot­schaft ist klar: Weil hat kei­ne Macht­ba­sis mehr und ist nur noch Lan­des­chef auf Ab­ruf. CDUFrak­ti­ons­chef Björn Thüm­ler warnt, die Lan­des­re­gie­rung sol­le bis zur Wahl am 15. Ok­to­ber per­so­nel­le Ve­rän­de­run­gen jen­seits von Re­gel­be­för­de­run­gen sein las­sen. Bei dem noch of­fe­nen Hilfs­fonds für Hoch­was­ser­op­fer will die CDU Nach­bes­se­run­gen: Die bis­her ein­ge­plan­ten 25 Mil­lio­nen Eu­ro reich­ten nicht aus.

Die macht­po­li­ti­schen Mus­kel­spie­le kön­nen nicht ganz ver­de­cken, dass es an die­sem Mon­tag für die CDU nicht ganz so ge­lau­fen ist wie ge­plant: Zu­sam­men mit der FDP for­der­te sie seit Frei­tag, den neu­en Land­tag zu­sam­men mit der Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber be­stim­men zu las­sen. Da­mit hät­ten die Par­tei­en den bun­des­wei­ten Um­fra­ge­schwung mit­neh­men kön­nen. Bei­de Par­tei­en füh­len sich durch ent­spre­chen­de Aus­sa­gen Weils und der Lan­des­wahl­lei­te­rin Ul­ri­ke Sachs be­stä­tigt. Am Mon­tag sagt Sachs aber, dass das mit dem 24. Sep­tem­ber zeit­lich zu eng wird. Al­t­hus­mann ist da­nach kon­ster­niert: „Ich kom­me aus der Pha­se des Wun­derns nicht her­aus“, sagt er.

Auch Weil ist für schnel­le Neu­wah­len. Die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on ist „ge­lin­de ge­sagt un­gut für das Land“, sagt er. Das wol­le man so schnell wie mög­lich be­en­den. Die po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung wer­de aber „mit Si­cher­heit wei­ter­ge­hen“, er­klärt der Mi­nis­ter­prä­si­dent und meint da­mit vor al­lem die Dis­kus­si­on um die Ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten.

Twes­ten war am Frei­tag von den Grü­nen zur CDU ge­wech­selt und hat­te da­mit die rot-grü­ne Ein­stim­menmehr­heit be­en­det und die Re­gie­rungs­kri­se aus­ge­löst. Seit­dem er­klä­ren SPD und Grü­ne, es ha­be wohl Lo­ckun­gen der CDU ge­ge­ben. Grü­nen Fr akt ions ge­schäfts­füh­rer Hel­ge Lim­burg will so­gar von ei­nem „un­mo­ra­li­schen An­ge­bot“ge­hört ha­ben. Mit sol­chen Atta­cken ver­gif­te­ten Lim­burg und an­de­re den po­li­ti­schen Dis­kurs, sagt Lim­burgs CDU-Ge­gen­part Jens Na­cke. Er zi­tiert aus In­ter­net-Pos­tings, in de­nen Twes­ten als „Ju­das“oder Schlim­me­res be­zeich­net und ihr der Tod an­ge­droht wird.

Twes­ten weist die „Ver­leum­dun­gen“zu­rück. Tat­säch­lich hät­ten nicht die CDU-Leu­te, son­dern Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil und Grü­nen-Frak­ti­ons­chef in An­ja Piel po­li­ti­sche „Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten“in Aus­sicht ge­stellt. Lim­burgs Vor­wür­fe sei­en „un­an­stän­dig“.

Nicht glück­lich mit dem Wahl­ter­min ist CDU-Lan­des­chef Bernd Al­t­hus­mann. Fo­to: dpa

Wie es wei­ter­geht in Nie­der­sach­sen, er­fah­ren Sie auf noz.de. Dort fin­den Sie auch ei­nen Ver­gleich von Weils VW-Re­de im Ori­gi­nal und in der End­fas­sung.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.