Mehr als 40 Vor­ha­ben sind noch of­fen

Re­gie­rungs­kri­se stellt Was­ser­ge­setz und Pacht­preis­brem­se in­fra­ge – Flut­hil­fen und Ni­kab-Ver­bot kom­men wohl den­noch

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Klaus Wie­sche­mey­er

HANNOVER. Am Mon­tag­vor­mit­tag ge­gen 10.40 Uhr ging das neue nie­der­säch­si­sche Was­ser­ge­setz un­ter. Im Raum 1105 des Land­tags in Hannover kipp­te der Um­welt­aus­schuss die ur­sprüng­lich ge­plan­te Ver­bands­an­hö­rung des rot-grü­nen Ent­wurfs und brach die 95. Sit­zung ab.

Ob es noch ei­ne 96. Sit­zung gibt, ist un­klar: Nach dem Aus­tritt der Ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten bei den Grü­nen hat die Re­gie­rung nicht nur kei­ne Land­tags­mehr­heit mehr, die das um­strit­te­ne Was­ser­ge­setz ver­ab­schie­den könn­te. Auch der Um­welt­aus­schuss müss­te we­gen der ver­än­der­ten Mehr­heits­ver­hält­nis­se neu be­setzt wer­den, soll­te er noch ein­mal ta­gen. Da­nach sieht es nicht aus: Im Raum 1105 herrsch­te am Mon­tag­mor­gen Ab­schieds­stim­mung. Kurz be­ton­ten al­le Par­tei­en, wie sach­lich man vier­ein­halb Jah­re zu­sam­men­ge­ar­bei­tet und ge­strit­ten ha­be. Dann ging es nach 14 Mi­nu­ten aus­ein­an­der.

Das von Op­po­si­ti­on und Land­wir­ten kri­ti­sier­te Was­ser­ge­setz ist kein Ein­zel­fall: Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung hat noch ins­ge­samt 47 of­fe­ne Ge­set­zes­vor­ha­ben im Par­la­ment lie­gen. Die meis­ten soll­ten ur­sprüng­lich noch auf den letz­ten Drü­cker bis zur Land­tags­wahl im Ja­nu­ar 2018 ver­ab­schie­det wer­den. Der rot-grü­ne Mehr­heits­ver­lust mach­te dem ei­nen Strich durch die Rech­nung.

Erst am 3. Au­gust brach­te die Lan­des­re­gie­rung ein 25Mil­lio­nen-Eu­ro-Hilfs­pa­ket für die Op­fer des Ju­li-Hoch­was­sers in Nie­der­sach­sen ein. Das könn­te noch kom­men, denn die CDU hat Zu­stim­mung si­gna­li­siert. „Die Flut­op­fer sol­len nicht un­ter dem Schei­tern der Lan­des­re­gie­rung lei­den müs­sen“, hat­te Par­tei­chef Bernd Al­t­hus­mann be­reits am Frei­tag er­klärt. Auch ein nach dem Fall der Ni­kab-Schü­le­rin in Belm auf den Weg ge­brach­tes Ver­schleie­rungs­ver­bot für Schü­ler dürf­te noch be­schlos­sen wer­den.

An­de­res dürf­te bis zu den Neu­wah­len lie­gen blei­ben. Da­mit greift das Prin­zip der Dis­kon­ti­nui­tät, dem­zu­fol­ge al­le of­fe­nen Ge­set­zes­vor­ha­ben au­to­ma­tisch ver­fal­len. Und dar­un­ter dürf­ten ei­ni­ge wich­ti­ge Pro­jek­te von Ro­tG­rün fal­len, die quer durch die Res­sorts ge­hen: So ar­bei­tet das In­nen­mi­nis­te­ri­um seit Jah­ren an ei­nem neu­en Po­li­zei­ge­setz, wel­ches un­ter an­de­rem die Fuß­fes­sel für Ge­fähr­der vor­sieht.

Auch die von Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) ge­plan­te Pacht­preis­brem­se für Bau­ern­land dürf­te in die­sem Jahr nichts mehr wer­den, ge­nau­so wie gleich meh­re­re Pro­jek­te aus dem Res­sort von So­zi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD).

Dar­un­ter ist auch das Nie­der­säch­si­sche Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­set­zes (NGG). Für die­ses Re­gel­werk hat­te sich üb­ri­gens die da­ma­li­ge frau­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, El­ke Twes­ten, stark­ge­macht.

Leid­tra­gen­de des Hoch­was­sers in Nie­der­sach­sen dür­fen wei­ter auf ra­sche Hil­fe hof­fen.

Fo­to: dpa

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